Streit um Rothneusiedl-Stadion im Gemeinderat

20. Juni 2006, 21:11
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Rathaus-Opposition beklagte fehlenden Masterplan und Parteilichkeit des Bürgermeisters

Wien - Noch sind nicht viele Planungsdetails bekannt, gestritten wird über die künftige Austria-Arena aber bereits: Auf Betreiben der Grünen war das Stadionprojekt Rothneusiedl am Montag Thema der Aktuellen Stunde im Wiener Gemeinderat. Grün-Mandatar Christoph Chorherr beklagte dabei, dass ein vernünftiger Masterplan ebenso fehle wie eine Widmung und Machbarkeitsstudie. SP-Gemeinderat Christian Hursky unterstrich die Bedeutung der Planungen für die Entwicklung im Wiener Süden.

Während seiner Rede präsentierte sich Chorherr - nach eigenen Aussagen "gelegentlicher Fan der Austria" - mit einem Fanschal, den ihm seine Großmutter vor 20 Jahren gestrickt habe. Erfreut zeigte er sich dann auch über den Derby-Sieg am gestrigen Sonntag. Es folgte aber rasch auch Kritik: Der Verein hänge existenziell am Tropf des Sponsors Frank Stronach - und diesem würde nun jeder Wunsch erfüllt, um ihn zu halten.

Shopping-Center "absolut unverträglich"

Die Stadt investiere bis zu 500 Mio. Euro, damit ein privater Investor mit einem enormen Einkaufszentrum die Nahversorgung kannibalisieren könne. Jeder Grundstücksspekulant träume davon, dass ihm die Stadt ein solches Gebiet infrastrukturell erschließe. "Ein riesiges Shopping-Center in diesem Bereich ist absolut unverträglich", warnte Chorherr. Der Grüne brachte im Zusammenhang mit vermuteten Grundstücksspekulationen einen Untersuchungsausschuss und eine Überprüfung durch das Kontrollamt ins Gespräch.

"Es gibt überhaupt kein Konzept", bemängelte ÖVP-Mandatar Günter Kenesei an den Planungen der Stadtregierung. Bürgermeister Michael Häupl (S) agiere hier "mehr als parteiisch". Der Kuratoriumsvorsitzender der Austria handle gemäß dem Motto: "Ist mein Fußballverein in der Krise, stell' ich ihm ein Stadion auf die grüne Wiese."

FPÖ-Verkehrssprecher Herbert Madejski stellte für seine Partei klar: "Wir sind dafür, dass dort gebaut wird." Ein Stadion und ein sportliche Mehrzweckhalle seien in Wien dringend vonnöten. Die Verhandlungen über Grundstückskäufe dürften aber nicht in die Öffentlichkeit getragen werden, weshalb man sich wieder einem typischen "Versäumnis sozialistischer Planungspolitik" gegenüber sehe.

SPÖ-Mandatar Hursky deklarierte sich in seiner Rede als Rapid-Fan. Aus dieser Perspektive könne die Austria für seinen Geschmack auch auf dem Grenzackerplatz in Favoriten spielen (einem mittelgroßen Sportplatz, Anm.). Der Stadionbau sei aber wichtig: "Wir wollen mit diesem Impulsgeber den Süden Favoritens weiterentwickeln", bekräftigte Hursky seine Zustimmung zu den Plänen. Er empfahl vor allem der ÖVP, Druck auf die eigene Bundesregierung auszuüben, damit diese die Finanzierung des U-Bahn-Ausbaus in die Wege leite.

Offene Fragen

Auch wenn Wiens Bürgermeister und Austria-Kuratoriumsmitglied Michael Häupl (S) die Errichtung eines Fußball-Stadions in Rothneusiedl angekündigt hat, aus stadtplanerischer Hinsicht sind noch viele Fragen offen: Für das vorgesehene Areal im Süden Wiens gibt es noch keine entsprechende Flächenwidmung. Was genau in welchem Ausmaß dort gebaut wird, ist noch nicht entschieden. Ein Stadion allein dürfte es jedoch nicht werden.

Rothneusiedl gehört zu jenen Stadtentwicklungsgebieten Wiens, deren Aufschließung eng an die Verlängerung der U-Bahn gebunden ist. Der Ausbau der U1 ist bereits beschlossene Sache, auch wenn die Finanzierung noch nicht fix ist. Die Verhandlungen mit dem Bund sind noch ausständig.

Laut Schätzungen dürfte die U1 frühestens 2012 bis nach Rothneusiedl fahren. Auch die Straßenanbindung, konkret die Verbindung zwischen A23 und S1 ("Hansson-Spange"), ist als "A24" bereits im Bundesstraßengesetz enthalten. Im Gegensatz dazu wurde zuletzt ein relativ früher Zeitpunkt für die Fertigstellung des Stadions genannt. Nach einem Gespräch zwischen Häupl, Magna-Chef Frank Stronach und Klub-Präsident Peter Langer hieß es, dass bis 2010 die neue Austria-Arena stehen könnte. Bezahlt werde solle das Stadion "zu hundert Prozent von Magna".

Eine Flächenwidmung oder diverse Baugenehmigungen gibt es noch nicht. Zum Stadion dürften jedenfalls aber auch andere Einrichtungen kommen. Im Raum steht die Errichtung einer Freizeitanlage. Kolportiert wird jedoch auch der Bau eines Einkaufszentrums, quasi als Konkurrenz zur Shopping-City-Süd in Vösendorf. (APA)

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