Pannonien unter grünem Strom

1. Juni 2006, 19:34
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Das Burgenland hat sich vorgenommen, bis 2013 mit Windkraft und Biomasse vollständig "energieautark" zu werden

Das Burgenland hat sich vorgenommen, bis 2013 mit Windkraft und Biomasse vollständig "energieautark" zu werden. Und dabei hofft es, auch die westungarischen Nachbarn mitnehmen zu können in eine Zukunft, die nur noch mit "erneuerbarer Energie" versorgt wird.

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Eisenstadt - Hans Niessl, der oft so staubtrocken wirkende Landeshauptmann des Burgenlandes, ist auch zu einiger Leidenschaft fähig. Nicht nur im Fußball, wozu dem A-Lizenz-Trainer der SV Mattersburg zurzeit einigen Grund gibt. Die politische Leidenschaft des Hans Niessl ist die Energieerzeugung- und -versorgung. Wenn man so will: die auf nüchterne Pragmatik heruntergebrochene Anti-Atom-Haltung, mit der Österreich in Europa sich bekanntlich nicht nur Freunde macht.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit entwickelte Hans Niessl beinahe eine Vision. "Ich bin belächelt worden, als ich gesagt habe: Das Burgenland soll energieautark werden, und das mit erneuerbarer Energie." Jetzt schon erzeuge man aber 60 bis 70 Prozent des Stroms aus Windenergie, heuer noch werde ein Biomassekraftwerk im südburgenländischen Heiligenkreuz mit fünf Prozent zum Strombudget beitragen, ab nächstem Jahr drei weitere noch einmal fünf Prozent.

Grünes Musterland

Die Vision vom grünen Musterland überspannt die gesamt Periode des "Phasing out". In vier Jahren soll der diesbezüglich fortgeschrittenste Bezirk - Güssing mit seinem "Europäischen Zentrum für erneuerbare Energie" - stromautark sein, drei Jahre später, wenn die Förderperiode zu Ende geht, das ganze Bundesland. Und während das geschieht, will Niessl die Vision auch jenseits der Grenze lancieren. "Die Vorstellung wäre, die gesamte EuRegio Westpannonien einzubinden." So was würde europaweite Aufmerksamkeit garantieren. Wenn Niessl von etwas überzeugt ist, dann davon: "Europa braucht eine Wende in der Energiepolitik, wir dürfen der Atomlobby das Feld nicht kampflos überlassen."

Niessls Waffen sind Argumente, die auf die Regionen zielen, weshalb er sich hohe Resonanz im europäischen "Ausschuss der Regionen" erwartet. "Erneuerbare Energie belässt die Wertschöpfung im Land. Das Geld, das heute die großen Konzerne kassieren, belebt dann die regionale Wirtschaft. Im Bezirk Güssing sind das rund 32 Millionen Euro. Ab 2010 werden die zur Gänze im Bezirk bleiben." Und mehr noch, denn die Güssinger Forscher arbeiten nicht nur an der erdgassauberen Vergasung der Biomasse, sondern auch an der effizienten Herstellung von Treibstoff.

Grenzüberschreitung

Solche Aussichten gefallen natürlich auch im benachbarten Komitat Vas. Eine Schulkooperation zwischen Güssing und Szombathely bietet grenzüberschreitend die Ausbildung zu einem Beruf, der sich "Solarteur" nennt, aber nicht nur mit Solarenergie zu tun hat. Demnächst wird Szombathely mit Güssinger Know-how ein Biomassekraftwerk errichten.

Parallel zu dieser regionalen Kooperation klopft Niessl auch in Budapest an, frägt dort sozusagen um Erlaubnis, den drei westungarischen Komitaten die erneuerbare Energie nahe zu bringen. Erstaunlicherweise - oder nicht erstaunlicherweise - trifft er auf offene Ohren, "die Ungarn haben zwar das Atomkraftwerk Paks, aber sie wollen weg davon".

"Eignungszonen"

Demnächst soll damit begonnen werden, ein Energiekonzept für die gesamte EuRegio zu erarbeiten. "Ich werde den Komitatspräsidenten unser Energiekonzept präsentieren." Das basiert unter anderem auf ausgewiesenen "Eignungszonen", was vor allem bei der Windkraft entscheidend sei. "Wir wollen ja keine Konflikte mit Umweltorganisationen, wir wollen gemeinsame Lösungen."

Lösungen, die freilich auch von der Energiepolitik des Bundes abhängen. "Der Einspeisungstarif für Strom aus Biomasse hat ein relativ gutes Niveau, das werden wir ausnützen, indem wir sehr schnell bauen." So wie bei der Windkraft, da ist das Burgenland der Preisreduktion des Bundes quasi davongelaufen.

Allerdings ist das für Niessl keine Conditio sine qua non. "An manchen Tagen ist der Strom an der Strombörse jetzt schon teurer als der höhere Einspeisungstarif." Das Muskelspiel von Wladimir Putin und George W. Bush werde diese Tendenz noch verstärken. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.4.2006)

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    Wenn man ins Rad bläst, kommt Strom dabei raus. Das Burgenland will mit Wind und Biomassen einen Energie-autarken Zustand erreichen.

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