Lust auf Psychoanalyse

4. Juli 2006, 21:39
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Glücklich, wer dieser Tage Lust auf Psychoanalyse verspürt: Sigmund Freuds 150. Geburtstag wird landauf, landab zelebriert ...

Glücklich, wer dieser Tage Lust auf Psychoanalyse verspürt: Sigmund Freuds 150. Geburtstag wird landauf, landab zelebriert, besonders ins Zeug legt sich 3sat. Der Kultursender unterhält – DER STANDARD berichtete – in einem umfassenden Programmschwerpunkt. Selbiger ist deshalb bemerkenswert, weil er sich eben nicht nur streng an Freud und Lehre orientiert, sondern sich einen fantasievollen Rundumblick erlaubt. In diesen Rahmen passt Samstag, 19.20 Uhr, Beate Thalbergs Kunstdoku "Rot sind manche blaue Blätter".

Thalberg quartierte sich vorab in die Psychiatrie Gugging ein und schaute den Künstlern auf die Finger. Sie entdeckte ihren Humor und erlebte ihre Depressionen mit. Sie beobachtete sie beim Entstehen ihrer Kunst und lernte Menschen kennen, denen Erfolg egal ist. Bei alledem war die Kamera nicht dabei. "Erst danach und nach der Erlaubnis der Künstler haben wir begonnen, den Film zu drehen. Immer wieder haben die Künstler unseren Drehplan scheitern lassen, weil sie den Rhythmus der Dreharbeiten bestimmt haben. Und sie haben selbst mit einer kleinen DV-Kamera ihren Alltag gefilmt – aus ihrer Sicht, ihrem Blickwinkel", erzählt Thalberg.

Ins pur Freudianische begibt sich Sonntagabend um 23.05 Uhr Otto Brusatti in "Sigmund Freud – Wege und Erkenntnisse". Er erzählt die Biografie des Jubilars mit assoziativen Bild- Ton-Kompositionen. Seine Diashow untermalt Musikexperte Brusatti gekonnt. Es röchelt, kreischt und stöhnt nach Ligeti, Brusattis Kamera tänzelt, hüpft, oder dreht gemächlich ihre Runden um Alltagsphänomene, -objekte und -orte. Kunstvolle Versuche, Seelenpfade zu Freud zu finden. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.4.2006)

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