Die Farben des Honigs

15. April 2004, 12:27

Tunesien bietet mit Djerba mehr als Massentourismus

Kinder verkriechen sich in die weiß-rote Tracht der verhüllten Djerbi- Frauen. Auf den Plastiksesseln kleiner, staubiger Straßencafés sitzen Männer und trinken süßen Pfefferminztee. In der Musicbox wird Madonna von arabischer Volksmusik abgelöst.

Die tunesische Palmeninsel Djerba, 514 km² groß, bietet eine staubig-schöne Melange aus arabischem Alltag, dessen gemächliches Grundtempo kurzzeitig in Hektik aufflammen kann, und Tourismus pur. Denn wie Zirruswolken türmen sich die Hotelanlagen entlang der Sandstrände im Norden und Südosten. Alles da: von "All inclusive" in Mittelklassehotels (in denen ist der Flaschenöffner fix neben der Toilette montiert, weil Touristenschwärme anscheinend alles mitgehen lassen) bis hin zu Palast-ähnlichen Luxushotels, wie das Athenee (am Strand von Sidi Mahrès).

Djerba (80 000 Einwohner) ist mittlerweile auch ein Paradies für Golfer. "Vor allem im Winter kommen viele Österreicher hier her", weiß die elegante Managerin des Golfclubs Djerba, eine moderne Tunesierin vom Typus Cindy Crawford. Klar. Denn die Durchschnittstemperatur im Dezember beträgt 15 Grad (im Juli: 29 Grad), die Flugzeit von Wien zweieinhalb Stunden.

Hektische Fischversteigerung im "Office Nationale des peches" in der Hauptstadt Houmt Souk (17 000 Einwohner). Der Salz-und Fischgeruch lässt den Mittagsdunst in der Halle spürbar anschwellen. Auf den weiß blauen Kacheln pickt Blut. Ein Pulk von Männern drängt sich um den Fischer. Hektisches lautstarkes Geschrei. "3 Dinar" - der Bestpreis für ein Kilo Tintenfische. Innerhalb von wenigen Minuten ist alles verkauft.

Daneben in der Markthalle: süße Zuckermelonen, so klein wie Bocciakugeln, grelle Orangen, Datteln. Die frischen Gewürze vernebeln die Sinne. Wie die Fischer von Adjim leben auch die Töpfer von Guellala vom Tourismus. "Kommt. Luki-Luki": Innerhalb von Minuten hat man ein Tongefäß in der Hand.

Im Kleinbus geht's über den 2000 Jahre alten römischen Damm ans Festland. Vorbei an den grimmig wirkenden Wachposten (ist Lybien wirklich so nah?). Da eröffnet sich uns Südtunesien: Ein warmes Rot vermischt sich mit der Farbe des Honigs. Die Abendsonne wirft lange Schatten über die sanfte, wellig Steppe; Vorbotin der Sahara. Es sind die in den Höhen gelegenen, urtümlichen Berberdörfer wie Chenini oder Douiret, die uns anziehen. Unter den Rufen des Muezzins taucht aus dem Nichts ein Esel auf. Kinder schleppen ein totes Lamm den steilen Berg hinauf. Bunt gekleidete Frauen tragen schweren Silberschmuck um den Hals. Obwohl ein Großteil der "Chenini-Leute" heute in Tunis Zeitung verkauft, wie Monsieur Mani verrät, leben noch immer rund 100 Personen in den verwinkelten rotbraunen Höhlenwohnungen.

Tausend Eindrücke. Umso entspannender wirkt das Algen-Gemisch, das sich im Hotel im Ferienort Sousse auf die müden Muskel legt. Thalasso-Therapien werden in zahlreichen Hotels, wie in Sousse oder Hammamed, angeboten. Endlich: Entspannung im Körper und nordafrikanische Bilder im Kopf. Andrea König

Infos:
Tel. 01 / 585 34 80; Tunesisches Fremdenverkehrsamt ; E-Mail: tunesien@magnet.at; Buchtipp: DuMont-Reisetaschenbuch: Djerba und Südtunesien (öS 145 / EURO 10,5). Empfehlung: Auf jeden Fall Medikamente für den Magen und die Verdauung mitnehmen, da das Essen relativ schwer ist; Wasser nur aus Flaschen trinken!

Einblicke und Ausblicke auf Kunsthandwerk und alte Berberdörfer kann man auf der tunesischen Insel Djerba gleichermaßen genießen.

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