Knopf-Knebel-Brandenbourgs

Redaktion, 25. April 2006, 20:17
  • Artikelbild
    foto: apa/dpa/armin weigel

    Ein Knopf aus Perlmutt aus dem Knopfmuseum im oberpfälzischen Bärnau. Rund 40.000 verschiedene Knöpfe aus 26 verschiedenen Materialien sind hier, im einstigen Zentrum der deutschen Knopfindustrie, zu sehen.

Knöpfe fanden bereits im Altertum als Verschlussart Verwendung und als "Bouton à queue" ab dem 17. Jahrhundert Verbreitung

So vielfältig die Form, Größe, Farben, Verzierungen und das Material (Knochen, Holz, Horn, Metall, Glas, Edelstein, Schildpatt, Perlmutter, Posamentrie, Porzellan, Steinnuss und Kunststoff) eines Knopfes, so weitläufig auch seine Einsetzbarkeit. Die Herkunft des Knopfes, der neben dem Zweck des Verschlusses auch als Zierde der Kleidung verwenste wird, reicht weit zurück. Laut Mode- und Kostümlexikon ist er (mhd. knouf "Knauf") zentralasiatischen Ursprungs und war bereits im Altertum bekannt.

Die Phrygier trugen kleine Leinwandknäuel mit Stiel an den Gewändern, die durch Schnurschlingen geschoben wurden. Auch in der griechisch-antiken Kleidung gab es Knöpfe (griech. pyrénia "Kern") etwa ab dem 6. Jahrhundert v.u.Z., zum Beispiel, um den Chiton (Tunika) an den Schultern zusammenzuknöpfen. Bei den Germanen wiederum wurde der Wickelrock im Rücken mit einem Doppelknopf fixiert und im byzantischen Kulturkreis der Knopf mit einer Öse geschlossen.

Fibel, Spange, Nestel

Europa stellte laut Ingrid Loschek (Reclams Mode- und Kostümlexikon) eine Ausnahme dar. Hier wurden bis ins hohe Mittelalter anstelle der Knöpfe Fibeln, Spangen sowie Nesteln verwendet, später dann Haken und Ösen. Erst im 13. Jahrhundert kam der Knopf - angeblich durch die Kreuzfahrer - nach Europa. Anfänglich diente er zum Schließen des Halsschlitzes und der vertikalen Schlitze am Unterarm der Ärmel, ab dem 14. Jahrhundert als Verschluss der "Schecke" (Männerrock) und ab 1380 des Kleids der Frau an der Vorderseite. Daraufhin erhielten jedoch schon bald wieder - und bis ins 19. Jahrhundert hinein - Haken, Ösen und Bänder den Vorrang in der Damenkleidung.

Im 16. Jahrhundert setzte sich der Knopf am Wams (Leibrock) des Mannes durch. Und zwar waren an beiden Kanten desselben Knöpfe angebracht, so dass ein Schließen in beiden Richtungen möglich war; dafür gab es vorerst keine Regel.

Der Knopf als Zierde

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde der Knopf als Zierobjekt entdeckt. Beispielsweise "schockweise" zu 60 Stück an den Außennähten wadenlanger Herrenhosen. Ein französischer Graf soll Knöpfe mit dem Porträt seiner Geliebten getragen, ein anderer kleine Uhren als Rockknöpfe verwendet haben. Der "Bouton à queue" war total en vogue, ab Ende des Jahrhunderts wurde er auch "Brandenbourgs" genannt. Nun kannte der Einsatz von teuren Materialien keine Grenzen. Jedoch fertigte man sehr kostbare Knöpfe zum Durchstecken an, so dass sie auswechselbar und damit mehrfach einsetzbar waren. Sie wurden durch zwei Knopflöcher geschoben und mittels eines querzustellenden Dornes gehalten.

Aus dem "Brandenbourgs" hat sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit der Knebelknopf entwickelt, der heute für den Dufflecoat verwendet wird. Zumeist aus Holz, Leder, Bambus oder Posamentierarbeit hergestellt, wird er mit einer Schlaufe anstelle eines Knopflochs am Gewand befestigt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Links-auf-rechts-Knöpfung (Knopf rechts, Knopfloch links) in der Herrenmode zum ungeschriebenen Must. Bei der Frau setzte sich im Gegensatz zum Mann die umgekehrte Schließform duch (von rechts auf links).

Ebenfalls im 19. Jahrhundert kamen die "Junggesellenknöpfe" auf. Dabei handelt es sich um zwei zusammenpressbare Knöpfe, die das Knopfannähen erübrigten.

Druckknopf und Manschettenknopf

Der Druckknopf wiederum, ein zweiteiliger aus Feder- und Kugelteil bestehender Patentknopf aus Messing, seit den 50er-Jahren auch aus Kunststoff, sorgte - ebenfalls im 19. Jahrhundert - als unsichtbarer Verschluss für Aufsehen. Das erste Patent wurde 1861 in England eingereicht, 1885 erfand Heribert Bauer eine zweiteilige, leicht aufspringende Feder für den Druckknopf, die als Patent 1903 von der Firma William Prym in Stolberg aufgekauft und durch eine Doppelfeder aus Bronze verbessert wurde. Nun seztzte sich anstelle der Haken und Ösen der Druckknopf erstmals beim Reformkleid um 1900 durch und kam 1939 auch als Einiet-Druckknopf auf den Markt.

Der Manschettenknopf, zwei mittels eines Kettchens oder Metallstegs verbundene Schmuckknöpfe oder ein Schmuckknopf mit Metallsteg und Knebel, stammt aus dem 19. Jahrhundert und wird seit den 1960er-Jahren bis heute vorwiegend am Abendhemd eingesetzt. (dabu)

 

  • Christlicher Revolutionär schuf Mao-Anzug [7]

    TitelbildIn den 1960er- und 70er-Jahren prägte der schlichte Anzug den Begriff von den "blauen Ameisen"

  • Plitsch-platsch [10]

    TitelbildKnallbunte Gummistiefel sind der Renner der Saison - Als praktische und wasserdichte Fußbekleidung werden sie bereits seit 1840 hergestellt

  • Historie der Unterwäsche

    Munkeln übers Liebesleben [3]

    TitelbildBis zum 19. Jahrhundert war Damenunterwäsche eine gegenstandslose Sache

  • Stück für Stück zum Glück

    TitelbildDas Bettelarmband hat wieder Saison - Sein Ursprung findet sich im magischen Amulett der Jungsteinzeit, das Schaden abhalten sollte

  • Vom "Lobaufetzerl" bis zum Oben-ohne-Trend [36]

    TitelbildBademode spiegelte in Wien auch immer die Gesellschaft wider

  • Schalen für die Brüste [4]

    TitelbildNeueste Forschungen über WikingerInnen belegen überraschend bunten, glitzernden und "gewagten" Kleidungsstil beider Geschlechter vor der Christianisierung

  • T-Shirt-Held Guevara [64]

    TitelbildAlberto Kordas Fotografie von Che Guevara mit Barett, Bart und sehnsüchtigem Blick eroberte die Welt – und vor allem auch die Märkte

  • Das Appetitröckl [7]

    TitelbildSittsam, schelmisch und verschwiegen: Die Röcke und Kleider als Dessous haben ihren Ursprung im Mittelalter

  • Betucht, aber unpolitisch [76]

    TitelbildLinke, Nazis, Krocha: Alle tragen ein Palästinensertuch - Mit politischem Statement hat das heute kaum mehr etwas zu tun

  • Gipsy-Stil

    TitelbildDer Folklore- beziehungsweise Carmenlook tauchte bereits im 19. Jahrhundert auf - In den späten 1970er-Jahren hatte er Hochsaison

  • Ski heil! Oder so ähnlich [6]

    TitelbildVon der Knickerbocker über die Kristianiahose zur Baggy-Pant - Die Entwicklung der Skimode beginnt Ende des 19. Jahrhunderts

  • Männer in Röcken [6]

    TitelbildHeute gilt der Kilt, auch Schottenrock genannt, postmodern abgewandelt, wieder als en vogue - Seinen Ursprung hat er im 18. Jahrhundert

  • Hauptwärmer [4]

    TitelbildSeit der Bronzezeit ist die Kapuze als Wetterschutz bekannt - Als Gugel war sie modische Kopfbedeckung des Mannes im Mittelalter

  • Hosen, die krachen [31]

    TitelbildDie Trachtenhose aus Leder unterscheidet zwischen der Krachledernen und der Bundledernen - Erstere ist bereits für den Anfang des 18. Jahrhunderts belegt

  • Auf Stelzen gehen

    TitelbildOder unterm Pantoffel stehen - Patschen bieten nicht zwingend Komfort - Die Chopine beispielsweise, Stelzpantoffel des 14. Jahrhunderts, erreichten eine Stöckelhöhe von 50 Zentimetern

  • Die Brustverbesserer [57]

    TitelbildDie Geschichte des BHs führt in die Antike - Von der "Fascia pectoralis" zu Brustleibchen, "No-bra"-Bra, Wonderbra und Push-up

  • Mini- und Maximalismen [4]

    TitelbildDer "Total Look" von Mary Quant konnte sich genauso wenig durchsetzen wie die Maximode - Midi errang über Jahrzehnte einen dauerhaften Sieg

  • Ein Kleid für die Dirn' [58]

    TitelbildDas Dirndl als Teil der österreichisch-bayrischen Tracht ist um 1870 entstanden und ging in den 1930er-Jahren als modische Novität um die Welt

  • Einengungen und Befreiungen [8]

    TitelbildGehobene Brüste und Wespentaille - Schnürbrust, Schoßmieder, Justaucorps - Die Figurbetonung durch das Mieder beginnt bereits in der minoischen Kultur

  • Die Gemse am Kopf [20]

    TitelbildUnd Goiserer oder Haferl an den Füßen - Die zünftigen Trachten-Accessoires gehen auf die Zeit des Biedermeier zurück

  • Weg mit dem "Weiberspeck" [3]

    TitelbildModegeschichtliche Strategien des Verbergens mittels Hüftpolster und Hüftmieder - Die ersten Modelle kamen um 1600 auf

  • Accessoires zum Schwimmen [2]

    TitelbildBademantel und Schwimmschuhe kamen erst im 19. Jahrhundert auf, als das öffentliche Baden für die Oberschicht populär wurde

  • Muff und Schlurpfer [3]

    TitelbildDer "Handwärmer" wurde von beiden Geschlechtern getragen und erreichte seinen modischen Höhepunkt im 18. Jahrhundert

  • Knopf-Knebel-Brandenbourgs [1]

  • Beinlinge [19]

    TitelbildMit dem Revival der 80er-Jahre sind auch die Wadenwärmer wieder zurück - Was Jane Fonda zum Aerobic trug, gilt nun als ausgehfein

Güle güle Hojaç Bey!
 
00
19.7.2006, 09:40
"Die mit Knöpfen und Taschen wird der Teufel erhaschen

...die mit Hacken und Ösen wird der Herr erlösen".

Die Jakob Amannschen Amishen in Pennsylvania und anderswo in den USA, wollen keine Knöpfe an der Kleidung (die Frauen dürfen überhaupt nur dutzende Stecknadeln als Kleiderverschluss tragen). Diese sind eitler Tand, ausserdem erinnern sie die Knöpfe an die Uniformbestandteile der Soldaten die sie in Europa wegen ihrer Religion verfolgten.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.