Auszeit zu zweit

2. März 2007, 17:10
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Speziell für Paare haben zwei Schlosshotels und ein K.&K.-Sommerfrische-Haus diverse Kuschelpackages eingerichtet

Gar nicht weit von Wien, in Waidhofen an der Thaya, steht das frühbarocke "Schloss an der Eisenstraße", das mit (merkbaren) 15 Millionen Euro in elf Monaten Bauzeit zu einem "Designerschloss" umgebaut wurde: Die 53 Zimmer (jedes anders, wie das in einem Schloss so sein muss mit seinen Alkoven, Erkern und Monstermauern) zeigen viel schlichten Stoff, Eisengestänge als Himmelbettdach, dunkles Holz und kreuzgratgewölbte Stuckdecken.

Der Ausblick beim Candlelightdinner von der Terrasse reicht über die rauschende Ybbs auf das Rothschildschloss und die Stadt der Türme, wo vor 200 Jahren ein Output von 350.000 Sicheln jährlich den Wohlstand begründete. Damit (und mit der exzellenten Küche) wird man sicher voll für den beengenden Workout-Raum oder den Pritschel-Pool entschädigt. Aber man will ja auch kein Wellnesshotel sein, sondern ein Wochenende-Kuschelhotel. Und gekuschelt wird nicht schwitzend in der Sauna oder auf dem Fitnessgerät, sondern elegant und edel.

Für das nächste Jahr, in dem die Landesausstellung in Waidhofen an der Ybbs stattfinden wird (Motto: Feuer und Erde) und den zu erwartenden Ansturm ist jedenfalls reichlich vorgesorgt, denn man erweitert das Schloss gerade um einen neuen Glastrakt mit zusätzlichen 38 Zimmern.

Wer die Kuschelkonsequenz ziehen will, kann hier übrigens auch heiraten, in einer der vielen Kirchen in Waidhofen. Anschließend wandelt die Hochzeitsgesellschaft über die Brücke (soll Glück bringen) zum Schloss, wo man mit eigener Kunst-Floristin und speziellen Menüs, Cocktails und der farblichtbespielten Bar Ybbsilon, in die sich Bräute angeblich besonders gerne entführen lassen, alles anbietet.

Und noch mehr: Auch die Konsequenz aus der Kuschelkonsequenz wird besonders bedacht. Man findet dieses Angebot unter "Babymooner-Weekend". Ein letztes Verwöhnen vor dem Geburtstermin, mit Vitamindrinks, Essiggurkerln am Zimmer und Fachvorträgen einer Hebamme.

"Bei uns ist nichts los!" Ganz stolz ist der junge Chef des Schlosses Gabelhofen - gelegen zwischen Judenburg und Fohnsdorf - auf den Mangel an aufdringlicher Aktivität. Diese Ruhe, die er damit meint und auch anbieten will, umfängt einen sofort, wenn man über die Zugbrücke und den Burggraben in den Innenhof schreitet.

Glasüberdacht, mit Innenarkaden und Steinboden, mit etwas verstörendem Fendi- und sonstigem grellbuntem Designer-Mobiliar und moderner Kunst aufgepeppt, steht dieses Schlosses aus dem 15. Jhdt. prächtig da, im Jahr 2000 zu einem 4-Stern Hotel renoviert (hier hat man 20 Mio. Euro investiert) und mit einem gläsernen Anbau an der Rückseite für Seminare und Tagungen ergänzt.

Auch hier wird gekuschelt, auch hier vornehm und mit dem adelnden Weichzeichner von Kandelabern und schallschluckendem, gingkoblätterbesätem Teppichboden.Auch hier residiert man in verschieden verwinkelten Zimmer oder sogar Turmstuben, die mit Himmelbett und Treppchen an Rapunzel denken lassen.

Wer sein Haar herunterlassen möchte, kann das in einem recht kleinen, aber sehr wohltuend wirkenden,rot gestylten Saunabereich tun, oder überschüssige Kräfte beim Workout in einem Wintergarten zwischen üppigen Pflanzen loswerden. Auch hier will man das Wort Wellness nicht hören. Man will jede Bequemlichkeit bieten, doch der Schwerpunkt ist das "Schlossgefühl".

Das serviert man auch mit dem edle Essen, nein, Mahl, das hier haubengekrönt kredenzt wird. In der Cocktailbar. Im Weinkeller. Wer unbedingt hinaus möchte aus den Schlossmauern, sollte sich lieber dem Wandern, Biken, Golfen oder Reiten widmen als dem nahen und leider touristisch unergiebigen Judenburg oder Fohnsdorf.

Aber ein Schlossherr geht auch nicht Shoppen, der geht Fliegenfischen in den hauseigenen Gewässern (ein eigenes Package dafür bietet Ausrüstung und Guide und zig Kilometer Fischgewässer - und als Fang mit ein bisschen Glück sechs bis 14 kg schwere Huchen). Auch Wildbeobachtung in den hauseigenen Revieren wäre passend, aber vielleicht während eines Kuschelwochenendes doch (wie auch beim Fischen) etwas unkommunikativ.

Gehochzeitet wird in Schloss Gabelhofen ebenfalls, und zwar so durchgestylt, dass man sich hier bereits als "Wedding-Trainers" fühlt, als Berater und Organisatoren, die sich um alles kümmern. In Puchberg am Schneeberg wird seit 1996 gekuschelt, mit Bären im Entrèe und als Symbol für ein Wochenende zu zweit auf Bettdecke und Waschlappen. Dieses ehemals kränkelnde k.&k. Hotel, als Sommerfrische und Ausgangspunkt für Ausflüge gleichzeitig mit der (Ende des 19.Jhdts.) gebauten Zahnradbahn zum Schneeberg errichtet, wurde 1994 wiedereröffnet, mit einem damals sensationellen (heute nur noch spärlich benützten) Indoor-Tennisplatz und Balkon für Jeden. Die Nähe Wiens und der "Hausberg der Wiener", der Schneeberg, sind weitere Argumente für Kuscheltage hier. Denn obwohl noch keine 15 Jahre her, strahlt die Renovierung heute das Flair der - damals eleganten - Zwischenkriegszeit aus. Irgendwie scheint hier die Zeit stillgestanden zu sein. Dafür ist das Personal umso freundlicher und viele Gäste kommen her, weil sie sich familiär betreut fühlen.

Die Sauna ist mini, wird aber im nächsten Jahr heftig vergrößert, der Pool nett, eine Gegenstromanlage lässt ordentliche Tempi zu. Wer Plüschbären und Gediegenheit mag, wird sich hier gerne verwöhnen lassen.(Der Standard/rondo/21/4/2006)

Elisabeth Hewson erkundete die Harmonieoasen - im Alleingang

Service >>>

Unterkunft
„Schloss an der Eisenstraße“

„Schloss Gabelhofen“

„Schneeberghof“

Anreise:

Rail Tours Austria bietet dazu die passenden Bahnverbindungen – falls man schon auf der Fahrt (unfallfrei) kuscheln möchte: A-1200 Wien, Dresdener Straße 81-85, A-1200 Wien, Tel.: 01 89930, Rail Tours
  • Der Schneeberghof in Niederösterreich
    www.schneeberghof.at

    Der Schneeberghof in Niederösterreich

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