28. August 2006, 13:46
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Wien - Der Rektor der Technischen Universität (TU) Wien, Peter Skalicky, tritt "mit Nachdruck" für eine Übersiedlung seiner Uni auf das Stadtentwicklungsgebiet am ehemaligen Flugfeld Aspern in Wien-Donaustadt ein. Als Alternative steht eine "Verdichtung" des TU-Standorts am und rund um den Karlsplatz zur Diskussion, noch vor dem Sommer soll die Entscheidung darüber fallen. "Ich persönlich bevorzuge die Variante einer gemeinsamen Übersiedlung der TU mit der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien nach Aspern", sagte Skalicky.

Der bauliche Zustand der auf 14 Standorte verteilten TU ist zum Teil sehr schlecht. Alleine das Hauptgebäude am Karlsplatz hat einen Sanierungsbedarf von 48 Mio. Euro. In das Chemiehochhaus am Getreidemarkt müssen in den nächsten Monaten sechs Mio. Euro gesteckt werden, um die Sicherheitsvorschriften zu erfüllen und den Laborbetrieb aufrecht erhalten zu können. Der Gesamtsanierungsbedarf wurde von der TU mit 210 Mio. Euro errechnet. Aus dem Sonderbudget des Bildungsministeriums für die Sanierung von Uni-Bauten soll die TU laut Hochschulbericht 113 Mio. Euro erhalten, wobei dieses Geld auch für Neubauten verwendet werden könnte.

Monatelange Überlegungen

Nach monatelangen Überlegungen sind nun zwei Alternativen übrig geblieben, über welche die Uni-Leitung noch vor dem Sommer entscheiden will: Einerseits die "Verdichtung am bestehenden Standort rund um Karlsplatz und Getreidemarkt. Bei dieser Variante könnten laut Skalicky einige periphere Standorte aufgelassen werden. Gleichzeitig müsste aber ein nicht zu weit entfernter Standort für Großlaboratorien gefunden werden, die nicht im Umfeld Karlsplatz realisierbar seien. Dafür würden sich die Aspanggründe in der Nähe des Arsenals in Wien-Landstraße anbieten.

Die zweite Alternative wäre die Verlegung des gesamten Standorts auf das ehemalige Flugfeld Aspern. Skalicky hielte es für sinnvoll, das gemeinsam mit der WU zu machen, die ja ebenfalls einen Neubau anstrebt, "weil dann beträchtliche Synergieeffekte erzielt werden könnten, wie Bibliothek, Mensa, Hörsaalzentrum, Studentenheime".

Aspern und Verkehrsanbindung

Ausständig für beide Varianten sind laut Skalicky Zeitplan, Abschätzung der Kosten und glaubwürdige Aussagen über die Finanzierung. Bisher fehlen auch Realisierungskonzepte, im Fall Aspern etwa die in dieser Lage nicht unwichtige Frage der Verkehrsanbindung. Nach üblichen Baukosten würde ein Neubau am Flugfeld ausgehend vom derzeitigen Bestand von etwa 300.000 Quadratmetern Nutzfläche etwa 600 Mio. Euro kosten. In beiden Fällen erwartet jedenfalls Skalicky klare Aussagen des Bundes als Uni-Financier.

Ausständig ist auch noch die Kommunikation in der TU selbst. Dazu sollen zwei Workshops am 19. Mai und 1. Juni mit Dekanen, Betriebsräten, Studentenvertretern, etc. dienen. Derzeit sei eine klare Mehrheit für einen Verbleib am innerstädtischen Standort erkennbar, sagte Skalicky, wobei er aber klarmacht, dass dies keine Sache sei, über die man abstimmen könne. "Die Entscheidung fällt in der Uni-Leitung und bedarf der Zustimmung des Uni-Rats."

"Kalte-Füße-Syndrom"

Zur aktuellen Unipolitik sagte Skalicky, der am 25. April seinen 65. Geburtstag feiert, er orte sowohl beim Bildungsministerium als auch bei den Unis selbst eine "Kalte-Füße-Syndrom" im Zusammenhang mit der neuen Art der Budgetierung nach Ausgliederung der Unis. Das Syndrom äußere sich dahingehend, dass die Unis nun zwar autonom seien, man ihnen aber mit Wissensbilanz, Leistungsvereinbarung und Formelbudget "auf die Finger schaut". Im Prinzip sei diese Art der Budgetierung eine "Fortschreibung des alten Systems", so Skalicky.

Er habe Verständnis zwar dafür, dass nicht von heute auf morgen gravierend umgestellt werden könne. Dennoch sei diese Art der Budgetierung "eigentlich eine Simulation der alten Kameralistik, nur mit viel mehr Parametern". Und diese seien noch nicht eingefahren und an Universitäten angepasst. "Niemand traut sich inhaltlich etwas zu sagen - etwa: das ist gut, das wollen wir haben, oder: das ist weniger gut, das nicht."

"Scheu vor inhaltlicher Auseinandersetzung

Stattdessen erfinde man Parameter, nach denen man das automatisieren könne - "sozusagen eine Pseudooptimierung per Formel, die die Scheu vor der inhaltlichen Auseinandersetzung maskiert." Dabei sei der eigentliche Unternehmenszweck der Unis - für Skalicky liegt dieser darin, "Wissen der Zeit zu sammeln, durch Forschung weiterzuentwickeln und es allen anzubieten, die es haben wollen" - in den Hintergrund getreten. Stattdessen würden sich auch "mehr oder weniger skurrile" Parameter finden, etwa die Zahl der Entlehnungen in der Bibliothek. Und die Bürokratie, die hinter Budgetierung stehe, sei explodiert.

Dass es bei den Uni-Budgets für die Jahre 2007 bis 2009 "keine Verlierer" geben wird, wie das das Bildungsministerium kürzlich angekündigt hat, sieht Skalicky auch, aber: "Rein zahlenmäßig ist das schon so. Nur hilft uns diese Art der Rechnung nicht weiter. Denn dieser Mehrbudgetierung steht ja auch eine Kostensteigerung gegenüber." Die Verschiebungen in den einzelnen Uni-Budgets würden sich jedenfalls "stark in Grenzen halten, und zwar unabhängig davon, was in den Leistungsvereinbarungen drinnen steht".

"Feine Sache" Gugging

Die geplante Elite-Uni in Maria Gugging (NÖ) hält Skalicky für "eine feine Sache". Er freue sich, wenn im Bereich der Naturwissenschaften etwas passieren solle und sei sehr gespannt, was dort gemacht werde. Auffallend sei, dass "das Pferd von hinten aufgezäumt wurde, aber aufzäumen muss man es". Er hätte es vorgezogen, die Standortdebatte mitzuerleben, nachdem man einen wissenschaftlichen Businessplan habe, was dort passieren solle. Klar sei aber, dass die Elite-Uni eine Konkurrenz zu den etablierten Unis sei. Dass sehr viel Geld in das Projekt fließe, mache ihn aber nicht neidisch, denn "das bringt uns doch nicht weiter". (APA/red)

  • Bis zum Sommer soll entschieden werden, ob die TU ihre Koffer packt und nach Aspern umzieht oder nicht.
    foto: standard/corn

    Bis zum Sommer soll entschieden werden, ob die TU ihre Koffer packt und nach Aspern umzieht oder nicht.

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