"Ein Kauf der Alpine brächte Reibungsverluste"

12. Mai 2006, 14:19
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Bei Österreichs viertgrößter Baufirma, Swietelsky, wurden die Manager zu Mehrheitseigentümern. Die Übernahme der Salzburger Alpine wird ausgeschlossen

Wien – Anders als die Strabag oder die Alpine, die beide zwecks Geldbeschaffung und Ausnutzung der guten Baukonjunktur an einem Börsengang arbeiten, schließt die in Linz beheimatete Swietelsky ein "going public" für die nächsten fünf Jahre aus. Geschäftsführer Kurt Kladensky: Wir haben keinen Finanzierungsbedarf. Das Eigenkapital beträgt 85 Millionen Euro und Ende 2005 wurde eine Anleihe über 30 Mio. Euro begeben. Außerdem seien in der Bauwirtschaft die Umsatzrenditen für die Anlager mit maximal zwei bis drei Prozent noch viel zu gering, argumentiert Kladensky im Gespräch mit dem STANDARD. "Damit lockt man keinen Aktionär hervor." Die Mengenkonjunktur am Bau sei zwar gut, aber die Ertragsseite nach wie vor zu schwach.

Kladensky und sein Kogeschäftsführer Hellmuth Brustmann halten seit wenigen Monaten zusammen die Mehrheit an der Baufirma. Kladensky stockte von fünf auf 25 Prozent auf, Brustmann von zehn auf 35 Prozent. Den Rest hält eine Tochter des Firmengründers, die ihren Anteil im Unterschied zu ihren Geschwistern von 22 auf 40 Prozent aufstockte.

Alpine-Übernahmegerüchte dementiert

Gerüchte, wonach Swietelsky allein oder gemeinsam mit der oberösterreichischen Habau die Alpine übernehmen können, dementiert Kladensky. "Die Übernahme wäre eine Nummer zu groß für uns und zu kompliziert. Es wäre zudem gefährlich, weil das bei den Mitarbeitern zu großen Reibungsverlusten führen würde." Der Baumanager: "Glauben Sie mir, an den Gerüchten ist nichts dran."

Wachsen will Swietelsky vorwiegend im Ausland, abgesehen von kleineren Zukäufen in Österreich. Um dennoch bei Großprojekten zum Zug zu kommen, bemüht man sich bei Arbeitsgemeinschaften wie derzeit bei der Nordautobahn mitarbeiten zu können. Im Ende März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr wurde ein Umsatz von 1,1 Milliarden Euro erzielt, 45 Prozent davon kommen bereits aus dem Ausland. Das Betriebsergebnis bezifferte Kladensky mit zwei bis drei Prozent vom Umsatz, demnach 20 bis 33 Mio. Euro.

Einstieg in Serbien und Bulgarien wird geprüft

Präsent ist Swietelsky in Deutschland, Tschechien, Ungarn, Kroatien, Polen und Rumänien. Geprüft wird ein Einstieg in Serbien und Bulgarien und eine Ausweitung des Auflandsanteils auf 50 Prozent des Umsatzes. Dieser soll heuer stabil bleiben, weil er durch einen großen Autobahnauftrag in Ungarn zuletzt massiv vergrößert wurde. Komplettanbieter wie in Österreichs ist die Baufirma nur in Ungarn, was auch davon abhängt, ob die geeigneten Mitarbeiter vorhanden sind, berichtet Kladensky. In Ungarn wechselten 30 Mitarbeiter von der Strabag zu Swietelsky.

Im Ausland schließt Kladensky Zukäufe nicht aus. Vorausgesetzt das Personal, das Geschäftsfeld und der Preis passen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.4.2006)

  • Swietelsky-Chef Kurt Kladensky.
    foto: standard/cremer

    Swietelsky-Chef Kurt Kladensky.

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