Management will Fehlzeiten reduzieren

28. Mai 2006, 19:28
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Die Maßnahmen zur Senkung der Fehlzeiten werden verschärft - bis zu Hausbesuchen bei Langzeit-Kranken­ständen. Harsche Kritik daran kommt von den Grünen

Wien - Der Vorstand der ÖBB, der nach der Bahnreform 2005 viel Zeit mit der Abstimmung zwischen den verselbstständigten Unternehmensteilen aufzuwenden hatte, will jetzt verstärkt gegen Fehlzeiten vorgehen. In einem 73-seitigen Papier, das dem STANDARD vorliegt, hat sich das Unternehmen eine Handlungsanleitung stricken lassen - "zur Reduzierung der Fehlzeiten, Erhöhung der Motivation und Produktivität für ein gesundes, sicheres, wirtschaftliches und schnelles Unternehmen", wie es in dem Leitfaden heißt.

Allein in der ÖBB Infrastruktur Betrieb AG, in der etwa 18.000 der rund 46.000 ÖBB-Mitarbeiter tätig sind, summierten sich die Krankenstände im Vorjahr auf knapp 400.000. Zusammen mit 16.800 Kuraufenthaltstagen ergab sich ein Fehlzeitenvolumen von fast 417.000 Tagen, was einer Fehlzeitenquote von 6,1 Prozent entspricht. Ziel der ÖBB-Spitze ist es, diese Quote heuer auf 5,1 Prozent zu drücken.

Gesprächseinladung

Gelingen soll dies mittels gezielter Gespräche, zu denen alle Mitarbeiter eingeladen werden sollen, die binnen eines Jahres mehr als 15 Fehltage bzw. vier Krankmeldungen hatten. In der Infrastruktur Betrieb AG könnte das 30 von 100 Mitarbeiter betreffen. Ziel sei es, die Ursachen für das Fernbleiben herauszufinden, um gegebenenfalls Verbesserungen am Arbeitsplatz vornehmen zu können, stellt man bei der Bahn klar.

In dem Leitfaden ist auch von Hausbesuchen bei Langzeitkrankenständen die Rede. Dabei gelte es, "den betroffenen Mitarbeitern (. . .) zu vermitteln, dass ihr Fernbleiben nicht gleichgültig zur Kenntnis genommen wird. Vielmehr soll mit dem Hausbesuch den Betroffenen nahe gebracht werden, dass man sie sehr vermisst und ihr Gesundwerden ein Anliegen ist".

Die ursprünglich vorgesehen gewesenen Produktivitätsprämien, die eine nachhaltige Reduktion der Fehlzeiten bringen sollten, wurden wieder fallen gelassen. "Das hat sich als nicht zielführend gezeigt", heißt es bei den ÖBB.

Kritik von den Grünen

Harsche Kritik am Vorgehen des ÖBB-Managements gibt es von den Grünen. Sozialsprecher Karl Öllinger wies im Gespräch mit dem STANDARD darauf hin, dass sich die ÖBB mit einer Fehlzeitenquote von 6,1 Prozent "durchaus im Schnitt anderer Branchen" bewegten. Den Wert innerhalb eines Jahres um einen Prozentpunkt senken zu wollen sei "völlig daneben, kontraproduktiv".

Außerdem seien Hausbesuche, wie sie in dem Leitfaden angedacht werden, "ein unzulässiger Eingriff in die Privatsphäre, selbst wenn sie unter dem Begriff der Fürsorge des Arbeitgebers dahersegeln", wie Öllinger sagte. "Der Arbeitgeber hat bei Krankheit keine Kompetenz, das sind der Arzt bzw. die Sozialversicherung, die sich darum zu kümmern haben."

Bei den ÖBB weist man darauf hin, dass es bei zwei Dritteln der Mitarbeiter nichts zu beanstanden gebe. Ein Drittel weise aber überdurchschnittlich hohe Fehlzeiten auf, die wolle man eindämmen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.4./30.4./1.5.2006)

  • Das Management der ÖBB sucht Wege, die Krankenstände zu senken.
    foto: öbb

    Das Management der ÖBB sucht Wege, die Krankenstände zu senken.

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