"Küchenkunst und Tafelkultur"

19. Juni 2006, 15:31
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An den Geschmack der Kartoffel musste man sichlange gewöhnen Kochen - Ausstellung in Österreichischer Nationalbibliothek

Wien - Rezeptsammlungen und Küchenutensilien vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert zeigt die Ausstellung "Küchenkunst und Tafelkultur" ab 8. April in der Österreichischen Nationalbibliothek. Auch dem Kochen in Kriegszeiten, exotischen Zutaten oder Vergiftungen sind eigene Vitrinen gewidmet.

In Kochbüchern spiegle sich die gesamte Komplexität von Weltbildern wieder, erklärte Johanna Rachinger, Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek. Unter den Exponaten befindet sich nicht nur die Erste gedruckte Rezeptsammlung aus dem Jahr 1470, sondern auch das angeblich kleinste Kochbuch der Welt. Es misst zwei mal 2,5 Zentimeter und enthält etwa 100 Rezepte. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Damenspende für einen Ball, erzählte Johanna Rachinger.

Vorkoster - gefährlicher Beruf

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich der Küche als "Tatort". Die Angst vor Vergiftungen führt im Mittelalter zur Einführung eines Vorkosters an der herrschaftlichen Tafel. Lebensmittelvergiftungen gab es unter anderem durch fehlende Hygiene, Parasiten und Bakterien. Auf Grund schlechter Pflanzenkenntnisse starb auch Karl der Große 1740 nach dem Konsum eines Schwammerlgerichts, berichtete Kurator Hannes Etzlstorfer. Erst in Kochbüchern des 19. Jahrhunderts wurde vor der Verwechslung von giftigen und ungiftigen Kräutern und Pilzen gewarnt.

Kartoffel war gewöhnungsbedürftig

Einige Schriften geben auch über die Beschaffung und Zubereitung exotischer Zutaten Auskunft. Oft habe es dabei eine lange Gewöhnungszeit gegeben, erklärte die Generaldirektorin. So wurde die Kartoffel lange nur als Zierpflanze in fürstlichen Gärten angebaut. Auch Paradeiser und Ananas galten lange als ungenießbar.

Kochbücher

Kochbücher aus Not- und Kriegszeiten verdeutlichen die Nahrungsknappheit. Brot wurde beispielsweise aus Rüben- oder Kohlmehl hergestellt und Kaffee aus Feigen oder Zuckerrüben. Die Rezeptsammlungen aus diesen Zeiten zeigen, dass selbst verdorbenen Lebensmittel verarbeitet wurden, sagte Johanna Rachinger.

Weitere Exponate zeigen medizinische und diätische Absichten und die religiösen Auswirkungen durch Fastengebote. Puppenküchen und auch die Geschichte des Suppen-Kaspars sind ebenfalls in der Ausstellung zu finden. (APA)

Link

Österreichische Nationalbibliothek - "Küchenkunst und Tafelkultur. Kulinarische Zeugnisse aus der Österreichischen Nationalbibliothek" - 28. April - 31. Oktober 2006

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