Steirische IV beklagt Technikermangel

1. Juni 2006, 16:50
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Aufstrebende Firmen finden nicht genügend Personal für Expansion

Graz - Steirische Technologie-Unternehmen haben unter einem Mangel an geeigneten potenziellen Mitarbeitern zu leiden - im technischen Bereich. Vier Bosse von mittelständischen Firmen präsentierten am Dienstag in Graz bei der steirischen Industriellenvereinigung (IV) ihre Sorgen, zumindest bei der Personalrekrutierung. "Über mangelnden wirtschaftlichen Erfolg können wir uns nicht beklagen", so Franz Salomon, Geschäftsführer des nördlich von Graz angesiedelten Software- und Logistikunternehmens Salomon Automation.

Man finde schwer genügend gut ausgebildete Arbeitskräfte, vor allem für Schlüsselbereiche, die bei diesen Unternehmen 70 bis 90 Prozent des Mitarbeiterstandes ausmachten, da müsse man oft bis in süd- und osteuropäische Staaten hineinwerben. Auf jede kaufmännische Stelle kämen rund 100 Bewerber, auf eine angebotene technische Stelle hätten gerade drei Personen mit einer Bewerbung reagiert, so Michael Koncar von VTU Engineering, einem Planungsunternehmen für chemisch-pharmazeutische Firmen.

Imageprobleme der Industrie

Atronic, ein international agierender Hersteller von Glücksspielautomaten, der alleine in der Steiermark rund 450 Mitarbeiter beschäftigt, will in der Steiermark rund 30 neue Mitarbeiter in den kommenden drei Jahren aufnehmen. Der Technikeranteil in der Firma liegt bei 80 Prozent, der Technikeranteil bei der Reaktion auf entsprechende Stellenangebote aber nur bei 20 Prozent, so Klaus Achmüller von Atronic Austria.

Den Einwurf, dass die Problematik des Fachkräftemangels sowie das von den vier Unternehmensvertretern auch angesprochene Imageproblem der Industrie und technischer Berufe schon seit Jahrzehnten bekannt seien, wollten die Firmenchefs nicht gelten lassen. Man gehe verstärkt in die Bildungsinstitutionen, um das Problem schon an der Wurzel zu packen, ergänzte IV-Geschäftsführer Thomas Krautzer. Die nächste Kampagne der IV befasse sich mit dem Schwerpunkt "Mach' dir ein Bild von der Industrie". In Kooperation mit Lehrern beispielsweise werde eine "Toolbox Industrie" für AHS erstellt. Grundsätzlich aber herrsche wohl ein Bild vor, dass technische Berufe wenig attraktiv seien, dabei sei das Gegenteil wahr, so Salomon. Für die Technik finde man kaum jemand, "aber dafür bewirbt sich für einen Sekretärsposten der 114. Absolvent der Sozialakademie. Da passt was nicht zusammen", so Salomon.

Technik muss cool werden

Die Plattform möchte in der nächsten Zeit versuchen, das Image der Industrie bzw. der technischen Berufe zu verbessern. Technik und Industrie müsse "cool" werden, sagte Harald Holzgruber von Inteco, einem Hochtechnologie-Anlagenbauer für Stahlunternehmen. Zur Plattform GT-IV (Growth, Technology, Innovation) gehören übrigens 16 Unternehmen mit rund 2.200 Mitarbeitern. (APA)

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