Rudolf Nürnberger - Der starke Mann des ÖGB geht

25. Juni 2006, 09:47
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Tritt nach 18 Jahren im Amt ab

Wien - Die Ära der großen alten Männer in der Gewerkschaft ist zu Ende. Nach GPA-Chef Hans Sallmutter und ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch geht nun auch deren Jahrgangskollege Rudolf Nürnberger in Pension. Der 60-jährige Metaller-Chef, ÖGB-Vize und Vorsitzende der sozialdemokratischen Gewerkschafter galt als der mächtigste Funktionär im ÖGB. Sein Abtritt hinterlässt ein Vakuum, das eine neue Generation um seinen Nachfolger Erich Foglar, GPA-Chef Wolfgang Katzian und Eisenbahner-Chef Wilhelm Haberzettl ebenso auszufüllen hat wie ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer, der mit seinen 54 ja nun fast schon die graue Eminenz im Gewerkschaftsbund ist.

Schweige-Polterer

Nürnbergers Charakter in ein Wort zu fassen, ist schwierig bis unmöglich. Denn er gehört zur Spezies jener Menschen, die sowohl die Rolle des Schweigers als auch jene des Polterers perfekt beherrschen. Laut nach innen, leise nach außen, war Zeit seines Gewerkschaftslebens die Devise. Interviews mit dem medienscheuen Metaller-Boss gab es während seiner 18-jährigen Ära selten, seinen Widerparten bei den KV-Gesprächen sagt er folgerichtig erst etwas, wenn er am Verhandlungstisch saß, dann aber deutlich, wie die traditionell hohen Metallerabschlüsse belegen.

Raue Schale

Die raue Schale des Machtpolitikers war freilich nicht nur bei Arbeitgebern sondern auch in den eigenen Reihen gefürchtet. Auch einem ÖGB-Präsidenten sagte Nürnberger lauthals seine Meinung, wenn es ihm nötig erschien. Als allzu demokratisch wurden seine Methoden in der Gewerkschaft nie empfunden. Was er im kleinen Kreis beschließen ließ, das zählte, beklagen viele - zuletzt auch bei der Ablöse Verzetnitschs und der getroffenen Nachfolgeregelung.

Andererseits freute man sich bei den Sozialdemokraten auch öfters einen Haxen aus, wenn Nürnberger während seiner 20 Jahre im Nationalrat in einer seiner pointierten Reden im breiten Dialekt dem politischen Gegner die Leviten las. Solche öffentlichen Auftritte waren freilich selten. Eigentlich war Familienmensch und Modelleisenbahn-Freak Nürnberger ja bevorzugt der Mann im Hintergrund, der eher unauffällig seine Fäden in Gewerkschaft und Partei zog, letzteres übrigens über Jahre zu Gunsten seines Kartenspielfreunds Alfred Gusenbauer.

Watschen

Hin und wieder blieb es aber auch Nürnberger nicht erspart, sich in der Öffentlichkeit Watschen abzuholen. Denn wirklich bekannt wurde der gebürtige Niederösterreicher, Ehemann und Vater eines Sohnes erst, als er scheinbar die Neuauflage von Rot-Schwarz 1999 zu Fall brachte. Der FSG-Chef und SP-Verhandler unterschrieb nach Rücksprache mit den Seinen den Koalitionspakt nicht, was Schwarz-Blau Flügel machte und für die ÖVP einen idealen Sündenbock schuf.

"Ich bin erschüttert"

Für Nürnberger, den das Ganze menschlich durchaus getroffen hatte - legendär sein Ausspruch "ich bin erschüttert" in der Endphase der Regierungsverhandlungen -, blieb vom Ganzen in der Öffentlichkeit ein kleiner schwarzer Punkt, der aber wohl nicht mehr wehtat als das Platzen der Gewerkschaftsgroßfusion im Vorjahr. Mit seinem alten Intimfeind GPA-Chef Hans Sallmutter hatte Nürnberger die ÖGB-Spitze düpiert und völlig unerwartet eine Zusammenlegung der beiden großen Spieler in der Gewerkschaft angekündigt. Der letzte große Feldzug der beiden vor ihrem Gang in die Pension sollte das G-5-Projekt werden. Letztlich scheiterten sie - wohl auch, weil die beiden Jahrgangskollegen ihre Privatfehde nie ganz unter Kontrolle bekommen konnten.

Ziehsohn als Nachfolger

Mit Erich Foglar hat Nürnberger jedenfalls seinen gewerkschaftlichen Ziehsohn als Nachfolger inthronisiert. Und man kann davon ausgehen, dass bei der Nachfolgeregelung für den FSG-Chef auch ein Pensionist Nürnberger noch seine Finger kräftig mit ihm Spiel gehabt haben wird. (APA)

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    Rudolf Nürnberger

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