VW auf Sanierungskurs Pischetsrieder will bleiben

4. Mai 2006, 19:47
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Volkswagen leitet jetzt offiziell harte Sparmaßnahmen vor allem in Deutschland ein - Pischetsrieder will bleiben - Neue Renditeziele beschlossen

Wolfsburg/ Frankfurt - Volkswagen treibt die Sanierung seiner angeschlagenen Kernmarke VW voran. Der Aufsichtsrat gab auf einer zweitägigen Klausurtagung grünes Licht für harte Sanierungsmaßnahmen, teilte VW am Donnerstag mit. Der Vorstand solle Restrukturierungsverhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall führen. VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder sagte: "Die Ziele sind definiert." Der Aufsichtsrat habe die vom Vorstand vorgestellten Schritte zustimmend zur Kenntnis genommen, hieß es. Im Zuge der Sanierung verkauft VW zunächst seine 50-Prozent-Beteiligung Mechatronic GmbH in Sachsen an Hälfteeigentümer Siemens VDO Automotive.

Pläne für eine Schließung des Fahrzeugwerks in Brüssel gebe es derzeit nicht, hieß es zu einem zu Wochenbeginn aufgekommenen Gerücht.

Der Vertrag von VW-Chef Pischetsrieder soll noch vor der Hauptversammlung am 3. Mai verlängert werden. "Aus meiner Sicht würde ich es heute so sehen", sagte Aufsichtsratschef Ferdinand Piech nach der Sitzung des Kontrollgremiums auf eine entsprechende Frage. Pischetsrieder bekräftigte, dass er Volkswagen weiter führen wolle. Piech sprach dem Vorstand um den Bayern Lob aus: "Der Aufsichtsrat ist mit der Arbeit des Vorstandes sehr zufrieden." Pischetsrieders Vertrag läuft bis Anfang 2007. Der österreichische Porsche-Spross an der Spitze des Aufsichtsrats hatte zuvor mit öffentlich geäußertem Zweifel über Rückendeckung für Pischetsrieder seitens der Betriebsräte eine Diskussion über die Zukunft Pischetsrieders losgetreten. Nach Ansicht von Firmenkennern haben die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ein Interesse daran, den Chef im Ungewissen zu lassen. So könnte bei den Sanierungsverhandlungen Druck ausgeübt werden.

Aufsichtsrat beschließt neue Renditeziele

- Der VW-Aufsichtsrat hat dem Autokonzern nach einem Magazinbericht neue Renditeziele verordnet. Mittelfristig solle VW eine Kapitalrendite von mindestens 8 Prozent und eine Umsatzrendite von mindestens 6 Prozent erzielen, berichtete die "Wirtschaftswoche" am Donnerstagabend unter Berufung auf Arbeitnehmerkreise. Diese Ziele habe das Gremium auf seiner jüngst beendeten Sitzung beschlossen. Ein VW-Sprecher sagte dazu am Abend: "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen."

Die Baustellen, die im Autokonzern in den vergangenen Jahren entstanden sind:

  • VW Den Gewinnsprung von knapp 61 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro 2005 hat Volkswagen neben dem Rotstift Audi und der Finanzsparte zu verdanken. Die Kernmarke VW schrammte nur knapp an den roten Zahlen vorbei. Zugleich verdienen die Beschäftigten der sechs westdeutschen VW-Werke bis zu 20 Prozent über dem Metall-Tarif. Während Golf und Co. also teuer gebaut werden, hinken Produktivität und Qualität hinter der Konkurrenz hinterher. Die Werke, allen voran das Stammwerk in Wolfsburg, sind schwach ausgelastet. VW ist seit Langem sanierungsbedürftig. Seit die Stahlpreise steigen und der Dollar fällt, ist dies nicht mehr zu verbergen.

  • Seat Trotz Milliarden-Sanierungskosten sieht die spanische Tochter Seat weiter rot.

  • Luxus Unter manchen von Piëchs Entscheidungen leidet VW noch heute: Neben dem Kauf der verlustträchtigen Marke Lamborghini oder dem Engagement bei Bentley erreichte die Luxuslimousine Phaeton nicht annähernd die einst erträumten Absätze. Wegen anhaltender Misserfolge stoppte man den US-Verkauf.

  • Komponenten Während Wettbewerber ihre Teilefertigung großteils ausgelagert haben, beschäftigt VW in eigenen Komponentenwerken rund 30.000 Mitarbeiter. (DER STANDARD Printausgabe 21.04.2006/ APA/Reuters)
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