Der Todesstoß für das AKW in Zwentendorf

11. Juli 2006, 09:57
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Noch im Mai 1986 wollte Benya aufsperren

Bitte, nur keine Panik: Auch wenn zwischen der Mittagszeit des 30. April und des 1. Mai die höchsten Strahlenwerte gemessen wurden - der Maiaufmarsch der SPÖ sollte unbedingt stattfinden. Auf blitzblank gewaschenen Straßen, um den Fallout wegzuspülen. Und in der vagen Hoffnung, dass das Unglück in der Ukraine die Atom-Pläne der SPÖ nicht zu Fall bringen würde.

Denn bis in den Mai 1986 hinein herrschte in weiten Kreisen der Sozialdemokratie ebenso wie auf dem gesamten Wirtschaftsflügel der ÖVP die Meinung, dass Atomenergie gut für Österreich wäre. Der damalige Industriellen-Generalsekretär Herbert Krejci sagte in einer ersten Reaktion auf die Tschernobyl-Katastrophe, dass ja gar nicht bewiesen sei, dass das Kraftwerk Zwentendorf ähnlich unsicher wäre. Und ÖGB-Präsident Anton Benya hielt noch am 2. Mai fest, dass man ja nach der Nationalratswahl (geplant für April 1987) noch einmal über Zwentendorf abstimmen könnte.

Eine Volksabstimmung am 5. November 1978 hatte mit knappster Mehrheit (Überhang von 40.000 Nein-Stimmen) die Nutzung von Kernkraft für Österreich abgelehnt - und wohlorganisierte Volksbegehren, interne Verhandlungen und öffentlicher Druck auf die einzige damals im Parlament (und in einer rot-blauen Koalition) vertretene Anti-Atom-Partei FPÖ sollten den Weg freimachen. Während der freiheitliche Handelsminister Norbert Steger sich gegen jede Aufweichung des Atomsperrgesetzes sträubte, hatte die Verbundgesellschaft im Juni 1984 sogar ein Memorandum mit China über Lieferung und Endlagerung der Brennelemente abgeschlossen.

Im Mai 1986 war dann aber alles anders: ÖVP-Präsidentschaftskandidat Kurt Waldheim sagte mehr nebenbei, für ihn sei "Zwentendorf erledigt" - worauf Gegenkandidat und Ex-Umweltminister Kurt Steyrer am 7. Mai gestehen musste, bisher für, jetzt aber gegen Zwentendorf zu sein.

Am 13. Mai sagte dann auch Kanzler Fred Sinowatz: "Zwentendorf ist tot." (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 26.4.2006)

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