Gärtner statt Heuschrecken

26. Mai 2006, 15:14
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Institut der deutschen Wirtschaft kritisiert "Heuschrecken"-Image von Beteiligungsfirmen und vergleicht mit treusorgenden "Gärtnern"

Köln - Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat das "Heuschrecken"-Image von Beteiligungsfirmen kritisiert. Da sie die aufgekauften Unternehmen in der Regel nach drei bis sieben Jahren weiterverkauften oder an die Börse brächten, unterließen sie alles, was den Firmenwert schmälern könnte, erklärte das unternehmernahe Institut am Mittwoch.

Insofern glichen sie eher treusorgenden "Gärtnern" als kahlfressenden Heuschrecken, betonte das IW. Der ehemalige SPD-Chef und heutige Vizekanzler Franz Müntefering hatte im Frühjahr 2005 vor allem ausländische Finanzinvestoren mit Heuschreckenschwärmen verglichen, die über Unternehmen herfielen, sie abgrasten und dann weiterzögen.

Bescheidene Rolle

Mit Investitionen von rund drei Mrd. Euro im vergangenen Jahr spielten die in Deutschland tätigen Gesellschaften nur eine bescheidene Rolle am Kapitalmarkt, allerdings mit starken Zuwachsraten, erklärte das IW weiter. Mit dem Geld von professionellen Anlegern wie Fonds, Banken und Versicherungen betätigten sich Beteiligungsgesellschaften zum einen als Risikokapitalgeber für junge, aufstrebende Unternehmen. Darüber hinaus kauften sie etablierte Firmen, um sie nach einer harten Sanierung gewinnbringend weiterzureichen oder an die Börse zu bringen.

Die Methoden seien für das Management und die Mitarbeiter aber nicht immer angenehm: Die Führungsspitze werde konsequent nach Erfolg bezahlt. Zudem hielten die neuen Eigner die Führungsetage auf Trab, indem sie aktiv ins Geschäft eingriffen. Drittens setzten die Übernahmespezialisten "auf die disziplinierende Wirkung der hohen Verschuldung", erklärte das IW. Da der Firma sämtliche Kosten der Übernahme aufgeladen würden, bliebe ihr nur eisernes Sparen und die Steigerung der Effizienz, um nicht Pleite zu gehen.

Immobilien bevorzugt

Derzeit sind deutsche Immobilien bevorzugte Objekte für Finanzinvestoren. Sie gelten im internationalen Vergleich als unterbewertet. Zudem sei die Immobilie als Anlageobjekt noch nicht so weit verbreitet wie in anderen Ländern, erklärten die Ökonomen. Die Beteiligungsgesellschaften versprechen sich hier Chancen auf hohe Gewinne. (APA)

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    Finanzinvestoren seien eher treusorgende Gärtner, denn kahlfressende Heuschrecken.

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