Schwellenländer im Konsumrausch

12. Juni 2006, 11:19
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Wachsende Mittelklasse kurbelt Binnenmarkt in Brasilien, Russland, Indien und China an

Die Exportorientierung der Schwellenländer (Brasilien, Russland, Indien und China) habe dazu beigetragen, dass Geld, das ins Land fließt, vor Ort ausgegeben wird. Christian Deseglise, Head of Emerging Market Business bei der britischen Bank HSBC, fasst diesen Trend im Gespräch mit dem STANDARD so zusammen: "An important thing is going on." Damit gemeint ist die Konsumrevolution, die vor allem von der jüngeren Generation ausgelöst wird.

Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben für einen Wirtschaftsaufschwung gesorgt, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt. In Russland etwa ist das BIP von 1800 Dollar im Jahr 2000 auf 5400 Dollar im vergangenen Jahr gestiegen. "Dadurch werden Leute zu Konsumenten, und der zunehmende Konsum ist Motor für weiteres Wachstum", erklärt Deseglise. Zusätzlich würden die Heimatmärkte durch die lokale Konsumnachfrage gestützt. In den kommenden zwanzig Jahren werde sich die Mittelklasse weiter entwickeln. Deseglise schätzt, dass etwa eine Milliarde Menschen in den nächsten zehn Jahren in die Mittelklasse aufsteigen werden. Diese begehrten eine eigene Wohnung, Fernseh- und Hifi-Anlagen etc. und würden so zu einer enormen Binnennachfrage beitragen.

Retail-Banking wird ein Thema

Auch für Banken werde diese Gruppe immer interessanter, Retail-Banking und Geldanlage würden verstärkt Thema für Kunden. HSBC hat daher Anfang April mit dem Vertrieb ihres ersten Fonds (HSBC Jintrust 2016 Lifecycle Fund) in China begonnen, um in der aufkeimenden Fondsbranche Fuß zu fassen.

Investoren empfiehlt Deseglise vor allem die Infrastruktur- und Energieunternehmen. Denn noch immer seien manche Bereiche – in Indien etwa die Energieversorgung – stark unterentwickelt. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4.2006)

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