Wissenschaft und Praxis im Kombipack

23. Juni 2006, 15:35
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Am FH-Sektor ist eine Marktbereinigung absehbar, für Absolventen bleibt die Arbeitsmarktsituation rosig.

"Die Fachhochschulen haben Zukunft, weil sie den Universitäten bei der angewandten tertiären Bildung und vor allem in der Berufsorientierung mehr und mehr Konkurrenz sind", ist der Rektor der FH Salzburg, Erhard Busek, überzeugt. Konkurrenz sei aber "nicht das Ziel – es geht eher um eine Aufgabenteilung", bei der Teile der Universitätsausbildung "an die Fachhochschulen übertragen werden". Umgekehrt müssten die FHs "darauf achten, sich nicht als Universitäten zu verstehen".

Silvia Kucera, Leiterin der Lauder Business School (LBS), erwartet eine "Bereinigung" des Marktes. "Die Anzahl pa^rallel geführter Studien wird schwinden", inhaltliche Überlappungen würden seltener. Und Vizerektorin Eva Wernder von der FH Krems meint: "Allzu starke Nischenproduk 2. Spalte te werden sich sicherlich neu orientieren müssen."

FH-Campus-Wien-Chef Wilhelm Behensky sieht am Ende dieser "eindeutigeren Positionierung die Abdeckung des tertiären Bildungsangebotes bis zur Hälfte durch die FHs". Um dies zu erreichen, müsse man "dem Zeitmanagement junger Leute verstärkt durch flexible Angebote" entgegenkommen, sagt Rudi Feurstein, Rektor der FH Vorarlberg. Im europäischen Hochschulraum hätten Studierende die Möglichkeit, "individuelle Bildungspfade eigenverantwortlich zusammenzustellen und an inter^nationalen Hochschulen zu studieren", freut sich Tech^nikum-Wien-Rektor Fritz Schmöllebeck.

Durchlässigkeit steigt

Zugleich werde die "Durchlässigkeit" zwischen FH und Uni wichtiger, so der Leiter der FH Joanneum, Markus Tomaschitz: "Nach einem Bachelor auf einer Universität einen Master an einer FH zu wählen – oder umgekehrt – wird selbstverständlich sein."

Neben der Internationalität – inklusive Studierendenaustausch – besinnen sich die FH- Leiter auf lokale Aufgaben: "Regionale Studienzentren mit angewandter Forschung und Entwicklung" sind Ingrid Schwab-Matkovits, Geschäftsführerin der FH Burgenland, ein Anliegen. Auch ihr Pendant von der Grazer FH Campus 02, Peter Hochegger, meint, dass "jede Bildungs^initiative ein Standortqualifizierungselement ist". Eine hochwertige FH bringt "mehr Chancen für die Region".

"Die Fachhochschulen sind nahe an der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt", fügt Ferry Stocker hinzu, Kollegiumsvorsitzender der FH Wiener Neustadt. In der Vermittlungspraxis folgt daraus – gültig für alle FHs –, dass Absolventen "aus mehreren Angeboten auswählen" können, bestätigt Andreas Altmann vom Management Center Innsbruck.

"Die Stärke der Fachhochschulen ist ihre Flexibilität in Bezug auf Änderungen am Bildungs- und Arbeitsmarkt", meint Gerald Reisinger, Geschäftsführer der oberösterreichischen FH. Studien, die die Wirtschaft nicht mehr nachfragt, "müssen aus dem Angebot genommen werden", ergänzt Johann Günther, FH St. Pölten, " da gilt für die Fachhochschulen eine andere Regel als für die Unis." Das Verschwinden einer universitären Disziplin ist für Günther ein Verlust für die Gesellschaft, "an FHs muss aber aktuell und zeitgerecht unterrichtet werden – dann sehe ich kein Arbeitsmarktproblem".

Die Chancen der FH-Studie 4. Spalte renden seien "besser als die der Universitätsabsolventen", ist Helmut Holzinger von der FH bfi Wien überzeugt. "Wirtschaftliche Verschlechterungen treffen natürlich auch Akademiker", stellt Geschäftsführer Michael Heritsch von der FH Wien klar, "dennoch sind die Chancen bei FH-Absolventen ausgezeichnet", durch die "Kombination von Wissenschaft und Praxis".

Eben diese Mischung ermöglicht laut FH-Kärnten- Rektor Herbert Stögner "die sofortige Mitwirkung an der Wertschöpfung, ohne lange Einarbeitungszeiten". Eines dürfe laut LBS-Leiterin Silvia Kucera bei der ganzen Marktorientierung jedoch nicht untergehen: "Unsere humanistischen Wurzeln müssen wieder mehr ins FH-Studium einfließen, und auch die Vermittlung von Social Skills." (DER FACHHOCHSCHUL-STANDARD, Printausgabe, 29./30.4/1.5.2006)

Von Bernhard Madlener
    <p>Wissenschaft und Praxis im Kombipack - wie diese beiden Wartburg-Autos. </p>
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