"Goleadors" Wettparadies auf Altölbasis

3. Juli 2006, 17:03
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Gegenüber dem Hanappi-Stadion entsteht ein Wettcafé - allerdings auf mit Altöl kontaminiertem Boden

Wien - Wenn der Rapid-Funktionär aus dem Fenster schaut, wird ihm ein bisserl schlecht - ausnahmsweise nicht wegen der fehlenden Trainingsplätze oder ob des Autochaos während eines Meisterschaftsspiels. Das Unwohlsein ist eine Folge des Einkaufskomplexes mit integriertem Wettparadies, das "in der Keißlergasse zwischen dem Bahnhof Hütteldorf und der Deutschordenstraße" gebaut wird. Gegenüber dem Hanappi-Stadion soll der Name "Goleador" die gutgläubigen Rapid-Fans zum Zocken locken - auf Altölbasis.

Nähe zur Rapid

Die Errichtungsgesellschaft erwarb den Grund offenbar vom Altbesitzer ÖBB. Sein Vorzug: die Nähe zur Rapid und deren Fans. Rüdiger Maresch, Umweltsprecher der Wiener Grünen, wollte wissen, wie es um die Bodenqualität steht. In der Beantwortung seiner Fragen bezeichnete die Amtsführende Umweltstadträtin Ulli Sima (Selbstcharakterisierung: "Die rote Stimme für die Umwelt") den "Altstandort" als "ehemalige Kohlendestillationsanlage der ÖBB".

Unter dem Wettcafé liegt also schwer vergifteter Boden, auch das Grundwasser ist gefährdet. Die "Altlasten können das örtliche Grundwasser beeinflussen", schreibt Sima aus bürokratischen Gründen an Andrea Kalchbrenner, Bezirksvorsteherin des 14. Bezirks. Deshalb wurde 1998 "kontaminierter Boden ausgegraben und entsorgt. Seit 2003 wird im Auftrag der ÖBB kontaminiertes Grundwasser aus einem dafür errichteten Brunnen abgepumpt und gereinigt".

Doch "kann es im Fall einer geplanten Nutzung notwendig sein, Dichtelemente in den Untergrund einzubringen", so Sima. Die ÖBB, die für die Sanierung "unabhängig von einer eventuellen Veräußerung der Liegenschaft" (Sima) verantwortlich sind, kommen ihrer Verpflichtung nach, mittels Brunnen das Grundwasser zu fördern und zu reinigen.

Beton statt Sanierung

Das heißt, die Kontamination wurde auch bei der Errichtung des neuen Shopping-und Wett-Komplexes nicht behoben. Offenbar lassen im Jahr 2006 die Bestimmungen zu, dass über dieselverseuchten Grundwasserstrom eine Betonplatte gepappt und das Problem quasi verewigt wird. Falls ein Keller ausgehoben würde, müsste das Erdreich bis zu zwölf Meter tief abgegraben und entsorgt werden. Weder die ÖBB (zuständig: Verkehrsminister Hubert Gorbach) noch die Errichtungsgesellschaft wollten das bezahlen. Jeder Rapid-Fan, der im "Goleador" künftig einen Wett-Euro riskiert und verliert, honoriert einen Umweltskandal. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe, 25.04.2006)

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