Neue Anwälte im Fall Bakary J.

30. Mai 2006, 17:02
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Kanzleipartner mit gleicher Telefonnummer sind als gegnerische Parteien unzulässig

Zwei gegnerische Parteien unter einem Anwaltsdach? Geht nicht, entschied die Wiener Rechtsanwaltskammer im Fall Bakary J. und zwang die beiden Rechtsvertreter, ihr Mandat umgehend niederzulegen.

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Wien – Nächster Paukenschlag im Fall des mutmaßlichen Polizeimisshandlungsopfers Bakary J. (33) aus Gambia: Alle Beteiligten müssen sich neue Rechtsvertreter suchen. Die Wiener Rechtsanwaltskammer entschied am Mittwoch, dass es unzulässig ist, dass in einer Kanzleigemeinschaft sowohl die beschuldigte Partei als auch das mutmaßliche Opfer vertreten werden.

Abschiebung vor Prozess möglich

Beide Anwälte legten daraufhin umgehend ihr Mandat zurück. "Ich bedauere die Entwicklung sehr", sagte Nikolaus Rast, der Bakary J. seit Jahren vertreten hatte, zum STANDARD. Der Zeitpunkt sei denkbar ungünstig. Wie berichtet, befürchtet er, dass der Gambier noch vor einem Gerichtsprozess zur Aufklärung der Misshandlungsvorwürfe abgeschoben werden könnte. Die Staatsanwaltschaft Wien betonte am Donnerstag, dass es ihr lieber wäre, wenn der Gambier bei einer Hauptverhandlung persönlich als Zeuge aussagen könnte.

Anwaltliche Unvereinbarkeit

Die anwaltliche Unvereinbarkeit war entstanden, nachdem Rasts Kanzleikollege Farid Rifaat die Vertretung der drei beschuldigten Wega-Polizisten übernommen hatte. Der für Schubhaftbetreuung zuständige Verein Menschenrechte Österreich hatte daraufhin die Rechtsanwaltskammer informiert. "Der Anschein der Doppelvertretung konnte nicht entkräftet werden", begründete der Wiener Kammerpräsident Harald Bisanz die Entscheidung des Ausschusses. Auch wenn die Anwälte keine Partner seien, "so haben sie doch dieselbe Kanzleiadresse und sind unter der gleichen Telefonnummer‑ erreichbar", so Bisanz.

Bakary J. wird künftig von der Wiener Rechtsanwaltskanzlei Soyer/Embacher/Bischof verteten. Wer die Verteidigung der drei beschuldigten Polizisten übernimmt, war zunächst noch unklar.

Nigerianer randalierte

Ein Schubhäftling aus Nigeria soll Donnerstag im Büro der Wiener Fremdenpolizei randaliert haben. Der 36-Jährige habe unter anderem einen Tisch durchs Zimmer geworfen, dabei eine Dolmetscherin verletzt und deren Brille beschädigt, teilte die Polizei mit. Der Nigerianer konnte schließlich ohne Gewaltanwendung beruhigt werden. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 27.4.2006)

  • Die Türen im Wiener Polizeianhaltezentrum bleiben für Bakary J. weiterhin verschlossen. Bis zu einem Gerichtsprozess soll der Gambier aber nicht abgeschoben werden
    foto: standard/ corn

    Die Türen im Wiener Polizeianhaltezentrum bleiben für Bakary J. weiterhin verschlossen. Bis zu einem Gerichtsprozess soll der Gambier aber nicht abgeschoben werden

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