"Wir haben eine Alleinstellung"

12. Juli 2006, 16:30
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Reed-Exhibitions- Geschäftsführer Matthias Limbeck im STANDARD-Gespräch über die neue Messe "Real Vienna"

Ende Mai veranstaltet Reed Exhibitions Messe Wien eine neuartige Gewerbeimmobilien- und Standortmarketingmesse mit Fokus auf Zentral- und Südosteuropa. Über die Chancen und Risiken sprach Reed-Exhibitions-Geschäftsführer Matthias Limbeck mit Gerhard Rodler.

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STANDARD: Vom 31. Mai bis 2. Juni findet in Wien erstmals eine internationale Gewerbeimmobilienmesse, die Real Vienna, statt. Die Vorlaufzeit dazu betrug gut drei Jahre. Ist das nicht ein bisschen lang?

Limbeck: Vor drei Jahren gab es Gerüchte, dass die MIPIM, die Gewerbeimmobilien- und Standortmarketingveranstaltung in Cannes, nach Wien kommt. Da war nichts dran. Reed Exhibitions Messe Wien hat aber die Idee aufgegriffen und im Zuge der Markterhebungen entdeckt, dass der Bedarf durchaus gegeben ist.

STANDARD: Seither machen Sie dem eigenen Konzern Konkurrenz – immerhin gehören Sie ebenso wie die MIPIM zum internationalen Reed-Konzern.

Limbeck: Wir sehen das im Konzern klar als Ergänzung, weil wir uns ja auf den Zentral- und Osteuropafokus spezialisieren, der wird weder von der MIPIM und schon gar nicht von der Münchner Expo Real abgedeckt, die sich eher zu einer mehrheitlich auf Deutschland ausgerichteten Messe entwickelt. Da haben wir schon eine gewisse Alleinstellung. Und sie ist besonders wichtig für den Wirtschaftsstandort Wien ...

STANDARD: ... sofern die Real Vienna tatsächlich funktioniert. Mit einer ähnlichen Veranstaltung hat die seinerzeitige Wiener Messe schon einmal Schiffbruch erlitten.

Limbeck: Der damalige Versuch war noch von der "alten" Wiener Messe gestartet worden, das hat mit dem heutigen Messebetreiber Reed Exhibitions in keiner Weise etwas zu tun. Ich bin fest überzeugt, dass die Voraussetzungen für den Start einer solchen Messe heute einfach ungleich besser sind. Aber ich gebe Ihnen Recht: Wenn eine Messe nicht erfolgreich verläuft, ist das für alle Beteiligten unerfreulich – doch das wird nicht passieren. Wir hatten noch nie ein so hohes Marketingbudget für eine Fachmesse wie diesmal, sehr viele hochwertige Kooperationen in unseren Zielländern, und die großen österreichischen Marktteilnehmer – allen voran Immofinanz-Chef Karl Petrikovic – engagieren sich ebenso wie die Wiener Politik sehr stark dafür. Dazu kommt natürlich, dass der zentral- und osteuropäische Markt heute viel reifer ist als beim damaligen Versuch 1998.

STANDARD: Wenige Wochen vor der ersten Messe sollten Sie das ja schon absehen können. Wie entwickelt sich denn das Interesse?

Limbeck: Sehr erfreulich. Wir hatten 150 Aussteller angepeilt, diese Marke haben wir schon erreicht.

STANDARD: Wie viele davon kommen aus Österreich? Auch die EXPO Real in München behauptet, den osteuropäischen Markt abzudecken, obwohl der Großteil der Teilnehmer aus Deutschland kommt.

Limbeck: Rund 50 Prozent der Aussteller kommen bei der Real Vienna aus Österreich, allerdings haben sehr viele dieser Teilnehmer ausgedehnte Aktivitäten in Osteuropa, wie beispielsweise die Immofinanz mit ihrer Immoeast. Andererseits: Große und wichtige Regionen beziehungsweise Länder wie Russland, die Ukraine, Polen, Tschechien, Ungarn, Serbien, Bulgarien, die Türkei und Slowenien werden jeweils auf Gemeinschaftsständen sich und die wichtigsten Marktteilnehmer vor Ort präsentieren ...

STANDARD: Aber die große Frage bleibt dennoch, ob diese vielen Aussteller auch auf das von ihnen sicherlich erhoffte Interessentenpotenzial, also Messebesucher, stoßen werden. Letztlich wird daran Ihr Erfolg gemessen.

Limbeck: Wir rechnen mit rund 3000 Fachbesuchern, davon rund die Hälfte internationale Teilnehmer. Nicht vernachlässigen sollte man dabei, dass ja auch die Aussteller untereinander in Geschäftskontakt treten, wie das auch bei der MIPIM der Fall ist.

STANDARD: So wenige Wochen vor Beginn sollten Sie doch schon abschätzen können, ob die 3000 Besucher tatsächlich kommen werden.

Limbeck: Wir haben reichhaltige Erfahrungswerte bei der Organisation von Fachmessen. Ich gehe deshalb davon aus, dass wir die angepeilte Zahl erreichen werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.4.2006)

  • Artikelbild
    foto: reed exhibitions
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