Autostrade fährt mit Abertis

5. Mai 2006, 15:19
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Italienische Autostrade will mit dem spanischen Betreiber zur größten Autobahngesellschaft Europas fusionieren - Gebührenerhöhungen werden befürchtet

Italiens größter Autobahnbetreiber, Autostrade, will mit dem spanischen Betreiber Abertis zusammengehen. Dadurch entsteht Europas größter Autobahnbetreiber mit einer Marktkapitalisierung von 25 Mrd. Euro und einem auf 45 Mrd. Euro geschätzten Unternehmenswert. Ziel ist es, bei den bevorstehenden Privatisierungen in Ost- und Mitteleuropa mit "vereinter Kraft" mitzumischen.

Für die Autofahrer könnte die Fusion negative Folgen haben. Fraglich ist, ob die von Autostrade bis 2015 vorgesehenen elf Milliarden Euro Erhaltungs- und Erweiterungsinvestitionen umgesetzt werden. Auch könnte das Zusammengehen zu einer Gebührenerhöhung führen. "Durch eine verstärke Monopolstellung haben die Regulierungsbehörden weniger Einfluss auf die Mautgebühren", befürchtet der italienische Transportexperte Marco Ponti. "Allerdings könnten die vorgesehenen Synergien und Effizienzverbesserungen den Autofahrern auch zum Vorteil gereichen", sagte Ponti zum STANDARD.

Aktientausch

Die Fusion soll durch Aktientausch erfolgen. Mehrheitsaktionär von Autostrade ist die Textilgruppe Benetton, die über die Holding Schemaventotto 52 Prozent an der Gesellschaft hält. Nach der Fusion mit Abertis wird Benettons Anteil an der neuen "Auto-Abertis" auf rund 25 Prozent sinken. Die beiden Abertis-Großaktionäre Caixa (Sparkasse von Barcelona) und das Bauunternehmen Acs halten gemeinsam 27 Prozent. Der Aktienkurs der Autostrade kletterte von sieben Euro bei der Privatisierung Ende der Neunzigerjahre auf inzwischen 22 Euro. Auch ist eine Sonderdividende vor der Fusion geplant, welche rund 600 Mio. Euro in die Kasse der Benettons bringen wird. Die Hauptversammlungen der beiden Gesellschaften sollen Ende Juni dem Deal zustimmen, sodass die Operation im Herbst umgesetzt wird.

Bedenken gegen den Deal

Der künftige italienische Regierungschef, Romano Prodi, hat sein Bedenken gegenüber dem Deal geäußert. Die neue Gruppe beabsichtigt ihr Hauptquartier "aus steuerlichen Gründen" nach Barcelona zu verlegen.

Kritisiert wird auch, dass der Deal zu einem Zeitpunkt eingefädelt wurde, wo es in Italien keine handlungsfähige Regierung gibt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.4.2006)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand

Abertis, Autostrade

Der spanische Mischkonzern Abertis ist nicht nur im Autobahngeschäft, sondern auch beim Airport-Betrieb, bei Telekom-Infrastrukturen und beim Betrieb von Parkplätzen tätig. In Spanien kontrolliert der Konzern 1500 km Autobahnen. Die an der Madrider Börse notierte Gesellschaft weist derzeit eine Kapitalisierung von zwölf Mrd. Euro auf. Abertis erwirtschaftete 2005 einen Umsatz von 1,9 Mrd. Euro und einen konsolidierten Nettogewinn von 515 Mio. Euro. Die italienische Autostrade ist mit 3408 km Straßennetz und vier Mio. Kunden, welche das mobile Abrechnungssystem Telepass jährlich benutzen, Europas größter Mautbetreiber. Das an der Mailänder Börse notierte Unternehmen weist eine Kapitalisierung von 12,8 Mrd. Euro auf. Der Umsatz belief sich 2005 auf 2,95 Mrd. Euro, der konsolidierte Nettogewinn auf 791 Mio. Euro.
  • Sehr zum Missfallen des neuen italienischen Regierungschefs Prodi soll der Sitz der italienisch-spanischen "Auto-Abertis" in Barcelona liegen.
    foto: albertis

    Sehr zum Missfallen des neuen italienischen Regierungschefs Prodi soll der Sitz der italienisch-spanischen "Auto-Abertis" in Barcelona liegen.

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