Greenpeace "übergibt" verstrahlte Erde an IAEO

11. Juli 2006, 09:57
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"Unfallfolgen dürfen nicht länger verharmlost werden"

Wien - Rund 30 Greenpeace-Aktivisten haben am Montag zwei radioaktive Bodenproben zum Hauptsitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in der Wiener UNO-City gebracht. "Aus Protest gegen den Umgang mit den Folgen des Atomunfalls von Tschernobyl", lautete die offizielle Begründung. Außerdem hissten die Umweltschützer ein Transparent mit der Aufschrift "IAEO: 90.000 Strahlentote sind genug. Atomausstieg jetzt".

Die Proben stammen aus einem öffentlich zugänglichen, forstwirtschaftlich genutzten Waldstück sowie einem rund 50 Kilometer vom Unglücksreaktor entfernten Dorf. Geschützt war die verstrahlte Erde einen 200 Kilo schweren Betoncontainer mit Bleiummantelung. "Die IAEO darf nicht länger die Unfallfolgen von Tschernobyl verharmlosen und muss sofort damit aufhören, den weiteren Ausbau der Atomenergie zu forcieren", forderte Greenpeace-Energieexperte Jan Haverkamp.

Die Atombehörde gehe von "viel zu wenigen Opfern" des Super-GAU aus. Zudem habe sie mehrmals empfohlen, wieder Menschen in den hoch belasteten Gebieten außerhalb der 30 Kilometer-Sperrzone anzusiedeln, der Vorwurf von Greenpeace." Während die IAEO von 4.000 Krebstoten als Folge des Super-GAU spreche, führe ein jüngst veröffentlichter Greenpeace-Bericht rund 90.000 zu erwartende Tote auf die Reaktorkatastrophe zurück.

Zusammen mit den radioaktiven Bodenproben haben die Umweltschützer einen an IAEO-Direktor Mohammed el Baradei gerichteten Brief mit ihren Forderungen übergeben. Laut Angaben von Greepeace-Sprecher Thomas Hohenberger hat im Zuge der "Übergabe" ein Bodyguard der IAEO einen Aktivisten per Ellbogencheck zu Boden gestreckt. (APA)

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