Deutliche Machtverschiebungen bei der Bahn

18. Juni 2006, 17:51
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Knapp zwei Jahre nach dem Umbau der ÖBB in eine Holding kommt es zu deutlichen Machtverschiebungen - Nutznießer sind regierungstreue schwarz-orange Manager

Wien - Bei den ÖBB dreht sich das Karussell an Kompetenzverschiebungen munter weiter. Montag, ist zur Abwechslung die ÖBB-Personenverkehr AG an der Reihe. Wie in der staatlichen Autobahnbaugesellschaft, wo nach Ex-Verkehrsminister Mathias Reichhold laut Informationen aus dem Verkehrsministerium "noch mit einigen Versorgungsfällen" zu rechnen ist, sind die Nutznießer dem kleineren Regierungspartner BZÖ nahe stehende Kandidaten.

Im Fall ÖBB-Personenverkehr ist es der für den Fernverkehr zuständige Vorstandsdirektor Stefan Wehinger. Er soll, verlautet aus ÖBB-Aufsichtsratskreisen, zum Vorstandssprecher aufsteigen. Weiter an Einfluss verliert damit die für Nahverkehr und Finanzen zuständige Wilhelmine Goldmann. Sie musste bereits im Februar das Personalamt der Postbus AG an Franz Nigl abtreten, den Geschäftsführer der ÖBB-Dienstleistungsgesellschaft (DLG), der zum "Personalchef" des ÖBB-Konzerns aufgestiegen ist.

Zunehmende Skepsis

Gesellschaftsrechtler betrachten diese Vorgänge zunehmend skeptisch: Es sei für eine Aktiengesellschaft (AG) sehr ungewöhnlich, dass dem Geschäftsführer einer Holding-Tochter sämtliche Personalentscheidungen vorbehalten seien, obwohl aktienrechtlich die AG-Vorstände dafür gerade stehen müssten, sagt ein Aktienrechtsexperte, der namentlich nicht genannt werden will.

Dass Goldmann "abmontiert" wird, überrascht nicht, sie ist bei ÖBB-Holding-Chef Martin Huber in Ungnade gefallen, weil sie im Herbst wegen der dünnen Eigenkapitaldecke des Personenverkehrs Alarm geschlagen hatte.

Weiters abgeschirrt

"Abgeschirrt", wie es in ÖBB-Aufsichtsratskreisen heißt, soll auch Gilbert Trattner, Vorstand der ÖBB-Infrastruktur Bau AG werden. Er verliert mit dem Wechsel von Alfred Zimmermann von der Infra-Betrieb AG in die Bau AG am 13. Juni weit reichende Kompetenzen: Management Services, Personal und Beteiligungen. Letzteres ist brisant, sichert sich damit doch Huber den direkten Durchgriff auf die umfangreichen ÖBB-Immobilien. Sie waren bisher Trattners Kompetenz.

Federn lassen muss auch Georg Vawrovsky, er muss Planung und Koordination von Infrastrukturvorhaben an Zimmermann abgeben, der rund 5000 Bahnbau-Mitarbeiter in die Bau AG mitbringt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.4.2006)

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    Nach dem Ende der Umbauarbeiten bei den ÖBB dreht sich jetzt das Karussell der Zuständigkeiten. Funktionen und Kompetenzen werden neu verteilt.

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