Aufregung um Luxus-Wohnungen am Kahlenberg

24. Mai 2006, 10:09
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"Der schönste Ausblick Wiens wird verkauft" - Der als Hotel geplante Bau im Schutzgebiet soll an Private verkauft werden

Das als Hotel geplantes Bauprojekt am Kahlenberg sorgt für Aufregung: Die Wiener Grünen befürchten, dass dort Luxus-Wohnungen entstehen. Der Projektbetreiber beteuert hingegen, dass die Apartments für "temporäres Wohnen" genutzt werden sollen.

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Wien – Auf Deutsch, Russisch und Englisch werden derzeit auf der Internetseite der Immobilienfirma Thomas "Apartments der Luxusklasse mit Blick über Wien" angepriesen. Für rund zwei Millionen Euro bekommt man beispielsweise eine 340 Quadratmeter große 5-Zimmer-Wohnung mit 105 Quadratmetern Terrasse – am Kahlenberg, wo laut Gemeinderatbeschluss aus dem Jahr 2004 ein Seminarzentrum der Tourismusfachschule samt Hotelneubau den einstigen Ausflüglermagneten wiederbeleben soll.

"Der schönste Ausblick Wiens wird verkauft"

"Der schönste Ausblick Wiens wird verkauft," kritisiert Sabine Gretner, Planungssprecherin der Wiener Grünen, die am Mittwoch eine Liste von elf Luxuswohnungen mit einer Fläche von 3000 Quadratmetern und einem Gesamtwert von über 14 Millionen Euro präsentierte. Gretner zufolge würde der als Hotel geplante Bau de facto an Private verkauft. "Das ist eine klassische Umgehung," meint Gretner. "Und das mitten im Landschaftsschutzgebiet an der Grenze zum Biosphärenpark Wienerwald." Planungsstadtrat Rudi Schicker (SP) sei entweder getäuscht worden oder habe seine Behörde nicht im Griff, vermutet Gretner.

Der Grundstücksbesitzer und Projektbetreiber Leopold Wieninger, der sich auch bei einer Wiener Großbäckerei ("Der Mann") verdingt, weist die Anschuldigungen als "polemisch" zurück. Es sei nie die Rede von einem Tageshotel gewesen, vielmehr werde bis Ende des Jahres ein Apartment-Hotel für "temporäres Wohnen", also für einen mehrere Monate dauernden Aufenthalt, errichtet. Den imposanten, von Architekt Heinz Neumann geplanten 13-Millionen-Bau haber er bisher selbst finanziert, deswegen sei er jetzt auf der Suche nach Investoren, die die Wohnungen wiederum an den Hotelbetreiber vermieten sollen.

"Diese Finanzierungsmodell ist in der Tourismusbranche üblich," erklärt Immobilienmakler Ernst Thomas, der bereits mit einigen Interessenten "Gespräche führt". Laut Anzeige sei eine gewerbliche Nutzung "vorgesehen", genaue vertragliche Bedingungen seien jedoch noch nicht festgelegt. Wenn ein Käufer sich entscheide, selbst in einem Apartment zu wohnen, können man ihn aber nicht daran hindern.

"Wir haben eine schriftliche Zusage des Eigentümers, dass ein Hotel und eine Hotelfachschule errichtet wird und gehen davon aus, dass er sich daran hält," heißt es aus dem Büro von Stadtrat Schicker. Die Baupolizei werde nun bei einem Lokalaugenschein die Baustelle unter die Lupe nehmen. Zudem müsse geprüft werden, ob auch Apartments für temporäres Wohnen von der Vereinbarung umfasst werden.(Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe 27.4.2006)

  • Für rund zwei Millionen Euro werden mehrere 300 Quadratmeter-Apartments angeboten
    foto: thomas immobilien

    Für rund zwei Millionen Euro werden mehrere 300 Quadratmeter-Apartments angeboten

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    Der geplante Umbau am Wiener Kahlenberg in einem Modell

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    Hotel, Luxus-Wohnungen oder Teilzeitherberge: Der Zweck des in Bau befindlichen Komplexes am Kahlenberg ist unklar

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