Hacklerregelung ermöglicht Pension mit 60

25. Juni 2006, 09:47
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Nürnberger, Verzetnitsch und Sallmutter vollzogen im gleichen Alter Rückzug aus dem Berufsleben

Wien - 60 Jahre scheint unter Spitzengewerkschaftern ein beliebtes Alter für den Pensionsantritt zu sein. Sowohl Metaller-Chef Rudolf Nürnberger, der gestern seinen Rückzug bekannt gab, als auch zuletzt ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und im Vorjahr GPA-Chef Hans Sallmutter haben sich in diesem Alter aus dem Berufsleben zurückgezogen.

Damit sind sie zwar noch einige Jahre vom eigentlichen gesetzlichen Pensionsantrittsalter von 65 weg, liegen aber auf der anderen Seite über dem Schnitt der Österreicher. Der Durchschnitts-Österreicher ist im Jahr 2004 nämlich schon mit 58,5 Jahren in Pension gegangen, die Durchschnitts-Österreicherin mit 56,9 Jahren.

Dass die Gewerkschafts-Granden deutlich vor dem 65. Geburtstag in den Ruhestand treten können, ist durch die so genannte Hacklerregelung möglich, die einen Pensionsantritt mit 60 ermöglicht, wenn der Betroffene 45 Versicherungsjahre aufweist. Nürnberger, der am 5. September seinen 61. Geburtstag feiert, hat beispielsweise schon mit 14 eine Werkzeugmacher-Lehre begonnen. Wenn er nun ab Juni in den Ruhestand tritt, hat er Anspruch auf eine Politikerpension nach altem Recht von ca. 4.945 Euro.

80 Prozent des Letzteinkommens

Dazu gewährt der ÖGB seinen Spitzen eine Pension von 80 Prozent des Letzteinkommens. Mit Stand 2004 betrug bei Nürnberger das ÖGB-Gehalt 7.162 Euro, was eine Pension von gut 5.700 Euro ergeben würde. Im Büro von Nürnberger wurde allerdings auf aktuelle Reformbestrebungen hinsichtlich der ÖGB-Pensionen verwiesen. Nürnberger wisse auch noch gar nicht, ob er die ÖGB-Pension, die außerdem erst zwei Jahre nach Pensionsantritt bezahlt werde, beantrage, so seine Sprecherin.

Auf ausreichend Versicherungsjahre für einen vorzeitigen Pensionsantritt kann auch Verzetnitsch (wird am 22. Mai 61) zurückgreifen. Auch er hat bereits mit 14 eine Lehre als Gas- und Wasserleitungsinstallateur begonnen. Bei der ÖGB-Pension gelten für ihn die gleichen Bestimmungen wie für Nürnberger.

Nicht alle

Freilich treten nicht alle Gewerkschafter mit 60 ab. Der Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Fritz Neugebauer, wird im Oktober 62 - ihm wird aber noch keine unmittelbare Amtsmüdigkeit nachgesagt. Der Chef der Gewerkschaft Bau-Holz, Johann Driemer, wird im Juni 63, soll aber dem Vernehmen nach im Herbst nicht wieder kandidieren. Weit über das Pensionsantrittsalter hinaus war übrigens ÖGB-Legende Anton Benja für die Gewerkschaft tätig. Der Vorgänger von Verzetnitsch stand bis zum Alter von 75 an der ÖGB-Spitze. (APA)

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