Erich Foglar - Der Ziehsohn als Nachfolger

5. Oktober 2006, 19:20
31 Postings

"Finanz- und Organisationstalent" wird neuer Metaller-Chef

Wien - Er spricht in etwa so viel wie sein baldiger Vorgänger Rudolf Nürnberger - also wenig. Vielleicht ist gerade deshalb Erich Foglar seinem Chef so ans Herz gewachsen, dass er den strebsamen Zentralsekretär nun zu seinem Nachfolger als Vorsitzender der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung designiert hat. Davor war der 50-Jährige im Zuge der BAWAG-Turbulenzen schon zum ÖGB-Finanzchef aufgerückt.

Kronprinz

Foglar gilt als "Finanz- und Organisationstalent" und wurde seit Jahren als "Kronprinz" des mächtigen Metaller-Chefs Nürnberger gehandelt. In der Metallergewerkschaft war er u.a. für die Finanzen, das Personal und das Mitgliederservice zuständig. Foglar wird als typischer Metaller beschrieben - zielstrebig, diszipliniert, verschlossen und hart in der Sache. Beim Platzen des Fusionsprojekts mit der Privatangestellten-Gewerkschaft soll er eine führende Rolle gespielt haben. An die Öffentlichkeit trat er dabei nie.

Gelernter Werkzeugmacher

Seit 1971 ist der gelernte Werkzeugmacher Mitglied der Metaller-Gewerkschaft. Bei der Firma Philips absolvierte er die Lehre, arbeitete anschließend dort als Facharbeiter. 1979 wurde er Betriebsrat, 1982 in dieser Funktion freigestellt. Nebenbei besuchte Foglar die Gewerkschaftsschule und die Sozialakademie. 1987 wechselte er dann in die Metaller-Gewerkschaft, zunächst als Sekretär, dann als Zentralsekretär-Stellvertreter und seit 1992 als Zentralsekretär.

Vertrauensmann

Foglar, verheiratet und Vater von zwei Töchtern, genoss dabei stets das volle Vertrauen seines Chefs Nürnberger. Dies war für höhere Weihen in der Gewerkschaft lange Zeit aber eher ein Handicap, da der neue Finanzreferent bei den Metallern in seiner Funktion als unabkömmlich galt. Durch den gleichzeitigen Abtritt von ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch und Finanzreferent Günter Weninger war seine Stunde aber gekommen, mussten sich die Metaller doch beeilen, einen der wichtigen Posten, nämlich jenen des Finanzchefs, zu erhalten.

Hobbyläufer

Nun hat es den Hobbyläufer gleich doppelt gut getroffen, auch sein unmittelbarer Chef macht den Weg für den Generationensprung frei - und das alles dank des BAWAG-Skandals, obwohl Foglar dort über Jahre hinweg selbst im Aufsichtsrat saß, ohne allerdings von den verlustreichen Karibik-Geschäften zu wissen, wie er während der vergangenen Wochen unverdrossen beteuerte. (APA)

  • Erich Foglar
    foto: standard/cremer

    Erich Foglar

Share if you care.