Der Zahnarzt ist der Böse

23. Juni 2006, 13:41
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Milan-Trainer Ancelotti kritisiert Schiedsrichter Merk nach dem Out ge­gen Barca - Spanisch-englisches Finale gab es erst ein Mal

Barcelona/Mailand - Das 51. Finale um die wertvollste Vereinstrophäe Europas heißt FC Barcelona - Arsenal London, bringt das Duell des besten Fußballers Ronaldinho mit dem Tormann der Stunde, Jens Lehmann und steigt am 17. Mai im Stade de France. Eine spanisch-englische Endspiel-Paarung hat es in der Champions League, bis 1992 Europacup der Meister genannt, erst ein einziges Mal gegeben. 1981 triumphierte der FC Liverpool über Real Madrid 1:0. Der damalige Schauplatz war Paris, wo auch diesmal der Showdown über die Bühne geht.

Wie schon am Dienstag in Villarreal, als Arsenal gegen den dortigen Provinz-Klub ein 0:0 dank des Tores im Heimspiel (1:0 durch Kolo Toure) für das erstmalige Erreichen der Endstation Sehnsucht genügte, begnügte sich am Mittwoch auch Barca im Camp Nou gegen den Vorjahresfinalisten AC Milan mit einer Null-Nummer. Auch dort hat sich der Treffer aus dem Hinspiel (1:0 durch den Franzosen Ludovic Guily, der sich auf sein Heimatland und seine Landsleute in den Arsenal-Reihen Henry, Pires etc. riesig freut) als Goldes wert entpuppt.

Merkwürdiger Pfiff

Ob knapp oder deutlich, den 98.000 Fans im Camp Nou war das Wie des Aufstiegs egal. Der fünfte Einzug ins Finale der Finali, das die Katalanen 1992 in London gegen Sampdoria Genua (1:0 n.V) schon einmal gewonnen haben, wurde den Blau-Roten in einem hochklassigen und temporeichen Match nicht einfach gemacht. Milan traf in der 69. Minute durch Andrej Schewtschenko per Kopf auch ins Netz, doch der Deutsche Schiedsrichter Markus Merk wollte zuvor ein Foul des Ukrainers an Puyol gesehen haben.

"Ich weiß nicht, was er gesehen hat, das Tor war in Ordnung. Er hat uns um den verdienten Aufstieg gebracht", kritisierte Milan-Trainer Carlo Ancelotti. Und die "La Gazzetta dello Sport" legte in ihrer Donnerstag-Ausgabe noch zu. "Der Schiedsrichter wirft Milan raus", wählte das Blatt eine populistische Schlagziele. Unter dem Strich haben für Ancelotti aber das "typische Halbfinale, in dem beide Spiele sehr eng waren, Kleinigkeiten" entschieden.

Sündenbock Merk

Für die Rossoneri war der Zahnarzt aus Kaiserslautern der Sündenbock. Dabei übersahen sie, dass Merk Milans Costacurta nach einer Notbremse gegen Eto'o die fällige Rote Karte ersparte. "Wir hätten gewinnen können, aber Barca steht verdient im Finale", wusste der Feldherr nicht so recht ob er sich über die gute Vorstellung seiner Mannen freuen oder über das Ausscheiden ärgern sollte. Sein Kollege Frank Rijkaard war natürlich glücklich, dieser sparte nicht mit Komplimenten.

"Es war ein interessantes Spiel gegen einen starken Gegner. Wir haben unser Ziel erreicht, für unser Glück aber auch hart gearbeitet", meinte der Coach der Hausherren, die den Aufstieg überschwänglich, als wären sie schon am Ziel, zelebrierten. Vorerst wurde aber nur der Angstgegner, der 1994 im Finale das großen Barca-Team von Johan Cruyff in Athen 0:4 gedemütigt hatte, aus dem Weg geräumt. Daher dämpfte Rijkaard auch jede Eurphorie. "In einem Finale gibt es keinen Favoriten."

Eto'o: "Das wird ein würdiges Endspiel"

Für Samuel Eto'o hat sein Mannschaft in den vergangenen Jahren aber Fortschritte gemacht und gelernt. "Wir können verteidigen und wissen jetzt auch, wie man eine Führung über die Zeit bringt. Wir standen das gesamte Spiel unter immensem Druck. Das machte es für uns sehr schwer", meinte der Stürmer aus Kamerun, der sich auf das Finale schon freut. "Das wird sicher ein würdiges Endspiel, denn dort trifft das Team mit den meisten erzielten Toren auf die Mannschaft mit den wenigsten kassierten Toren aufeinander."

In Italien scharte man sich vorerst noch solidarisch um die tragischen Helden. "Addio Milan - die Champions League ist verhext", schrieb "La Repubblica" und erinnerte an die traumatische Finalniederlage 2005, als Milan gegen Liverpool in Istanbul einen 3:0-Vorsprung verjuxte und im Elferschießen unterging. Die Zeit der Abrechnung wird spätestens dann kommen, wenn Milan in der Serie A hinter Juventus wie im Vorjahr Zweiter und ohne Titel bleibt. Ancelottis Stuhl wackelt, wenn die Alte Dame wieder vor Milan Meister wird, dann kippt er wohl.(APA/dpa/Reuters/AFP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein aufgebrachter Ancelotti.

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