Nachlese: Erste Streiks unter Präsident Morales

1. Juni 2006, 15:42
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Busfahrer fordern Abschaffung einer neuen Steuer - Gewerkschaften drohen mit weiteren Protestaktionen

La Paz - Eine neue Welle von Arbeitskämpfen stellt die vor weniger als drei Monaten angelobte Regierung von Präsident Evo Morales vor schwierige Entscheidungen: Nachdem Anfang April die Busfahrer die Arbeit niederlegten, um die Rücknahme einer neuen Steuer zu erreichen, legten kurz darauf die MitarbeiterInnen des staatlichen Gesundheitssystems die Arbeit nieder, weil sie einen zehnprozentige Lohnerhöhung verlangen. Die Regierung bietet an, die Gehälter um sieben Prozent anzuheben.

In der Zentralprovinz Cochabamba gingen Regierungsangestellte auf die Straße, um ihre Unterstützung für die Mitarbeiter der hochverschuldeten Fluglinie Lloyd Aereo Boliviano zu demonstrieren.

Mine besetzt

Das Gelände der neuerschlossenen Zink- und Silbermine San Cristobal wurde besetzt, um gegen die Beschäftigung peruanischer und chilenischer Arbeiter zu protestieren. Der Eigentümer des Bergwerks, die US-Firma Apex Silver Mines, gibt an, die Ausländer seien von einer bolivianischen Sub-Firma angeheuert worden, damit sei diese auch für die daraus resultierenden Probleme verantwortlich.

Mehrere Gewerkschaften haben mit weiteren Protestaktionen gedroht. Ein Sprecher des Präsidenten sagte, man bemühe sich, die Arbeitskonflikte zur Zufriedenheit aller Beteiligten zu lösen. Eine Übernahme der Fluglinie Lloyd Aereo Boliviano durch die Regierung schloss er allerdings aus, weil damit auch 170 Millionen Dollar Schulden in Staatsbesitz übergehen würden. Arbeitskonflikte und die daraus resultierenden Massenproteste haben in den letzten Jahren zum Sturz zweier Regierungen geführt. (bed)

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    Ein Busfahrerstreik legte vergangene Woche den Verkehr in Cochabamba lahm.

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