Maschine rechnet, Mensch serviciert

1. Juni 2006, 16:48
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Schwierige Kontenabstimmung

Österreichs Banken bauen ihre Präsenz in Osteuropa seit geraumer Zeit tüchtig aus und spielen dort in der Oberliga. Raiffeisen darf sich in diesen Reigen einordnen. RZB-General Walter Rothensteiner konnte jüngst wieder eine schöne Bilanz vorlegen. Das sechste Rekordergebnis in Folge verdankt er nicht zuletzt dem blühenden Wachstum in den Ländern Mittel- und Osteuropas (CEE), Südosteuropas und der GUS-Staaten. Was für die RZB vordergründig viele neue Kunden in vieler Herren Länder bedeutet, bringt im Hintergrund einen deutlichen Zuwachs an Daten, die zwischen verschiedenen Banken ausgetauscht werden.

Die Abwicklung des Zahlungsverkehrs und des Wertpapierservices erledigt für die RZB schon seit geraumer Zeit die ausgelagerte Tochter RSC Raiffeisen Daten Service Center. "Wir bearbeiten ein wesentlich größeres Volumen an Transaktionen mit dem gleichen Team", vermerkt Walfried Lemerz, Zahlungsverkehrs­infrastrukturchef der Raiffeisen Bankengruppe stolz.

Prozesse nachvollziehen

Das funktioniert mithilfe einer Software. Die kommt etwa zum Einsatz bei Nostrokontenabstimmung (Konto, das die Bank bei einer Korrespondenzbank unterhält) und Reklamationsbearbeitung. Im Regelfall werden zahllose Daten automatisch durch die Software verglichen. Stimmt etwas nicht, werden sie in die Reklamation geschleust. Ab da kommt ein Mitarbeiter zum Einsatz. "Der Mensch irrt öfter als die Maschine", ist sich Christian Schiebl, Österreich-Chef vom Bankensoftwarespezialisten SmartStream, sicher. Dinge bleiben vielleicht liegen, weil jemand auf Urlaub ist. Damit das nicht geschieht, wird ein Zeitfenster festgelegt, die Erinnerung kommt von der Maschine. Oder ein Mitarbeiter ruft in einer Filiale an, um Informationen abzufragen. Diese werden dann zentral festgehalten. "Die Software trägt dafür Sorge, dass nichts unter den Tisch fällt und die Informationen und ihre Wege transparent nachvollziehbar sind", beschreibt Schiebl.

Neue Version

Derzeit löst bei der RZB eine neue Version der Software Corona die bislang operierende ab. Der Sinn der Umstellung: "Wir haben früher Kundenreklamationen in kleineren Datenbanken verwaltet. Nun sollen vor allem Medienbrüche ausgeschaltet werden", so Walfried Lemerz. Was einst per Fax kam, anschließend in eine Datenbank eingegeben wurde und wiederum per Fax beantwortet wurde, durchwandert nur noch elektronische Systeme. "Das Ziel ist kundenfreundlichere Abwicklung und Prozessoptimierung", sagt Lemerz.

Hersteller einer solchen Bankensoftware ist die britische Firma SmartStream, die in Österreich gegründet wurde und hier auch eines ihrer drei Produktentwicklungszentren erhält. Weltweit 1100 Finanzinstitute greifen auf das Produkt Corona zurück. (Regina Bruckner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.4.2006)

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