Maßnahmen für den atomaren Ernstfall

11. Juli 2006, 09:57
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Katastrophenpläne österreichischer Städte

Was wäre, wenn es in einem der zahlreichen grenznahen Atomkraftwerke zu einem radioaktiven Zwischen- oder Unfall käme? "Eine Evakuierung von Wien wäre kontraproduktiv", erklärt Siegfried Jachs von der Bundeswarnzentrale des Innenministeriums, die im Fall einer atomaren Gefahr als zentrale Informations- und Kontaktstelle fungiert. Die Flucht wäre aufgrund des zu erwartenden Verkehrskollaps und mangels einer sichereren Umgebung zwecklos. Laut der Magistratsdirektion für Krisenmanagement könne eine radioaktive Wolke frühestens in drei bis fünf Stunden in Wien eintreffen, das etwa 100 Kilometer vom tschechischen Dukovany und vom slowakischen Bohunice entfernt liegt.

336 Messstellen in ganz Österreich und ein international vernetztes Strahlenfrühwarnsystem sollen einen möglichst raschen Informationsfluss und genaue Folgenabschätzungen garantieren, um Sofortmaßnahmen einleiten zu können. Diese sind in jeweiligen Strahlenwarnplänen der Länder festgeschrieben, die sich grosso modo am Bundes-Rahmenplan orientieren. Dabei werden acht Strahlenpegel unterschieden, davon leiten sich vier Gefahrenstufen ab, die wiederum unterschiedliche behördliche Anordnungen nach sich ziehen - etwa der Aufruf sich nur in geschlossenen Räumen aufzuhalten oder spezielle Kalium-Jodid-Tabletten einzunehmen, die in allen Kindergärten und Schulen vorrätig sind.

Für Linz - rund 100 Kilometer vom umstrittenen tschechische Atommeiler Temelin entfernt - gäbe es zwar Evakuierungspläne, die seien aber als längerfristige Maßnahme gedacht, erläutert Thomas Edtstadtler von der oberösterreichischen Landessanitätsdirektion. In Graz könnte etwa der Schlossberg mit seinem Stollensystem als Evakuierungsort dienen, heißt es aus der steirischen Landeswarnzentrale. Der slowenische Reaktor Krsko liegt nur 30 Kilometer von der Grenze entfernt. Aber auch die westlichen Landeshauptstädte wie Bregenz und Innsbruck sind gewappnet: Vier Schweizer und drei bayrische AKWs säumen die Grenzen. (kri, mro, mue/DER STANDARD, Printausgabe, 26.4.2006)

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