Bauprojekte prägten Wahlkampf

5. Mai 2006, 16:03
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Bemerkenswerte Neubauten haben das Bild Innsbrucks verändert

Innsbruck - Zwei umstrittene Bauprojekte haben im Vorfeld der Innsbrucker Gemeinderatswahl das politische Geschehen bestimmt: die neue Autobahnabfahrt Innsbruck Mitte (AIM) und die Errichtung einer neuen Bahn vom Stadtzentrum aus hinauf auf die Hungerburg.

Verkehrsentlastung

Bei der AIM preisen die regierenden VP-Listen eine Verkehrsentlastung an, Grüne, SPÖ und eine Bürgerinitiative behaupteten das Gegenteil und befürchten weitere Verschlechterung bei den Luftschadstoffen im "Sanierungsgebiet" Innsbruck. Mit massiver Unterstützung von Land und Verkehrsministerium gelang es Bürgermeisterin Hilde Zach, Anfang Dezember den Spatenstich durchzusetzen. Seither wird von der Asfinag mit Hochdruck gebaut, um für eine künftige Stadtregierung unumkehrbare Tatsachen zu schaffen.

Ähnliches gilt für die neue Hungerburgbahn (HBB), an der ebenfalls seit Anfang Dezember gebaut wird. Es geht um den Ersatz für eine 100 Jahre alte Standseilbahn und in weiterer Folge um die Erneuerung der 1928 errichteten Seilbahn auf Seegrube und Hafelekar. Mehrere Projektvarianten waren noch zu Zeiten von Bürgermeister Herwig van Staa gescheitert. Zach zieht nun das von ihr forcierte 50-Millionen-Euro-Projekt gegen SPÖ, Teile der Grünen und 15.000 Unterschriften durch.

Der Architekturwettbewerb für die Stationen der neuen HBB führte 2004 zum Match zwischen den Stararchitekten Zaha Hadid und Dominique Perrault, den Hadid gewann. Beide zeichnen bereits für Projekte verantwortlich, die das gewandelte Innsbrucker Stadtbild prägen. 2002 wurde sowohl Hadids Bergiselschanze, wie auch das von Perrault geplante neue Innsbrucker Rathaus fertig gestellt.

Schwung als Symbol

Der kühne Schwung, mit dem Hadid die steil abfallende Anlaufbahn und das Restaurant hoch oben am Schanzenturm verbunden hat, ist inzwischen zu einem Symbol für die Stadt geworden. Perraults gläserner Rathausturm, der neue Räume für die Stadtverwaltung mit einer Geschäfts-und Lokalgalerie verbindet, bietet Ausblicke auf Stadt und Umgebung.

Hochwertige Architektur, die Innsbruck zu einem Reiseziel für einschlägig interessiertes Publikum macht, ist in den vergangenen Jahren auch andernorts gelungen. Angefangen 1999 mit dem Neubau der Sowi-Fakultät am Rande der Altstadt durch Dieter Henke und Martha Schreieck bis zum 2004 eröffneten neuen Hauptbahnhof von Florian Riegler und Roger Riewe.

Den Stellenwert der Architektur verdeutlicht das 2005 eröffnete "Haus der Architektur" im 1927 von Lois Welzenbacher gebauten ehemaligen Sudhaus Adambräu. Rainer Köberl, Thomas Giner und Erich Wucherer haben aus der Maschine, die fürs Brauen vorgesehen war, eine für das Bewahren und Vermitteln von Architektur gemacht. (hs, DER STANDARD, Printausgabe 24.4.2006)

  • Ein weithin sichtbares neues Wahrzeichen: Hadids Bergiselschanze.
    foto: schlosser

    Ein weithin sichtbares neues Wahrzeichen: Hadids Bergiselschanze.

  • Ein Glasdach verbindet das alte Rathaus mit dem Neubau von Dominique Perrault und schützt die Einkaufsmeile darunter.
    foto: schlosser

    Ein Glasdach verbindet das alte Rathaus mit dem Neubau von Dominique Perrault und schützt die Einkaufsmeile darunter.

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