Tanz auf zerkratzten Oberflächen

16. Mai 2006, 12:47
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Die Performance-Künstlerinnen Penelope Georgiou und Stefanie Seibold stellen im Mai in der Kunsthalle Exnergasse aus

Wien - Die Kunsthalle Exnergasse lädt im Mai zu einer Werkschau zweier Künstlerinnen verschiedener Generationen, die sich mit den Themen künstlerische live Performance/Theatralität/ Experimentalfilm/Video/Installation/Improvisation auseinandersetzen, und die, trotz aller Gegensätzlichkeiten der einzelnen Arbeiten, eine oft verblüffende Affinität aufzeigen.

Identität durch Gesten

"Die Arbeit von Stefanie Seibold – Performances, Videos, Collagen, Sound und (Video-)Installationen – zeugt von einem spezifischen Interesse an Gesten und Zeichen, die sexuelle Identität konstituieren. Ihre Arbeit erzeugt eine Spannung zwischen zwei operativen Levels: auf der einen Seite die soziale und diskursive Organisation von Gender und Sex, auf der anderen Seite der feministische und Queer Theory-Zugang bzw. Interventionen innerhalb von diesem Bereich. Das Zusammenführen von diesen Bereichen bzw. manchmal auch das bloße Gegenüberstellen dieser zwei Ebenen sensibilisiert die Betrachterin dafür, wie die Dinge sind bzw. wie sie konstruiert/strukturiert sind."
(Dominiek Hoens)

"Die aktionistisch, spekulativ, kurzlebig und übergangshalber aus Zitatresten zusammengestellten Verdichtungen in Stefanie Seibolds Arbeiten treten auf einer eigentlich schon zerkratzten Oberfläche der Repräsentation in Erscheinung und führen eine temporäre Lockerung festgezurrter Geschlechterzuschreibungen auf."
(Christine Lemke)

Im Kern untypisch

"Penelope Georgiou gerät wie sie sagt, stets in Verlegenheit, wenn Auskünfte über ihre berufliche – will sagen: künstlerische – Tätigkeit von ihr erwartet werden. Vor allem deshalb, weil nichts ganz zutrifft. Und dieses Nicht – ganz – Zutreffen bezieht sich sowohl auf die Gattungs- und Ordnungsbegriffe von Kunstbezirken und Kunstrichtungen, als auch auf das, was sie sich innerhalb solcher vornimmt; immer kommt etwas dabei heraus, das im Kern eigentlich untypisch ist; wie ein Gegensystem im System. Das ist nicht etwas, das sie extra anstrebt. Das ist etwas, das ihr passiert. Dieses Passieren ist es, das sich jeder Erklärung sperrt. Zugleich vielleicht auch das, was sie an ihrer Arbeit überhaupt fesselt." (H. S.)

Buchpräsentation

Im Rahmen der Ausstellung findet am Donnerstag, den 8. Juni ab 19.30 Uhr die Buchpräsentation von "Let's twist again. Performance in Wien seit 1960" (deA-Verlag 2006) statt (herausgegeben von Carola Dertnig und Stefanie Seibold). Mit Performances und Party (DJ Ina Freudenschuß); Es spricht Felicitas Thun-Hohenstein. (red)

Penelope Georgiou - Stefanie Seibold

Kunsthalle Exnergasse - WUK
Währinger Strasse 59, 1090 Wien

Ausstellungsdauer: 11.5. – 10.6.

Link

Kunsthalle Exnergasse

  • Arbeiten von Penelope Georgiou (l.) und Stefanie Seibold (r.)
    foto: exnergasse
    Arbeiten von Penelope Georgiou (l.) und Stefanie Seibold (r.)
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