"History Man" Jens Lehmann

23. Juni 2006, 13:41
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England feiert deutschen Keeper in Diensten von Arsenal, der seit nunmehr 745 CL-Minuten keinen Treffer mehr kassiert hat

London/Villarreal - Fußball-England feiert einen deutschen Tormann. Als "Jensationell, Supermann, Jenius" bezeichneten die Boulevard-Zeitungen den "History Man" Jens Lehmann, der mit seinem abgewehrten Foulelfer von Juan Roman Riquelme Arsenal in letzter Minute erstmals in der Klubgeschichte den Einzug ins Endspiel der Champions League sicherte. "The Daily Mail" ernannte Lehmann nach dem 0:0 in Villarreal sogar zur "Legende in Lederhosen."

 

Natürlich war es auch für die neue deutsche Nummer eins ein unvergesslicher Semifinal-Abend, der die Türen zum Stade de France in St. Denis/Paris öffnete, wo am 17. Mai der Aufsteiger aus FC Barcelona - Vorjahresfinalist AC Milan (erstes Spiel 1:0) wartet. "Es ist ein fantastischer Moment und einen solchen hat man als Torhüter nicht oft", meinte Lehmann freudestrahlend. Seit 26. April 2006 nennt er einen persönlichen Champions-League-Rekord sein Eigen.

745 Minuten ohne Gegentor

Der 36-Jährige hat 745 Minuten keinen Treffer mehr kassiert und damit den Niederländer Edwin van der Sar (Ajax/659 torlose Minuten 1995/96) als Bestmarken-Inhaber abgelöst. Die neutrale tschechische Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" (Donnerstag-Ausgabe) kommentierte den Wechsel in den CL-Statistiken so: "Eher gelingt es, in der Wüste Fische zu züchten, als in der Champions League Lehmann ein Tor zu schießen."

Der in dieser Saison in der "Königsklasse" noch unbezwungene Keeper sicherte den im Heimspiel 1:0 (Tor: Kolo Toure) siegreich gewesenen Kanonieren eine zweite Bestmarke: Mit dem zehnten Zu-Null-Spiel en suite löschten die Londoner Ajax Amsterdams Uralt-Rekord von 1987/88 aus. Und Lehmann hat noch Lust auf mehr. "Nun möchte ich auch das Finale gewinnen." Dass er den Penalty des Argentiniers Riquelme abgewehrt hatte, verdankte er seinem Bauchgefühl und intensivem Video-Studien.

"Wegen seiner Körperhaltung ging ich davon aus, dass er in meine linke Ecke schießen würde." Zum Glück hörte Lehmann nicht auf seinen Kapitän Thierry Henry, der ihm ins Ohr geflüstert hatte, er solle einfach stehen bleiben, denn Riquelme würde in die Mitte schießen. "Deutsche und Elfmeter. Das bedeutet normalerweise nur allergrößtes Elend", schrieb "The Sun" und erinnerte an die Duelle England - Deutschland bei WM 1990 und EM 1996, als stets die Deutschen im Elferschießen weiterkamen.

"Doch diesmal profitierten englische Fans von der teutonischen Widerstandfähigkeit", bemerkte "The Daily Express", der Lehmann "Kult-Helden-Status" bescheinigte. Trainer Arsene Wenger hatte die Glanztat seines Schützlings geahnt. "Ich wusste, dass er nicht leicht zu bezwingen ist, und dachte mir: 'Wenn das unser Jahr ist, dann wird Jens ihn halten.' Er hat gezeigt, welch großartiger Keeper er über die ganze Saison war."

Der Franzose freute sich mit seinem Team und genoss den Triumph sichtlich. "Ich bin glücklich, weil es all die Jahre so viele Zweifel über Arsenal in Europa gab." Dass das Finale in Paris steigt, freut Arsenals Tricolore-Kolonie um Wenger, Henry, Robert Pires und Mathieu Flamini. "Dort kann alles passieren", glaubt Henry, der im Stade de France seinen 50. Europacup-Treffer erzielen möchte.

Rechnung ohne Wirt

Der Irrtum des Tages passierte dem Provinz-Verein Villarreal. Die Gelben hatten als mögliche Schwachstelle in Arsenals Abwehr-Bollwerk ausgerechnet Lehmann ausgemacht. Trainer Manuel Pelegrini hatte seine Spieler angewiesen, hohe Flanken in den Strafraum zu schlagen, in der Hoffnung, dass der Keeper den Ball fallen lassen könnte. Doch die Hausherren machten die Rechnung ohne den Wirt. (APA/dpa/red)

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    "Supermann" Jens Lehmann

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