Forschungsförderung

24. April 2006, 17:26
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Das neue EU-Rahmenprogramm für die Forschungsförderung 2007-2013 soll noch während der österreichischen Präsidentschaft verabschiedet werden

Noch während der österreichischen Präsidentschaft soll das neue EU-Rahmenprogramm für die Forschungsförderung 2007-2013 verabschiedet werden. Knackpunkt ist, wie so oft, das Geld. Die europäische Kommission und das europäische Parlament hatten ursprünglich 70 Milliarden für das so genannte siebente Rahmenprogramm gefordert. Bei den Verhandlungen zum allgemeinen EU Budget bis 2013 wurde aber schnell klar, dass dieser Vorschlag keine Chance hatte. Die Regierungschefs packten im europäischen Rat den Rotstift aus und strichen die Gelder. In zähen Verhandlungen wurde vom europäischen Parlament noch mal eine geringe Erhöhung erwirkt. Laut Angaben auf dem informellen Rat für Wettbewerbsfähigkeit in Graz wird die Gesamtsumme für Forschung und Entwicklung nun 54,5 Milliarden Euro ausmachen. Damit stehen pro Jahr 7,8 Milliarden Euro zur Verfügung.

Wofür genau wird dieses Geld nun ausgegeben? An erster Stelle steht unter der Überschrift "Kooperation" die Förderung transnationaler Forschungsprojekte in neun Themenfelder, nämlich auf dem Gebiet der IT (Informationsgesellschaft), der Gesundheit, im Bereich Verkehr und Luftfahrt, Nanotechnologie, Sicherheit und Weltraum, Energie, Umwelt (einschließlich Klimaänderung), Lebensmittel, Landwirtschaft und Biotechnologie sowie in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Dazu kommt noch die Förderung der Forschung zu Nuklear- und Fusionsenergie sowie Reaktorsicherheit im Rahmen des EURATOM-Vertrags.

Kritiker bemängeln allerdings diese thematische Aufteilung als zu sehr an den Interessen der Industrie orientiert. So fordert das European Science Social Forum Network eine Themenfokussierung die Gebiete wie Konfliktvermeidung, den verantwortlichen Gebrauch von Ressourcen und alternative Energien stärker mit einbezieht.

Unter dem Schlagwort "Ideen" will die EU die Grundlagenforschung durch die Einsetzung eines Europäischen Forschungsrats fördern. Die dritte Kategorie, "Menschen", sieht Gelder zur Ausbildung und Mobilitätsförderung europäischer Forscherinnen und Forscher vor. Schließlich soll in der Rubrik "Kapazitäten" der Ausbau von Forschungsinfrastruktur sowie von Klein und Mittelunternehmen unterstützt werden. Die genaue Verteilung der Mittel auf diese verschiedenen Kategorien ist allerdings derzeit noch umstritten. Im besonderen die vorgeschlagene Erhöhung der Mittel für EURATOM hat in Österreich Proteste hervorgerufen.

Österreich selbst hat nach Regierungsangaben seit dem EU Beitritt 1995 790 Millionen Euro an EU Forschungsgeldern erhalten. Im sechsten Rahmenprogramm (2002-2006) erzielte Österreich laut Angaben von Bundesministerin Gehrer eine Rückflussquote von 114 Prozent. In anderen Worten: Österreich erhält prozentuell mehr Geld für Forschungsprojekte als es in die EU Töpfe einzahlt. Mit einer nationalen Forschungsquote von 2,35% (2005) liegt Österreich klar über dem EU Durchschnitt aber noch unter dem 3% Ziel, das die Union bis 2010 erreichen will.

Von Daniel Spichtinger
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