Verkauf zog sich acht Monate

9. Juni 2006, 12:04
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EU-Wettbewerbs­behörde äußerte noch im Februar schwere Bedenken gegen 1,3 Mrd. Euro schwere Mobilfunk-Fusion

Wien - Die bereits im August 2005 vertraglich fixierte Übernahme des viertgrößten österreichischen Mobilfunkbetreibers tele.ring durch den Marktzweiten T-Mobile Austria, die heute von der EU-Kommission unter Auflagen grünes Licht bekommen hat, hat sich insgesamt mehr als acht Monate hingezogen. Im Folgenden eine Chronologie:

Frühsommer 2005: Die tele.ring-Mutter, der US-Konzern Western Wireless, wird an den amerikanischen Konkurrenten Alltel verkauft. Alltel leitet daraufhin den Verkauf von tele.ring in die Wege.

August 2005: T-Mobile geht im Verkaufspoker um tele.ring als Sieger hervor und bekommt den Zuschlag. Am 10. August unterzeichnen T-Mobile und Alltel die Verträge für den 1,3 Mrd. Euro schweren Deal. Die Übernahme gilt als die größte Akquisition der Deutschen Telekom seit dem Kauf des US-Mobilfunkbetreiberes VoiceStream (heute: T-Mobile USA) vor fünf Jahren.

21. September 2005: T-Mobile meldet die geplante Übernahme von tele.ring in Brüssel bei der Wettbewerbsbehörde zur Prüfung an.

14. November: Die EU-Kommission äußert schwere Bedenken gegen die geplante Übernahme und leitet eine vertiefte Wettbewerbsprüfung ein. Der Wegfall von tele.ring gebe "zu der Befürchtung Anlass, dass die geplante Übernahme zu Preissteigerungen zu Lasten der österreichischen Verbraucher führen könnte", heißt es.

8. Februar: Die EU-Kommission äußert in einem Zwischenbericht neue Einwände gegen den Verkauf von tele.ring an T-Mobile. Der Deal würde den Wettbewerb am österreichischen Mobilfunkmarkt "erheblich behindern" und sei "nach derzeitigem Kenntnisstand (...) unvereinbar" mit den Marktregeln der EU, "infolge des angemeldeten Zusammenschlusses würde mit tele.ring der preisaggressive 'Maverick' (Preisbrecher, Anm.) ausfallen", heißt es.

21. Februar: Die EU-Kommission verlängert die Frist für die Prüfung der Übernahme vom 28. März auf 28. April. Die Übernahme steht auf der Kippe.

Ende Februar: T-Mobile Austria-Chef Georg Pölzl bittet Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in einem Brief um Intervention in Brüssel. T-Mobile habe aus "sehr guter Quelle in Brüssel" erfahren, dass "der Fall tele.ring nur noch auf höchster politischer Ebene in unserem Sinn zu lösen sei", heißt es darin. Die EU-Kommission vermisse ein "klares Signal der österreichischen Regierung, dass diese den Deal befürwortet".

März: T-Mobile versucht, die schweren Wettbewerbsbedenken der EU-Kommission mittels mehrerer Marktgutachten und einem Vertrag, der die Abgabe von redundanten Sendestationen an den UMTS-Betreiber Hutchison ("3") binnen eines Jahres vorsieht, und mit dem Zugeständnis, UMTS-Frequenzen an Hutchison und One abzugeben, zu entkräften.

26. April: Die Brüsseler Wettbewerbsbehörde genehmigt die Übernahme unter Auflagen. Durch den Zusammenschluss kommen Marktführer Mobilkom Austria und T-Mobile künftig gemeinsam auf einen Marktanteil von mehr als 75 Prozent. (APA)

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    Ganz so zum Lachen dürfte T-Mobile-Austria-Chef Georg Pölzl in den vergangenen Monaten nicht gewesen sein.

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