Welche Trends sehen Sie bei IT-Outsourcing?

1. Juni 2006, 16:48
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Otto Kames, Manager Out- sourcing IBM Österreich
Am Markt ist eine klare Trendwende ablesbar: Während einerseits die Auslagerung von IT-Basis(dienst)leistungen zum Massengeschäft wird, gibt es andererseits klare Verlagerungen bei den Gründen für die Entscheidung in Richtung Outsourcing. Waren es früher fast ausschließlich finanzielle Aspekte, so gewinnen nun strategische mehr und mehr an Bedeutung. Ich spreche gerne von "Intelligent Sourcing", das auf der Grundlage verbrauchsabhängiger Modelle umfangreiche Leistungen offeriert.

Stefan Csizy, Geschäftsführer der ACP Gruppe
Beim Thema Outsourcing ist vielerorts Ernüchterung eingekehrt. Die meisten Unternehmen unterscheiden heute sehr viel bewusster zwischen strategischen Aufgaben, die ihre eigene IT-Abteilung erbringen soll, und anderen Tätigkeiten, die meist standardisiert und im Grunde austauschbar sind. Bei dieser Gruppe drängt sich eine kritische Bewertung der Kosten auf. Oft können externe Spezialisten solche Aufgaben günstiger und sogar noch in besserer Qualität erledigen. Deshalb wächst der Bereich des teilweisen Outsourcings oder Outtaskings.

Johannes Baum- gartner, GF Atos Origin IT
IT-Outsourcing ist kein Produkt von der Stange und reduziert sich nicht nur auf Kosteneinsparung in der IT-Infrastruktur. Mit der Bedeutung der IT wächst auch ihre Komplexität: Wie kann man dieser Herr werden? Die Antwort heißt IT-Outsourcing oder IT-Outtasking - bezogen auf die technische Infrastruktur wie auch auf die IT-Anwendungen. Natürlich verlangt der Umgang mit externen Services andere Kompetenzen als das Management von intern bereitgestellten Dienstleistungen. Dem IT-Management kommt dadurch eine neue Bedeutung zu.

Wilfried Pruschak, GF Raiffeisen Informatik
Der Trend geht immer mehr dazu, Outsourcing-Projekte nicht aus finanziellen, sondern aus Gründen der Sicherheit, Verfügbarkeit und des schnellen Technologiewandels zu vollziehen. Der Trend geht aber auch zu Outsourcing-Modellen, die eine höhere Wertschöpfungstiefe haben. Anfänglich war Outsourcing primär Housing und Infrastruktur-Bereitstellung, jetzt geht es vermehrt in Richtung Application Service Providing. IT-gestützte Geschäftsprozesse werden über Outsourcing-Verträge abgesichert. Das Unternehmen wird flexibler und seine IT sicherer.

Christian Rosner, Vorstandsvorsit- zender S&T AG
Auf den internationalen Märkten, wo früh mit dem Outsourcing-Trend begonnen wurde, laufen viele Verträge bereits wieder aus oder es wird wieder "in-gesourct". IT-und Geschäftsprozesse laufen immer mehr zusammen. Die Frage ist, ob es klug ist, die ganze IT outzusourcen. Wenn es um das Kern-Know-how geht, haben immer mehr Firmen Bedenken, alles aus der Hand zu geben. Wo in Österreich auch in Zukunft Marktchancen liegen, ist Infrastruktur-Outsourcing. Es wird also künftig ein fragmentierter Markt werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.4.2006)

Die Frage stellte Isabella Lechner
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