Hofer mischt den Reisemarkt auf

19. Mai 2006, 16:03
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Lebensmitteldiskonter Hofer ist mittlerweile in Kooperation mit dem Verkehrsbüro der drittgrößte Reisever­anstalter in Österreich

Wien – "Bitte erwarten Sie von uns keine Umsatzzahlen", sagt Armin Burger, Generaldirektor der Hofer KG, einer Tochterfirma des deutschen Aldi- Konzerns. So wie dessen (heute superreiche) Gründer Karl und Theo Albrecht ist das Unternehmen selbst extrem verschlossen zur Öffentlichkeit. Trotzdem gaben Burger, sein Geschäftsführerkollege Friedhelm Dold sowie Kooperationspartner Hans Dieter Toth, Chef der Verkehrsbüro- Gruppe, am Dienstag eine Pressekonferenz. In der sie sich drei Zahlen entlocken ließen: 150.000, 200.000 und eine halbe Million. Die erste Zahl bezieht sich auf die Kunden, die 2005, im dritten Jahr des Bestehens der Zusammenarbeit mit Hofer Reisen unterwegs waren. Die zweite ist die prognostizierte Zahl für heuer, die dritte das Ziel für 2009.

Dem zweiten auf den Fersen

Toth: "Heute ist Hofer Reisen der drittgrößte Reiseveranstalter in Österreich." Nur die beiden deutschen Tourismus-Gruppen TUI und Neckermann bedienen mehr Kunden mit ihren diversen Marken. Dem zweiten ist der Diskonter mit seinem Angebot bereits hart auf den Fersen.

In Österreich werden laut Toth jährlich zwölf Millionen Reisen getätigt – inklusive der Geschäftsreisen. Davon liefen nur 1,2 Millionen über einen Reiseveranstalter. Zwei Drittel der Hofer-Reisen-Kunden seien noch nie in einem Reisebüro gewesen: "Wir erschließen hier also eine völlig neue Kundengruppe."

Hofer wirbt mit Postwurfsendungen und monatlich neu aufgelegten Programmen in den derzeit 370 Filialstandorten in Österreich um Kunden. 47 Prozent buchen die Reise schließlich im Internet, der Rest über Telefon. Die Hälfte der Reisen geht nach Österreich. Die niedrigen Preise kommen beispielsweise so zustande, dass Clubs oder Hotels auslastungsschwache Zeiten über eine Art "Spot-Market" günstig an den Diskontveranstalter verkaufen und dieser daraus Angebote zusammen packt, "die keine versteckten Kosten haben und die für unsere Kunden einfach zu verstehen sind" (Burger).

Frequenzbringer

Reisen sind beliebte Frequenzbringer für diverse Handelssparten, Billa nutzt etwa das Angebot der Konzerngeschwister ITS und Jahn Reisen, Spar kooperierte bereits mit der AUA in Sachen Flugticket-Gutscheinen. Auch Eduscho/Tchibo verkauft munter Reisen. Im heimischen Möbelhandel (Kika) sind einschlägige Versuche hingegen mangels einer starken Organisation im Hintergrund wieder sanft entschlafen.

Hofer hat sich mit einem geschätzten Bruttojahresumsatz von 2,8 Milliarden Euro auch im Lebensmittelhandel fix auf den dritten Platz hinter der Rewe-Gruppe (Billa, Merkur, Penny) und Spar gesetzt. Für heuer ist wieder ein Wachstum zu erwarten, zumal Burger wie berichtet bis zum Jahresende 400 Filialen haben will. Für das nächste Jahr kündigt der Deutsche einen Schritt in einen weiteren Dienstleistungsmarkt an. Näheres wollte er allerdings – mit Hinweis auf die firmenübliche Diskretion – noch nicht verraten. Im Standard-Gespräch Anfang des Jahres sagte Burger, auch Autoverkauf sei möglich. "Es muss aber wie bei den Reisen Gesamtpaket und der Partner zu uns passen. Sonst schädigt man womöglich mit einem relativ kleinen Geschäft die Gesamtmarke." (Leo Szemeliker, DER STANDARD Printausgabe 19.04.2006)

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