Die Schnapselite im Coburg

30. August 2006, 09:59
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Beim WeltWeinFestival im Palais Coburg fanden Kombinationen wie Schokolade und Sprituosen ebenso Platz wie die Präsentation einiger der weltbesten Obstbrände

Das erstmals in Wien gastierende WeltWeinFestival im Palais Coburg hatte auch ein kleines, aber feines Rahmenprogramm, in dem Kombinationen wie Schokolade und Sprituosen ebenso Platz fanden wie die Präsentation einiger der weltbesten Obstbrände.

Nachdem Schnaps (Achtung: Alkohol) ja nach wie vor eine Sache für Minderheiten ist, ist so eine Schnapsverkostung ein ebenso mutiges wie zukunftweisendes Unterfangen. Dem Publikum wurde von Hermann Botolen, Restaurantleiter bei Meinl am Graben, mit sachlicher Kenntnis das weite Spektrum dieser Destillate anhand einer Serie von cirka 40 Bränden vorgestellt.

Um die subjektiven Eindrücke des Berichterstatters auf den Punkt zu bringen: Die heimischen (sprich: österreichischen) Brenner haben bei diesen Sachen deutlich die Nase vorn (eigentlich kann man schon von ganzen Körperlängen sprechen, wenn wir schon beim Reitsport sind). Gerade im direkten Vergleich mit berühmten französischen und schweizer Destillaten kam die präzise Arbeit der Quinta-Essentia-Brenner (Holzapfel, Pfau, Gölles, Wetter, Reisetbauer) an der „Frucht im Glas“ zum Tragen.

Holzapfels Ribisel aus dem Jahr 2001 etwa glänzte derart, dass anhand eines solchen Brandes die ganze Feinarbeit und Präzision, die beim Schnapsbrennen heutzutage nötig ist, festgemacht werden konnte. Dagegen wirken Brände wie der Zuger Kirsch oder die Poire Williams aus dem Elsass zwar nicht blass und eindimensional, aber mit welch traditioneller Philosophie noch immer ans Schnapsbrennen gegangen wird, haben die zum Teil überdeutlichen Maische- und Brennfehler in diesen Destillaten sehr intensiv gezeigt.

Für das kostende Publikum war es jedenfalls interessant, solch direkte Vergleiche ziehen zu können. Man wünscht sich mehr davon. Aber Schnaps ist Schnaps und hat – siehe oben. (vm)

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PS: Als Verfasser des Berichts über „Internationale Schnäpse“ im Rahmen des WeltWeinFestivals musste ich kräftige Kritik aus dem Freundeskreis auf mich nehmen und möchte deswegen folgendes ergänzen:

Die „Schnapselite“ beschränkte sich keineswegs nur auf die Brenner der „Quinta Essentia“, sondern umfaßte auch Produzenten wie Capovilla aus Italien und Ziegler aus Deutschland. Beide Betriebe fielen mit ihren Bränden keineswegs ab, eher im Gegenteil. Insbesondere Capovilla bestach mit einem tieffruchtigen und blitzsauberen Himbeerbrand und einer um nichts weniger reintönigen Quitte.

Ähnlich herausragende Brände wurden auch von Reinhard Wetter präsentiert, der vor allem mit Williams und Williams-Trester glänzte. Weitere herausragende Brände: Gravensteiner von Capovilla und Ziegler, Cox Orange von Holzapfel, Pfaus Apfelbrand im Holzfaß, die Weichsel ebenfalls von Pfau, der Alte Apfel und die Marille von Gölles, der Williamsbrand von Holzapfel und die Elsbeere von Reisetbauer.

  • WeltWeinFestival 2006 im Palais Coburg in Wien, Hermann Botolen leitet die Schnapsverkostung.
    foto: herbert lehmann

    WeltWeinFestival 2006 im Palais Coburg in Wien, Hermann Botolen leitet die Schnapsverkostung.

  • Alte Männer bei der Arbeit im Coburg.
    foto: herbert lehmann

    Alte Männer bei der Arbeit im Coburg.

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