Anton Pelinka im STANDARD-Interview: "Sehr mobiles Elektorat"

5. Mai 2006, 16:03
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Vor allem die Grünen würden profitieren, meint der Politologe

Der Politologe Anton Pelinka glaubt, dass die hohe Wählermobilität in Innsbruck vor allem den Grünen nützen wird, sagt er im Gespräch mit Benedikt Sauer.

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Standard: Innsbruck gilt politisch als österreichischer Sonderfall. Worin besteht er?

Pelinka: Einmal in der Tradition, dass die ÖVP mit mehreren Listen, quasi gespalten, aber indirekt verbunden auftritt. Dadurch erhöhen sich ihre Chancen. Und zweitens liegen die Grünen weit über dem Bundesschnitt.

Standard: Wieso profitiert das VP-Lager vom getrennten Auftreten? Das könnte auch als Zerrissenheit gesehen werden.

Pelinka: Damit werden Grenz- und Wechselwähler angesprochen. Die Liste "Für Innsbruck" ist geeignet Wähler anzusprechen, die sich sonst nicht der ÖVP verbunden fühlen.

Standard: Die Stärke der Grünen hält seit einiger Zeit an. Worauf führen Sie das zurück?

Pelinka: Zum einen gibt es in Innsbruck ein sehr mobiles Elektorat. Sehr viele wechseln Parteien von Wahl zu Wahl. Diese Mobilität nützt den Grünen. Zudem hat Innsbruck die größte Universitätsdichte, die relativ meisten Studierenden an Universitäten und Fachhochschulen gemessen an der Einwohnerzahl.

Standard: Wie viel steht indirekt für Landeshauptmann van Staa auf dem Spiel?

Pelinka: Ich rechne dann mit indirekten Folgen, innerparteilich, wenn die Liste "Für Innsbruck" deutlich verliert und die ÖVP-Liste stärker zulegt. Denn es gibt in der ÖVP eine Grundstimmung, die van Staa nicht ganz verziehen hat, dass er 1994 mit seiner abgespaltenen Liste "Für Innsbruck" die ÖVP überflügelt hat. Es hängt aber auch davon ab, ob es eine Mehrheit aller ÖVP-Listen gemeinsam geben wird, oder eine rot-grüne Mehrheit.

Standard: Kann die SPÖ die stärkste Partei zu werden?

Pelinka: Man kann davon ausgehen, dass vier Listen potenziell bei 20 Prozent plus liegen. Deshalb kann die SPÖ die relativ stärkste Partei werden. Sie wird aber nur dann etwas daraus machen können, wenn es eine rot-grüne Mehrheit gibt.

Standard: Rechnen Sie zur bürgerlichen Allianz in Innsbruck eigentlich auch die Liste des Ex-FPÖlers Rudi Federspiel dazu?

Pelinka: Federspiel ist sicher de facto die vierte ÖVP-Liste. Es gibt auch unterstützende Äußerungen von van Staa von ihm. Das ist eine Variante, um manche enttäusche Freiheitliche zu einer mit der ÖVP indirekt verbundenen Liste zu bringen. (DER STANDARD, Printausgabe 22./23.4.2006)

  • Anton Pelinka im STANDARD-Interview: "Sehr viele wechseln
Parteien von Wahl zu Wahl. Diese Mobilität nützt den Grünen."
    foto: standard/newald

    Anton Pelinka im STANDARD-Interview: "Sehr viele wechseln Parteien von Wahl zu Wahl. Diese Mobilität nützt den Grünen."

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