"Ich glaube niemandem, der sagt, er deckt alles ab"

1. Juni 2006, 16:48
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In der Vergangenheit war Auslagern als Wundermittel verkauft worden, doch scheiterten viele Projekte an überzogenen Forderungen und überhöhten Erwartungen

Vor gar nicht allzu langer Zeit war das Thema Auslagern, sprich Outsourcing, verheißungsvoll: "Läuft es in Ihrem Geschäft nicht gut, geben Sie uns Ihre gesamte technische Infrastruktur, und dann wird es besser werden." Doch ganz so war es denn dann doch nicht. Laut einer aktuellen Studie von Forrester und Sun Microsystems scheiterten 35 Prozent aller diesbezüglichen Großprojekte - aber immerhin waren 38 Prozent erfolgreich.

Die Branche hat auf Flops reagiert, und so ist es nun möglich, dass Sun nicht mehr das große Ganze, sondern die kleinen Teile im Mittelpunkt stellt. Mit einer Fülle von Partnerverträgen werden Outsourcing-Aufträge angegangen, und nicht nur, wenn die IT des Auftraggebers auf Sun-Technologien basiert. - Soll heißen, dass Sun auch Infrastruktur des ehemaligen Erzrivalen Microsoft hostet.

Extreme

Im Gegensatz zu anderen Anbietern sieht man sich bei Sun in einer Rolle zwischen den beiden Extremen: So sei man nicht primär daran interessiert, die gesamte IT-Infrastruktur an sich zu reißen, aber wolle auch kein reiner Plattformanbieter sein, der nicht außer Haus gibt.

"Wichtig für ein gelungenes Oursourcing-Projekt ist, dass sich die Unternehmen ihrer eigenen Kernkompetenzen bewusst sind. Wenn man weiß, was man kann beziehungsweise was man nicht gut kann, dann können Experten diese Bereiche übernehmen", erklärt Kurt Welsch von Sun.

Auch Sun selbst habe sich wieder seiner Kernkompetenzen besonnen und biete nun Lösungen an, die sich nach den Wünschen der Kunden richten und wesentlich mehr Flexibilität ermöglichen. Genau in diesem Bereich lagen früher auch die Probleme: Verträge wurden über zehn Jahre abgeschlossen, und jede Änderung in den Unternehmen war mit einem großen Zeitverlust und hohen Kosten verbunden. "Die Antwort der Branche heißt Smart Outsourcing. Ein Unternehmen lagert einzelne Bereiche oder Module, die nicht seine Kernkompetenz sind, aus und hat dadurch weiterhin die Kontrolle."

Der Anbieter sieht sich dabei mittlerweile mit einer neuen Rolle konfrontiert. So seien die Anforderungen am Markt derzeit so, dass viele Anbieter gemeinsam bei einem Kunden unterschiedliche Bereiche betreuen würden. "Bei vielen Projekten ist Sun der Hauptansprechpartner für die Unternehmen, doch im Hintergrund arbeiten zahlreiche andere Firmen am Projekt mit. Wenn heute ein Unternehmen sagt, es könne alle Bereich selbst abdecken, dann glaube ich das nicht. Die Branche ist zu umfassend." (Gregor Kucera, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.4.2006)

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