In der Wirtschaft einen guten Stand

23. Juni 2006, 15:35
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FH-Studium bringt Absolventen Vorteile, Studien über die Effekte für die Wirtschaft in der Umgebung aber sind Mangelware

150 Studiengänge, 18 Anbieter und aktuell knapp 26.000 Studierende: Der FH-Sektor stellt seit Mitte der 90er-Jahre einen wertvollen Wirtschaftsfaktor der Regionen dar.

Denkt man zuerst an die Arbeitsplätze in Lehr- und Organisationsberufen oder an die Entlastung der Arbeitslosenstatistiken durch die Studierenden, so zeigen sich bei näherer Betrachtung noch ganz andere Tatsachen. Die Auslastung des öffentlichen Verkehrs, Patentanmeldungen und das kommunale Steueraufkommen, das von der längerfristigen Konzentration größerer Personengruppen profitiert, sind dabei unbedingt zu erwähnen.

Die bislang umfangreichste Untersuchung stammt aus dem Zeitraum Oktober 2000 bis Oktober 2002 und erschien unter dem Buchtitel "Fachhochschule und Region". Anhand der Standorte Dornbirn (FH Vorarlberg), Hagenberg (FH Oberösterreich) und Kapfenberg (FH Joanneum) deckte Stefan Humpl von der 3s-Unternehmensberatung unter anderem Folgendes auf:

  • Bauindustrie: Für Zu- und Umbauten der FH Vorarlberg wurden seit der Gründung des Technikum Vorarlberg 1989 (die FH entstand 1997) bis zum Ende der Untersuchung 4,7 Mio. Euro investiert.

    Hagenberg brachte bis 2002 rund 16 Mio. Euro für Bauten auf, weitere 36 Mio. waren verplant. Mit 14,5 Mio. Euro förderte auch Kapfenberg die heimische Bauindustrie stark.

  • Unternehmensansiedlung: Neben Betriebsansiedlungen rund um Dornbirn, die nachweislich mit der FH in Beziehung standen, entscheiden sich auch FH-Absolventen oft für die Selbstständigkeit.

    In Hagenberg kam es 1997 bis 2002 zu einer Steigerung, die direkt auf die FH und deren Softwarepark zurückzuführen war. Die Gründungsrate war 2000 mehr als doppelt so hoch wie in Oberösterreich.

    Kapfenberg war für die Betriebsansiedlung ungleich weniger attraktiv, allerdings wurden die FH-Absolventen von außerhalb der Region mit hohen Gehältern abgeworben.

  • Arbeitsmarkt: In allen drei untersuchten Standorten sank die Arbeitslosigkeit seit Mitte der 90er-Jahre rascher als in den verglichenen Bezirken und Bundesländern.

    Dass die Privatwirtschaft ihre besondere Freude nicht nur mit den Absolventen, sondern bereits mit den FH-Praktikanten hat, belegt eine aktuelle Erhebung des FH- Wien-Studiengangs Unternehmensführung.

    94 Prozent der befragten 70 Unternehmen, die im vergangenen Wintersemester Praktikanten beschäftigten, würden demnach sofort wieder einen FH-Studierenden aufnehmen. Die Leistungen wurden auf der Schulnotenskala durchschnittlich mit 1,08 beurteilt, 14 Unternehmen boten einen Voll- oder Teilzeitjob an.

    Besonders beeindruckt zeigten sich die Befragten von den studentischen Softskills: Eigenständiges Arbeiten, Engagement, das aktive Einbringen von Ideen und die Fähigkeit zur Prioritätensetzung wurden hervorgestrichen.

    Da elf der FH-Studierenden ihr Berufspraktikum im Aus 6. Spalte land abdienten – acht innerhalb Europas, zwei in Nordamerika, einer in Malaysia – wurde durch die Untersuchung auch die Internationalität der österreichischen Fachhochschulen aufgezeigt.

    Als eine für die Akademisierung des österreichischen Arbeitsmarktes interessante Tatsache innerhalb des FH- Sektors bleibt schlussendlich herauszustreichen, dass zahlreiche Studiengänge auch für Interessenten ohne Matura zugänglich sind. Voraussetzung ist in diesem Fall die "einschlägige berufliche Qualifikation", die durch den Abschluss einer dreijährigen berufsbildenden mittleren Schule (Fachschule) oder eine dreijährige abgeschlossene Ausbildung einer Lehrberufsgruppe nachgewiesen wird. (DER FACHHOCHSCHUL-STANDARD, Printausgabe, 29./30.4/1.5.2006)

  • Von Bernhard Madlener
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