"Selbst Arztpraxen lagern schon aus"

1. Juni 2006, 16:48
posten

Für T-Systems-Austria-Manager Max Schaffer stellt Outsourcing heute einen fixen Bestandteil des Wirtschaftslebens dar, der sich quer durch alle Unternehmensschichten zieht

Wenn es schon einen Trend auszumachen gelte, dann am ehesten beim "selektiven Outsourcing", meint Max Schaffer, IT-Operations-Manager bei T-Systems in Österreich. Wer Bedarf an der Auslagerung seiner informationstechnologischen Abläufe habe, gebe nicht mehr alles quasi blind in die Hand eines einzelnen Dienstleisters. Stattdessen werde berücksichtigt, wer etwa das beste Rechenzentrum oder die beste Desktopbetreuung anbietet, und die Aufträge werden entsprechend aufgeteilt, wobei man bei T-Systems für alles gewappnet sei, wie Schaffer mit Verweis auf "eines der modernsten Rechenzentren in Europa" feststellt.

Mit der Bezeichnung "Business Process Outsourcing" übernimmt man komplette Geschäftsprozesse, "und die Unternehmen konzentrieren sich voll auf ihre Kernkompetenz" - obgleich es aber durchaus Unternehmen gebe, "die den ganzen IT-Bereich outsourcen", empfehle man doch, "strategische Prozesse unter dem eigenen Dach zu belassen".

Im Gegensatz zu den Pionierzeiten, als noch genau definiert wurde, welche Leistung ein Unternehmen wünscht, wird heute eine bestimmte Grundleistung vereinbart, die bei kurzfristigem Bedarf ohne komplizierte Rückfragen erweitert wird. Für solche Fälle gebe es "Leerkapazitäten", so Schaffer. Erst, wenn sich längerfristig der Bedarf an Zusatzleistung herausstellt, wird diese zum "Bestandteil des Grundservices". Der Kunde hat immer die Gewissheit, nur zu zahlen, was er auch in Anspruch nimmt.

"Die Kunden sind reifer geworden"

Vor dem Erfahrungshintergrund, den T-Systems mit Diensten für Unternehmen wie das Linzer AKH, die Brau Union oder das Bundeskanzleramt gewonnen hat, weiß Schaffer: "Die Kunden sind reifer geworden." Sorgen und Ängste in Bezug auf Mitarbeiter, die mit ausgelagert werden, oder einen Machtverlust durch das Abgeben von Verantwortung seien passé.

"Mittlerweile zieht sich die Thematik querbeet durch alle Unternehmerschichten - selbst Arztpraxen lagern schon Teile aus. In den Medien wird zwar nur über die großen Deals berichtet, aber es ist de facto fixer Bestandteil des heutigen Wirtschaftslebens". Und das, so Schaffer, mit einer überaus positiven Auswirkung auf die Marktchancen für IT-Fachleute.

Befürchtungen, wonach mit Outsourcing vermehrt die Abwanderung in billigere Wirtschaftsräume verbunden sei, begegnet Schaffer mit dem Hinweis, dass "der Kunde immer einen Partner vor Ort braucht, der mit ihm Bedarf und Probleme bespricht". Da jedoch die Abläufe im Hintergrund in ihrer Qualität unabhängig vom Standort sind, "nutzen wir auch Tochtergesellschaften in den osteuropäischen Ländern, um Synergieeffekte zu erzielen. Wo das Blech steht, ist ja heute egal." (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.4.2006)

Link

T-Systems
Share if you care.