Porträt: Der verurteilte "Graf"

9. Juni 2006, 12:30
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Früherer FP-Politiker bereits mehrmals mit einschlägigen Provokationen aufgefallen

Wien - John Gudenus ist bereits mehrmals mit einschlägigen Provokationen aufgefallen - nun ist der frühere FP-Politiker mit seinen Aussagen zum Holocaust offenbar zu weit gegangen. Für die Behauptung, es habe zwar Gaskammern gegeben, aber nicht im Dritten Reich, sondern in Polen, kassierte Gudenus am Mittwoch ein Jahr bedingt wegen NS-Wiederbetätigung (nicht rechtskräftig).

Gaskammern

Gudenus war schon 1995 mit Einschlägigem aufgefallen: "Gaskammern? Ich halte mich da raus! Ich glaube alles, was dogmatisch vorgeschrieben ist", tönte der damalige blaue Nationalratsabgeordnete bei einer Podiumsdiskussion im Vorfeld der Wehrmachtsausstellung. Auf seinen Sitz im Nationalrat musste er daraufhin verzichten, kehrte aber bald auf einem Bundesrats-Mandat der FPÖ ins Parlament zurück.

Neue Aussagen

Zehn Jahre später im ORF-Report auf seine damaligen Aussagen angesprochen rechtfertigte sich Gudenus und erklärte in Sachen Holocaust: "Man soll nicht Tabus aufstellen, sondern man soll physikalisch und wissenschaftlich prüfen." Eineinhalb Monate später legte er im STANDARD nach und erklärte: "Es gab Gaskammern, aber nicht im Dritten Reich. Sondern in Polen. So steht es auch in Schulbüchern." Außerdem wurde bekannt, dass Gudenus bei einem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen mit Blick auf ein Foto von jugendlichen Häftlingen gemeint hatte: "Die schauen eh gut aus. Da schau ich dagegen schlecht aus."

Für die Justiz war die Grenze damit überschritten - die Staatsanwaltschaft beantragte die Aufhebung der parlamentarischen Immunität des zwischenzeitlich aus der FPÖ ausgetretenen Bundesrats-Abgeordneten und erhob Anklage wegen Wiederbetätigung. Die Geschworenen schlossen sich der Meinung der Anklage an und verurteilten den Wiener wegen eines Verstoßes gegen den Par. 3h des NS-Verbotsgesetzes.

Ironie

Ironie des Schicksals: In seiner Zeit als aktiver Politiker - Gudenus war ab 1990 praktisch durchgehend im Parlament vertreten - hatte sich der damalige FP-Abgeordnete zwar unter anderem auch für die Abschaffung des Verbotsgesetzes stark gemacht. Allerdings hatte er als Bundesrats-Mandatar 1992 genau jener Novelle zum Verbotsgesetz zugestimmt, nach der er nun verurteilt wurde.

Im Parlament war Gudenus vor allem mit starken Sprüchen aufgefallen: Etwa, als er Erhard Busek 1994 einen "Koalitionstrottel" schimpfte und dem Vizekanzler eine Ohrfeige antrug, oder als er in einem Interview die NS-Entschädigungen als "Schutzgeld" bezeichnete.

Vandale

In der FPÖ zählte Gudenus - wie Parteichef Heinz Christian Strache Mitglied der Burschenschaft Vandalia - stets zum nationalen Flügel. Seine berufliche Karriere führte Gudenus (Jahrgang 1940) über die Militärakademie und ein Wirtschaftsstudium ins Heeresmaterialamt, wo er Ende Juni 2002 pensioniert wurde. Er ist verheiratet und hat vier Söhne. Außerdem besitzt Gudenus ein rund 200 Hektar großes Forstgut im niederösterreichsichen Albrechtsberg. Die politische Karriere des "Grafen" - Gudenus stammt aus einem alten Adelsgeschlecht - dürfte mit der nunmehrigen Verurteilung (so sie rechtskräftig wird) aber wohl endgültig vorbei sein. (APA)

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    John Gudenus

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