Deutscher Investor greift nach Ankerbrot

11. Mai 2006, 12:40
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40-Prozent-Anteil der Wiener Tradiotions­bäckerei geht an Michael Phillips - Einstieg war laut Firmen-Chef Ostendorf "immer geplant"

Wien - Michael Phillips, Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentgesellschaft Apax, hat 40 Prozent an der mehrheitlich im Besitz der deutschen Bäckerfamilie Ostendorf stehenden Wiener Traditionsbäckerei Ankerbrot übernommen. Ankerbrot-Chef Peter Ostendorf bestätigte am Donnerstag gegenüber der APA den Einstieg von Phillips und damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Format" in seiner aktuellen Ausgabe.

Philipps hat sich laut Bericht als Privatmann beteiligt. Er hält die Anker-Anteile über die in München ansässige Nofretete Vermögensverwaltung. Sie hat sich an der Anker-Muttergesellschaft Salos Beteiligungsverwaltungs GmbH beteiligt.

"Freund der Familie"

"Phillips ist ein Freund der Familie", zitiert das Magazin Ostendorf: "Sein Einstieg war immer geplant, jetzt wurde er vollzogen."

"Wir haben gesagt, Mensch, lass uns was zusammen machen", berichtete Ostendorf am Rande einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. Über die Höhe des Kaufpreises hüllte sich Ostendorf in Schweigen. Die Anteile seien aber "relativ günstig" abgegeben worden, versicherte er.

Phillips ist auch am deutschen Konzern Müller-Brot beteiligt. Dieser steht ebenfalls im Besitz der Familie Ostendorf.

Nostalgiefiliale im Prater

Die Verhandlungen für einen Verbleib des Wiener Großbäckers Ankerbrot in der Bundeshauptstadt sind im Laufen. Man würde gerne weiter in Wien bleiben, unterstrich Ostendorf bei der Eröffnung einer Nostalgiefiliale im Wurstelprater. Das Unternehmen hatte Anfang März bestätigt, den bisherigen Standort im Bezirk Favoriten aufgeben zu wollen.

Allerdings sei aber auch weiterhin eine Absiedelung ins niederösterreichische Umland der Bundeshauptstadt nicht gänzlich vom Tisch: "Ausschließen kann ich es noch nicht", so der Ankerbrot-Vorstand. Mit Wien führe man aber derzeit gute Gespräche. "Ich glaube, dass wir eine Lösung finden werden", gab sich Ostendorf zuversichtlich.

Entscheidung bis Sommer

Man suche ein Grundstück mit 14.000 Quadratmetern Fläche, auf dem insgesamt rund 50 Millionen Euro investiert werden sollen. Eine Entscheidung soll bis Mitte des Jahres fallen. Ostendorf nannte Ende 2008 als möglichen Umzugstermin.

Die Absiedelung des Großbäckers mit rund 1.800 Beschäftigten ist zum einen wegen Denkmalschutzauflagen für die bestehenden Anlagen aus dem Jahr 1891 nötig geworden. Zum anderen verändere sich aber auch die Struktur des Bezirks Favoriten hin zu einem Wohnbezirk, begründete Ostendorf die Entscheidung.

Der Ankerbrot-Chef eröffnete am Donnerstag eine "Nostalgiefiliale" im Wurstelprater. Eine ehemalige Spielhalle nahe des Schweizerhauses wurde im "Zuckerbäckerstil" umgestaltet und trägt nun auf dem Dach ein überdimensionales Croissant und eine Punschkugel.

Schwerpunkt der Filiale sei das "Kinderbacken", so Ostendorf wörtlich: "Wir haben festgestellt, dass von kleinen Kindern das Backen sehr gut angenommen wird." (APA)

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    foto: ankerbrot
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