Die besten Life-Cycle-Fonds

2. Mai 2006, 14:26
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In den USA zählen Fonds mit Ablaufdatum schon zum Standard - Welche die Nase vorn haben und worauf bei der Auswahl zu achten ist - Analyse von e-fundresearch.com

Vorsorgen mit Fonds. Aber leicht gemacht. Mit diesem Ziel treten die hierzulande noch relativ unbekannten Life-Cycle bzw. Target-Date-Funds an. Denn wer etwa für die Pension finanziell vorsorgen will, steht bei Fondsinvestments gleich vor zwei Problemen: Einerseits gilt es den passenden Fonds aus einem mittlerweile immer unübersichtlichen Universum auszusuchen, andererseits kommt es dann noch auf die richtige Mischung an. Denn empirische Studien beweisen, dass der richtige Vermögensmix (etwa zwischen Aktien und Anleihen) von herausragender Bedeutung für den Anlageerfolg ist. Eine von Brinson, Singer und Beebower 1991 durchgeführte Analyse, zeigt etwa dass 91 Prozent der Performance allein durch die strategische Asset Allokation bestimmt wird. Das richtige Timing und die Auswahl der einzelnen Wertpapiere tragen also nur einen geringen Teil zum Anlageerfolg bei.

Mischfonds nicht flexibel genug…

Die Asset Allokation darf aber nicht statisch gesehen werden, sondern sollte laufend – je nach Lebensphase bzw. der Annäherung zum Auszahlungszeitpunkt – angepasst werden. Genau das aber bieten Investmentfonds in der Regel nicht. Vielleicht auch ein Grund dafür, warum gerade gemischte Fonds bei Privatanlegern nie besonders populär waren. Die einen wollen nur Aktien, andere nur Renten, wieder andere wollen sich die passende Mischung selbst zusammenstellen. Bei Mischfonds delegiert der Anleger die Verantwortung der Gewichtung einzelner Assetklassen an den Fondsmanager. Die meisten Mischfonds haben jedoch starre Grenzen, was den maximalen Aktien- bzw. Anleihenanteil betrifft.

…Vermögensverwaltung zu teuer

Die größte Konkurrenz stellen Life-Cycle-Produkte als „Mini-Vermögensverwaltungen“ naturgemäß für Private Banking Portfolios dar. Die Einfachheit bezüglich des Ansparzeitpunktes bzw. Kostenvorteile sind dabei die Hauptgründe.

Life-Cycle-Fonds in den USA sehr beliebt

In den USA zählt diese Assetklasse deswegen bereits zu den am schnellsten wachsenden des gesamten Fondsmarktes. Laut einer aktuellen Studie von Lipper, verdoppelte sich das in Life Cycle Fonds investierte Volumen seit dem Jahr 2002 von 68,2 auf 139,7 Mrd. US-Dollar. Und alleine im Jahr 2004 zog die Assetklasse Nettomittelzuflüsse in der Höhe von 24,2 Mrd. US-Dollar an. Besonders in relativ schlechten Börsenjahren 2001-2003 stieg die Bedeutung dieser Fondskategorie.

Was macht sie so attraktiv?

Vor allem das Faktum, dass der Anleger mit der Auswahl des Auszahlungszeitpunktes schon einen Großteil der Arbeit getan hat. Denn Life-Cycle- bzw. Target Return Funds mischen verschiedene Assetklassen in Abhängigkeit von der Restlaufzeit des Fonds und sind somit genau auf die Lebensplanung des Anlegers abgestimmt. Zu Beginn der Laufzeit setzen diese Fonds auf Kapitalwachstum durch einen hohen Aktienanteil. Im Laufe der Jahre wird das Vermögen - je nach Zielzeitraum und Börsenentwicklung - in risikoärmere Anlagen wie Anleihen und Geldmarkt umgeschichtet. Damit werden zum Ende der Laufzeit die erwirtschafteten Zuwächse abgesichert.

Deutschprachiger Raum: 1,4 Mrd. Euro in 42 Fonds

Mittlerweile bieten in den USA rund 60 Asset Manager mehr als 250 verschiedene Life Cycle Fonds an. Im deutschsprachigen Raum gibt es dagegen erst sieben Anbieter mit insgesamt 42 Fonds und einem Gesamtvolumen von 1,38 Mrd. Euro. Das Wachstum ist aber auch hierzulande enorm: Per Ende März 2005 gab es erst 29 Fonds die zusammen ein Volumen von 520 Mio. Euro aufwiesen. Im Jahresabstand bedeutet dies ein Wachstum von 166 Prozent.

Die Anbieter im Überblick

Der mit 34 Prozent Marktanteil in den USA größte Anbieter, Fidelity, bietet seine Target Fonds aber auch in Europa an. Dabei stehen dem Anleger, je nach gewünschtem Auszahlungszeitpunkt, hierzulande fünf Fonds zur Verfügung: Fidelity Target 2010, 2015, 2020, 2025 und 2030. Zwei weitere Tranchen (2035 und 2040) sind in Vorbereitung. Fondsmanager Richard Skelt setzt die dynamische Asset Allokation ausschließlich mit Fidelity-Fondsmanagern als Multi-Manager-Produkt um. Während der Target Fund 2030 aktuell zu rund 95 Prozent in Aktien investiert ist, sind es beim Target Fund 2010 nur mehr knapp 20 Prozent. „Die Target Funds sind allerdings keine Garantieprodukte, denn eine Garantie würde die Wertentwicklung spürbar mindern“, erklärt Skelt. Außerdem wird die laufende Verwaltungsgebühr gegen Laufzeitende aufgrund des niedrigeren Aktienanteils immer günstiger.

Ähnliche Produkte bietet in der Schweiz seit kurzem Swisscanto an. Seit 1. November 2004 sind vier Varianten: Swisscanto (CH) Life Cycle Fund 2015, 2020, 2025 und 2030 erhältlich. Die Swisscanto Life Cycle Fonds sind wie die meisten anderen Produkte auch nach dem Dachfonds-Prinzip konzipiert und investieren hauptsächlich in hauseigene Fonds. Ähnlich wie bei Fidelity sind die Swisscanto Fonds nicht mit einer Kapitalgarantie ausgestattet.

Mit insgesamt neun Varianten bietet die deutsche DWS seit 2003 das größte Angebot an Life Cycle Fonds im deutschsprachigen Raum an. Die Portfolios, der im jährlichen Rhythmus zwischen 2013 und 2020 auslaufenden DWS FlexPension Fonds (die 2025er Tranche ist als Sparplan strukturiert), werden halbjährlich an die strategische Asset Allokation angepasst. Im Unterschied etwa zu den Fidelity Target Fonds gibt es hier aber sehr wohl eine Kapitalgarantie: Bei den DWS Flex Fonds werden sämtliche Einzahlungen abzüglich Ausgabeaufschlag zum Laufzeitende des jeweiligen Teilfonds garantiert. Außerdem sind die Produkte mit einer 100-prozentigen monatlichen Höchststandsgarantie (monatlich) ausgestattet. Bis 2005 waren die Produkte allerdings nur im Rahmen von fondsgebundene Lebensversicherungen erhältlich.

Noch relativ neu sind die Mitte 2005 aufgelegten Zielfonds der Deka, die es in den Tranchen 2015, 2020, 2025 und 2030 gibt. Im Unterschied zu den Produkten der DWS sind die Deka Zielfonds aber nicht mit einer Kapitalgarantie ausgestattet und investieren neben hauseigenen Fonds auch in Produkte der Deka-Kooperationspartner wie JPMorgan, Schroders, Franklin Templeton.

Auch die ERSTE SPARINVEST bietet bereits seit März 2004 den ESPA Portfolio Life Cycle/19 an. Hier hat der Anleger zum Laufzeitende eine Höchststandsgarantie: 95 Prozent des höchsten monatlichen Durchschnittswertes, der während der 15-jährigen Laufzeit festgestellt wurde, wird für das Ende der Laufzeit zugesichert. Weitere Laufzeiten bietet man im Rahmen einer Lebensversicherung für die hauseigene s-Versicherung ab. Etwa als Tilgungsträger bei Krediten.

Ensprechende Produkte bietet zudem die Activest und Skandia. Sowohl die Pension Protect 2015 bis 2020 (Activest) als auch die Skandia Euro Guaranteed Fund 2012-2020 sind kapitalgarantiert, letztere werden zudem vom ETF-Spezialisten Lyxor Asset Management verwaltet. Noch nicht auf dem Markt sind die ABN AMRO Capital Protected Life Cycle Fund 2010 bis 2035 bzw. die ABN AMRO Target Click Fund 2006 bis 2054.

Performance: ESPA klar vorn

Anhand der Performance liegen derzeit die nicht kapitalgarantierten Produkte von ESPA, Fidelity und Deka klar vorne. Vergleicht man etwa den Ertrag vergleichbarer Fonds (in diesem Fall die 2019/2020er Tranchen) findet sich der ESPA Portfolio Life Cycle/19 seit Juli 2005 (dem Auflagedatum der Deka-Zielfonds) mit 27 Prozent auf Platz eins. „Der Grund liegt neben dem Aktienübergewicht in Asien vor allem in der Beimischung von alternativen Anlagen wie Rohstoffe, Immobilienaktien oder Währungen“, erklärt Fondsmanager Joachim Schöll. Dann folgt der Fidelity Target Fund 2020 mit 23 Prozent Kursplus, wobei hier vor allem das Europa-Übergewicht geholfen hat (fast 80 Prozent des Aktienanteils ist in Europa investiert). Der Deka-Zielfonds 2020 bracht es auf 20,4 Prozent. Etwas abgeschlagen folgen dahinter die 2020er-Tranchen von DWS (12,9 Prozent) bis Skandia (9,5 Prozent).

Was man bei der Auswahl beachten sollte

Als Besonderheit des deutschsprachigen bzw. deutschen werden hierzulande Target Date Fonds als Garantieprodukte aufgelegt. Anleger müssen sich hier für oder gegen die Garantieform entschieden. „Garantievarianten entsprechen zwar dem allgemeinen Bedürfnis nach Sicherheit, sind aber aufgrund der Langfristigkeit dieser Anlageform und der vermögensverwaltenden Ausrichtung dieser Produkte wenig zielführend, da eine echte Absicherung immer einen Teil der Rendite kostet“, rät deshalb Detlef Glow, Head of Research für Österreich und Deutschland bei Lipper

Fazit

Trotz des einleuchtenden Konzeptes sind Life-Cycle-Fonds von den Anlegern bis dato relativ schlecht angenommen worden. 2005 kam aber Schwung in die Assetklasse und die größten Tranchen von DWS bzw. Fidelity verfügen bereits über Volumina von je über 100 Millionen Euro. Die Gründe für den verhaltenen Start dürften aber nicht an der Performance, sondern bei den Beratern selbst liegen. Denn hat sich ein Kunde erstmal für einen Fonds bzw. ein Laufzeitende entschieden, ist der laufende Handlungs- und Beratungsbedarf auf ein Minimum reduziert. Produkte, die häufige Umschichtungen erfordern, sind für Berater dagegen interessanter. Nichtsdestotrotz bieten sich Life-Cycle-Fonds hervorragend für Privatanleger an, denen Mischfonds zu unflexibel und Vermögensverwaltungs-Portfolios zu teuer sind.

Performancedaten per 18.4.2006 in Euro / Datenquelle: Lipper

Die gesamte Fondsanalyse (inkl. Tabelle der besten Fonds) finden Sie hier.

Die wichtigsten Infos zu Fondsinvestments finden Sie unter www.fonds1x1.com

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  • Artikelbild
    foto: europäische kommission
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