Tirol Milch sahnt ab

12. Mai 2006, 14:19
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Die drittgrößte Molkerei Österreichs sparte Kosten und verdreifachte 2005 das Ergebnis - Gentechnik­freie Produkte und Lattella sollen Wachstum stärken

Wien - Die Tirol Milch hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ihre innerbetrieblichen Abläufe rationalisiert, unrentable Produkte auslaufen lassen und das Bauern-Milchgeld auf dem Vorjahresniveau belassen. Damit ist es der drittgrößten Molkerei Österreichs gelungen, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) 2005 von 570.000 Euro auf 1,7 Millionen Euro zu verdreifachen. Mit mehr Produkten beim Molke-Drink Latella, der Gentechnik-freien Frischmilch und einer höheren Exportquote will sich die Tirol Milch künftig im stärkeren Wettbewerb behaupten.

Der Umsatz der Tirol Milch ist im Vorjahr von 142 auf 139 Millionen Euro zurück gegangen. Geschäftsführer Andreas Greisler begründete dies am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Wien mit schlechteren Preisen in der Industrieproduktion und den ausgelaufenen Produktgruppen. An Investitionen sind 5,9 Millionen Euro geflossen, vor allem in einen dritten Käsekeller in Wörgl und in eine neue EDV.

Produktpalette wird ausgeweitet

2006 wird auf Grund einer höheren Käseproduktion und dem Ausbau der Produktpalette bei Lattella wieder ein Umsatz auf dem Niveau von 2004 angepeilt. Das Ergebnis soll stabil auf Vorjahresniveau bleiben.

Derzeit wird ein knapp Drittel des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, 36 Prozent des Geschäftes kommen aus Tirol selbst. Der Rest wird im restlichen Österreich gemacht. Ziel sei es, die Exportquote in fünf Jahren auf 40 Prozent zu steigern, so Greisler.

Käse-Exporte in die Schweiz

Neben den Hauptexportländern Deutschland und Italien werde seit dem Vorjahr auch Käse in die Schweiz geliefert, wo Greisler noch großes Potenzial sieht. In den osteuropäischen Ländern sei man mit kleinen Mengen vertreten, dieser Markt werde sich aber in Zukunft mit steigender Kaufkraft der Bevölkerung erst entwickeln, hieß es.

Die Tirol Milch, die 5.000 Bauern als Lieferanten hat, hat 2005 mit 316 Mitarbeitern 221 Millionen Kilogramm Milch verarbeitet. 2006 werde dieser Wert auf Grund der Milchquotenerhöhung der EU weiter auf 223 Millionen Kilogramm steigen. Pro Lieferant liege die angelieferte Milchmenge bei durchschnittlich 39.000 kg, die geringste angenommene Milchmenge lag bei 2,6 Liter, räumte Geisler ein.

Der internationale Vergleich zeigt die kleinen Strukturen der heimischen Landwirtschaft: In Deutschland liegt die durchschnittliche Anliefermenge von Milch bei 248.000 kg, in der Slowakei bei 1,1 Millionen kg und in Tschechien bei 1,4 Millionen kg. Der Österreich-Schnitt liegt bei 52.000 kg.

Das Milcheinzugsgebiet umfasst beinahe das gesamte Bundesland: Rund 80 Prozent der Tiroler Milch - oder 8,5 Prozent der gesamten österreichischen Milch - werden bei der Tirol Milch verarbeitet.

Marktdruck

Trotz des steigenden Marktdrucks durch die EU-Quotenerhöhung sei es ein prioritäres Ziel der genossenschaftlich organisierten Tirol Milch, auch heuer den Milchpreis stabil zu halten. Im Vorjahr wurden im Schnitt 32,5 Cent inkl. MwSt. je Kilogramm angelieferter Milch an die Bauern ausbezahlt.

Weiter setzen wolle man bei der Tirol Milch auf das Thema Gentechnik-Freiheit, betonte Obmann Hans Schweiger, der bei der Generalversammlung auf weitere fünf Jahre gewählt wurde. Die Skepsis der Konsumenten gegenüber Gentechnik wachse. Die Antwort der Tirol Milch sei bereits 2003 die "Erfindung" der kontrolliert Gentechnik-freien Milch gewesen - als erste Molkerei in Europa. Mit 1. Februar 2006 wurde die gesamte Trinkmilch auf kontrolliert Gentechnik-frei umgestellt.

Frischmilchanteil stabil

Diesen Weg wolle man bei Tirol Milch in Zukunft fortsetzen, "auch wenn die EU in die andere Richtung marschiert" und der Trend beim Konsumenten verstärkt in Richtung Haltbarmilch gehe, sagte Schweiger. Ziel sei es, den derzeit stabilen Anteil am Frischmilchmarkt in Österreich zu halten.

Errichtung eines Blockheizkraftwerkes

In der Energieversorgung will die Tirol Milch auf Grund der hohen Energiepreise autark sein und plant die Errichtung eines Blockheizkraftwerkes mit einem Investitionsvolumen von zehn Millionen Euro in Wörgl.

Die seit 1985 bestehende Kooperation mit dem französischen Milchriesen Danone laufe nach wie vor gut, so Schweiger. Der Vertrag sei im Vorjahr verlängert worden und umfasse die Produktion von Joghurt- und Dessertprodukten für Österreich und andere Länder.

Rosen streute Schweiger der heimischen Agrarpolitik: Diese habe für Österreichs und für die Tiroler Bauern in Brüssel gut verhandelt: "Hut ab vor dieser Leistung", sagte der Tirol Milch-Obmann. Das Zusammenspiel zwischen Bauern, Politik und Industrie funktioniere. (APA)

  • Tirol Milch setzt auf Gentechnik-Freiheit und Lattella - Exportquote soll in fünf Jahren von 31 auf 40 Prozent steigen.
    foto: tirol milch

    Tirol Milch setzt auf Gentechnik-Freiheit und Lattella - Exportquote soll in fünf Jahren von 31 auf 40 Prozent steigen.

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