Reportage: "Wenn die im Häfen sind, komm ich wieder"

7. Mai 2006, 12:42
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Besorgte Bawag-Kunden zogen auch am ver­gangenen Freitag ihr Kapital ab - An den Schaltern bildeten sich lange Schlangen, Geld­transporte sorgten laufend für Nachschub

Wien/Klagenfurt – Bei der Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K wird das Geld knapp. Vergangenen Freitag versorgten Geldtransporter pausenlos die Zweigstellen, viele Kunden verlangten nach ihren Ersparnissen. Lange Warteschlagen bildeten sich – wie auch schon am Donnerstag – in den Filialen, die Bankangestellten hatten alle Hände voll zu tun. Anmeldefristen für die Behebung höherer Beträge wie etwa Firmenkonten könnten nicht ausgeschlossen werden, hieß es in einer Filiale.

Gedrückte Stimmung

Die Stimmung unter den Wiener Bawag-Kunden, die ihre Konten und Sparbücher abzogen, war gedrückt. Manche ließen aber auch ihrem Ärger freien Lauf: "Wenn Elsner und Konsorten im Häfen sind, bringe ich mein Geld wieder", sagt eine Kundin am Schalter. Sie sei seit 1976 bei der Bawag und ziehe nun ihre Sparbücher ab. Ihr Gehaltskonto will sie "vorerst" nicht auflösen, aber bis auf das Kapital für die Daueraufträge hebt sie auch ihren Monatslohn ab. Der Bawag-Angestellte zeigt Verständnis: "Die werden nie verurteilt werden und haben alle abgesahnt! Wenn bei ihnen mal die Kassa mit 50 Euro nicht stimmt, gibt es Vorwürfe, Anhörungen und strenge Abmahnungen."

Eine andere Kundin, die lediglich normale Bankgeschäfte abwickeln möchte, ärgert sich über die lange Wartezeit, macht sich aber um ihr Geld keine Sorgen: "Ich habe hier mein Konto und ein Sparbuch mit 5000 Euro. Damit komme ich nicht auf die ohnehin gesicherten 20.000 Euro." Ein Filialleiter in Oberösterreich: "Die Leute im ÖGB wissen gar nicht, was sie uns angetan haben. Unsere Kunden beschimpfen uns, wir sind ständig mit diesen Vorwürfen konfrontiert, obwohl wir immer nur gearbeitet haben. Bei den Auszahlungen geht uns immer wieder das Geld aus, die Bank war für diese Situation überhaupt nicht gewappnet."

"Mir reicht es"

Szenenwechsel: Bawag-Zentrale am Klagenfurter Domplatz. An allen Schaltern stehen Kunden Schlange. "So viele Menschen habe ich hier noch nie gesehen", flüstert eine Kundin. Das Schalterpersonal bemüht sich, "business as usual" zu demonstrieren: Es sei der Monats-Ultimo, da sei immer viel los. So manchem steht die Sorge ums hart Ersparte ins Gesicht geschrieben, wenn auch nicht alle ihre Sparbücher und Konten auflösen wollen. "Es wäre doch absolut falsch, jetzt Geld abzuziehen", sagt ein Gewerbetreibender: "Wenn das jeder macht, dann bringt man die Bawag ja erst recht um." Angst um sein Geld hat er nicht: "Das wird doch alles furchtbar aufgebauscht." Die Bawag sei nach wie vor eine starke Bank, die nicht so schnell zusammenbrechen könne.

Ein anderer Kunde schichtet vorsichtshalber seine Spareinlagen um: "Die sind ja nur bis zu 20.000 Euro abgesichert". Andere, vor allem langjährige SPÖ- und Gewerkschaftsmitglieder, zeigen sich empört. Sie fühlen sich von "ihrer" Bank und "ihrem" ÖGB getäuscht und hintergangen: "Gegen die bösen Raubtierkapitalisten schimpfen und sich selbst so benehmen und abräumen. Das ist eine Schande. Mir reicht es, ich nehme mein Geld und trete aus dem ÖGB aus", sagt ein altgedienter Gewerkschafter.

Auch in der STANDARD-Redaktion meldeten sich am Freitag nervöse Kunden, die wissen wollten, ob die Bawag nun "eingeht" und ob sie ihr "Geld holen" sollten.

OeNB-Chef beruhigt

Die Bawag ist die viertgrößte Bank des Landes und hat eineinhalb Millionen Kunden. Wie viel Geld seit Donnerstag abfloss, wurde nicht öffentlich bekannt gegeben. Spareinlagen und Konten sind in Österreich durch den Bankenverband bis zu 20.000 Euro gesetzlich gesichert.

Nationalbankgouverneur Klaus Liebscher beteuerte am Freitag im ORF Radio neuerlich, dass die Bawag über ausreichende Eigenmittel verfüge und ein "solventes Unternehmen" sei. Wenn es zu Engpässen kommen sollte, dann stelle die OeNB Liquidität zur Verfügung: "Wir stehen Gewehr bei Fuß. Es ist keine Panik auszubrechen." (Barbara Forstner, Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.4.2006)

  • Auch am Freitag standen die Kunden Schlange wie hier in einer Bawag-Filiale in der Wiener Landstraße, um ihr Geld abzuheben.
    foto: standard/christian fischer

    Auch am Freitag standen die Kunden Schlange wie hier in einer Bawag-Filiale in der Wiener Landstraße, um ihr Geld abzuheben.

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