Viel Haut, wenig Stoff

7. März 2007, 15:11
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Der Bikini wird heuer 60 Jahre alt. Im Juli 1946 stellte Louis Réard dem Pariser Publikum zum ersten Mal seine zweiteilige Badebekleidung vor

Ob es ein heißer Sommer wird, wagt noch kein Meteorologe zu beschwören, eines ist aber gewiss: 2006 steht im Zeichen des Bikinis. Der wird heuer 60 Jahre und sieht dabei gar nicht alt aus.

Bikini steht für Spreng-Stoff: Am 1. Juli 1946 warf ein US-Militärflugzeug auf das winzige Pazifik-Atoll Bikini die erste Atombombe der Nachkriegszeit ab. Vier Tage später schickte der Ex-Autoingenieur und Modedesigner Louis Reard das Revuegirl Micheline Bernardi nur mit vier knappen Stoffdreiecken bekleidet über einen Laufsteg in einem Pariser Freibad. Den Namen des zerstörten Atolls hielt er für passend für das neumodische Kleidungsstück. Das freizügige Badekostüm wurde dann vielerorts auch tatsächlich mit der gleichen moralischen Entrüstung bedacht wie die US-Atombombentests.

Fast zur selben Zeit überraschte der Modemacher Jacques Heim aus Cannes die Modewelt mit einem bauchfreien Badezweiteiler. Auch er rechnete mit Zündstoff, nannte er sein Modell doch Atom. Durchgesetzt hat sich aber der Name Bikini. Atom hatte im Schatten von Hiroshima keine Zukunft. Aber auch der Bikini brauchte einige Jahre Anlaufzeit.

Erst ab 1956, als Brigitte Bardot in "... und ewig lockt das Weib" einen der noch verfemten Zweiteiler trug, wurde der Bikini weniger mit Atom- und mehr mit Sexbombe assoziiert. Breiten Einsatz fanden die schmalen Stoffstreifen, nachdem Ursula Andress 1962 im ersten 007-Film "James Bond jagt Dr. No" in einem cremefarbenen Baumwoll-Bikini dem Meer entstiegen war. Zudem kamen in den Sechzigern neue Textilien auf den Markt. Vor allem Lycra brachte Bikinis ab 1960 in die perfekte Passform.

Trotzdem ging der Bikini - das Wort bedeutet in der Sprache der Insulaner "Land der vielen Kokosnüsse" - wegen harter Konkurrenz immer wieder einmal sprichwörtlich baden: Der in den USA schaffende, gebürtige Wiener Modemacher Rudi Gernreich (1922 bis 1985) erfand 1964 den Monokini, besser unter dem Synonym "oben ohne" bekannt, eine Freizügigkeit, die vor allem unter den Blumenkindern Anhänger fand. Anfang der neunziger Jahre verhalf die TV-Serie Baywatch im Gegenzug dem Einteiler zu neuer Popularität.

Untergegangen ist der Bikini aber nie. Heuer taucht er anlässlich des runden Geburtstags vermehrt im Retrostil auf. Vor allem edel-schlichte Schwarz-weiß-Muster erinnern an den Glamour aus Hollywood-Glanzzeiten in den Sechzigern. (apa)

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    Ursula Andress verdrehte dem Geheimagenten 007 im ersten Bond-Streifen "Dr. No" 1962 in einem weißen Bikini den Kopf.

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