Das "süße Blut"

29. Jänner 2007, 14:07
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Bis zu 70 Prozent mehr Zuckerkranke bei den unter 40-Jährigen - es besteht Handlungsbedarf

Wien - Diabetes, die "süße Krankheit", ist kein Spaß. "Die Zahl der Diabetes-Patienten nimmt besonders bei den jüngeren Menschen stark zu. Bei den 40- bis 49-Jährigen stieg sie um 40 Prozent, bei den bis 30-Jährigen sogar um 70 Prozent. "Das ist enorm", warnt die Wiener Spezialistin Dr. Heidemarie Abrahamian.

Dienstag, 25. April - Diabetes Tag

Nicht nur im Wiener Rathaus ist Diabetes Thema. Zur selben Zeit werden auch die EU-Gesundheitsminister in der Wiener Hofburg über Maßnahmen zur Dämpfung der befürchteten Diabetes-Epidemie in den Mitgliedstaaten diskutieren.

Junge Krankheit - Altersdiabetes

Dass der Typ-2-Diabetes ("Altersdiabetes") derart zunimmt, hat im Grunde genommen einfache Ursachen. Stoffwechselexperte Bernhard Ludvik von der Universitätsklinik für Innere Medizin III am Wiener AKH: "Diabetes wird durch das Übergewicht in Folge von Fehlernährung und mangelnder körperlicher Aktivität ausgelöst, und das obwohl wir täglich rund 800 Kalorien weniger zu uns nehmen, als vor 20 Jahren. Wir bewegen uns zu wenig und verbrauchen deshalb auch um 900 Kalorien weniger pro Tag."

Vorsorge mit Bewegung und Ernährung

Die ständige Differenz zwischen Aufnahme und "Verbrennung" führt zu Übergewicht, Insulinresistenz und schließlich zur echten Zuckerkrankheit. Eine finnische Studie hat ergeben, dass man mit gesunder Ernährung und pro Woche 150 Minuten moderater Bewegung bereits Diabetes-Gefährdete zu 60 Prozent vor dem Ausbruch schützen kann.

Problematische Langzeitfolgen

Mit dem Diabetes ist jedenfalls auch wegen der möglichen Langzeitkomplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nerven-, Augen- und Nierenschäden nicht zu spaßen. Martin Grabenwöger, Leiter der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie am Krankenhaus Hietzing: "Mittlerweile ist jeder zweite bis dritte Patient auf der Herzchirurgie ein Diabetiker. Die Zuckerkrankheit wird oft verharmlost." Bei solchen Patienten kommt es auch wesentlich häufiger zu Komplikationen bei allfälligen notwendigen gefäßchirurgischen Eingriffen.

Informieren und Aufklären

Nur ein praktisch die gesamte Gesellschaft erfassendes Bewusstsein dafür, dass dem Diabetes gegengesteuert werden muss, könnte zukünftige Probleme zumindest teilweise verhindern, meinte die Wiener Sozialmedizinerin Anita Rieder: "Wir haben in Österreich rund 300.000 Diabetiker. Dazu muss man noch fünf bis 20 Prozent an Dunkelziffer hinzufügen. Die Ausgaben für Diabetes-Medikamente sind von ehemals 30 Millionen Euro pro Jahr bereits auf 70 Millionen gestiegen."(APA/red)

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