Strabag SE startet 2007: "Wir haben nie genug Geld"

1. Juni 2006, 17:39
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Ein ungewöhnlich gut gelaunter Hans Peter Haselsteiner präsentierte die Börsenpläne der Strabag

Wien - Nach ihrem Börsenrückzug 2003 will die Strabag nächstes Jahr wieder auf den Kapitalmarkt zurückkehren, kündigte Strabag-Chef und Mehrheitseigentümer Hans Peter Haselsteiner am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz an. Ziel sei es, dass sich die jetzigen Eigentümer Haselsteiner und Raiffeisen/ Uniqa auf zusammen 40 Prozent zurückziehen und die Mehrheit der Aktien im Streubesitz ist. Gut möglich, dass das Going Public in zwei Schritten geschieht: Zuerst eine Kapitalerhöhung, bei der nur junge Aktien ausgegeben werden; in einem zweiten Schritt werden junge und alte Aktien verkauft. Über das Emissionsvolumen wollte Haselsteiner keine Angaben machen.

Pläne für die Mittelverwendung

Konkrete Pläne hat er aber für die Mittelverwendung: Um die Passivseite der Bilanz zu verbessern und Schulden (derzeit 4,2 Milliarden Euro) zurückzuzahlen. Um nach dem Verkauf des größten deutschen Asphaltproduzenten Deutag, Mischanlagen in Deutschland zu kaufen, um Steinbrüche in Mittel- und Osteuropa zu erwerben. In Ungarn schielt Haselsteiner nach Zementwerken und in der Ukraine will er auch Fuß fassen und das Engagement verstärken. Außerdem will er viele Autobahnlose in Form von PPP-Modellen gewinnen. Weiters: Die im Vorjahr auf 18 Prozent gesunkene Eigenkapitalquote auf 25 bis 27 Prozent anheben und ganz generell "die Welt niederreißen, weil wir nie genug Geld haben".

Neue Struktur

Im Vorfeld des Börsengangs gab sich die Strabag eine neue, Struktur, der unter anderem die Eigentümerholding Fimag und die Dienstleistungstochter A-Way zum Opfer fielen. Über die A-Way, die jetzt ein Bereich in der Strabag ist, wurden u.a. Mautprojekte und PPP-Modelle abgewickelt. Haselsteiners Begründung: "Die A-Way entstand unter dem psychologischen Druck, das Bau- vom Projektgeschäft zu trennen. Doch in der Praxis kamen bei der Projektentwicklung die Fragen nach der Haftung der Strabag und wir waren aufgefordert, als Garant in das Projekt einzusteigen."

Probleme mit Familie Lenz

Trotz der Integration von 9000 Mitarbeitern in Deutschland nach der Übernahme von Walter Bau und Züblin gibt es Probleme mit der Familie Lenz, die noch 42,7 Prozent an Züblin hält. Haselsteiner bot Lenz für dessen Züblin-Anteil 62 Mio. Euro, der will aber 82 Mio. Euro. Haselsteiner: "Das ist für mich unannehmbar und außerdem bin ich nicht erpressbar." Erschwert wird die Situation weil sich die Familie Lenz einen Anwalt nahm, der über die Börse fünf Prozent an der Strabag-Köln erwarb und den dortigen Börsenrückzug bisher torpedierte.

Wachstumsmärkte der Strabag sind vor allem Russland, Polen aber auch Italien. Im Vorjahr wurden mit 44.513 Mitarbeitern 9,3 Mrd. Euro umgesetzt. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen betrug 156 Mio. Euro. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.4.2006)

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    foto: strabag
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